„Ich habe jedes Mal Angst, wenn ich da rausfahre“, sagt eine Frau, die in der Vorderen Kellereigasse wohnt. Sie spricht über die Einfahrt der besagten Gasse in die Bamberger Straße in Neustadts Altstadt. Ein Kübel raube ihr die Sicht, das gesamte Eck sei schwer einsehbar und damit gefährlich, findet sie. Die Stadtverwaltung versteht die Bedenken, widerspricht aber.
Ein grauer Kübel thront an der Ecke der Vorderen Kellereigasse in die Bamberger Straße. Die Bepflanzung ist ein grüner Tupfer in der Altstadt. Die Anwohnerin, die sich in der Redaktion gemeldet hat, beruhigt das Kleinod aber nicht – im Gegenteil: „Ich sehe nichts, wenn ich da rausfahren will.“ In der Tat müssen kleiner gewachsene Autofahrer weit einfahren, um den laufenden Verkehr zu beobachten. Ein Sicherheitsproblem sieht der Geschäftsleitende Beamte der Stadt, Rigobert Pfister, aber nicht. Schließlich gelte Rechts-vor-Links in der 30er-Zone, die Ausfahrer aus der Vorderen Kellereigasse haben also Vorfahrt.
Für die Anruferin ist das aber ein schwacher Trost. Sie sei klein, ihr Auto älter, entsprechend sehe sie gar nichts. Ihrer Wahrnehmung nach würden in diesem Bereich auch viele „fahren wie die gesengten Säue“. Entsprechend habe sie Angst um ihr Auto und um ihre körperliche Unversehrtheit. Denn aus ihrer Sicht wisse niemand so genau, wer dort Vorfahrt hat. Sie fragt sich: „Wieso kann man den Kübel nicht irgendwo hinstellen, wo es niemanden geniert, beispielsweise vors Rathaus?“
Er habe mit dem Ordnungsamtsleiter Thomas Kursawe bereits über das Thema gesprochen, sagt Pfister. Ein Umzug des grauen Kastens komme demnach nicht in Frage: „Das ist kein leichter Kübel, sondern Beton.“ Ihn umzusetzen, das sei gar nicht so einfach. Weiteres Problem: Der Kübel wurde im Zuge der Neugestaltung der Bamberger Straße über die Stadtbauförderung bezuschusst, entsprechend könnte es womöglich förderschädlich sein, ihn umzuziehen.
Bei einem ernstzunehmenden Sicherheitsrisiko würde man das freilich tun, versichert Pfister. Das sieht er an dieser Ecke aber nicht. „Bislang hat sich nur eine Dame beschwert.“ Und: „Passiert ist bisher auch nichts“, das bestätigt die Polizei auf Nachfrage. Seit 2020 fand der zuständige Beamte im System nur zwei Kleinunfälle, beide Male waren rangierende Laster das Problem.
Pfister: „Es ist nicht so heiß, wie es vielleicht subjektiv empfunden wird.“ Denn die Bamberger Straße ist in diesem Bereich Einbahnstraße, die Verkehrsteilnehmer aus der Kirchgasse seien bis dahin noch nicht schnell unterwegs und sonst seien in diesem Abschnitt eigentlich nur Busse unterwegs.
Untätig bleiben wolle die Stadt aber nicht, betont Rigobert Pfister. Mit kleinen Maßnahmen wolle man die Sicherheit erhöhen und vor allem die Rechts-vor-links-Regelung noch einmal mit einem Schild hervorheben. Der Kübel aber soll bleiben, wo er ist. Das jedoch will sich die Anwohnerin, die sich in der Redaktion gemeldet hat, nicht gefallen lassen.
„Wenn der Kübel bis Samstag nicht verschwunden ist, schneide ich das Grünzeugs runter“, kündigt sie an. Eben jenen Strauch, der ihr bislang die Sicht raube, will sie stutzen. Dass das Sachbeschädigung ist, stört sie nicht: „Mir ist wurst, ob ich eingesperrt oder bestraft werde.“ Sie fühlt sich von den Behörden nicht ernstgenommen: „Mein gesundheitlicher Schutz juckt offenbar niemanden.“