Asiatische Hornissen in einem Zwetschgenbaum bei Diespeck | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 29.10.2024 17:28

Asiatische Hornissen in einem Zwetschgenbaum bei Diespeck

Die Asiatische Hornisse ist hauptsächlich schwarz gefärbt. Vorne am Kopf ist sie orange getupft (sieht man auf diesem Bild nicht) und hinten gelb. Hier nascht sie gerade ein Lockmittel, bestehend aus Bier, Wein und Zucker. (Foto: Josef Weiss)
Die Asiatische Hornisse ist hauptsächlich schwarz gefärbt. Vorne am Kopf ist sie orange getupft (sieht man auf diesem Bild nicht) und hinten gelb. Hier nascht sie gerade ein Lockmittel, bestehend aus Bier, Wein und Zucker. (Foto: Josef Weiss)
Die Asiatische Hornisse ist hauptsächlich schwarz gefärbt. Vorne am Kopf ist sie orange getupft (sieht man auf diesem Bild nicht) und hinten gelb. Hier nascht sie gerade ein Lockmittel, bestehend aus Bier, Wein und Zucker. (Foto: Josef Weiss)

Im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim wurde das erste Nest von Asiatischen Hornissen gefunden. Sieben Wochen lang hatte sich der Bienensachverständige im Landkreis, Josef Weiss, hierfür auf die Suche gemacht. Im Laufe der Woche wird es im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde fachmännisch beseitigt.

Auf der Höhe Neustadts, oberhalb der Herrenberge, beobachtete eine Imkerin Anfang September, dass auch Hornissen vor ihrem Stand schwärmten. Sie rief Josef Weiss an, der vor Ort für die Bienengesundheit im Landkreis zuständig ist.

Landesanstalt in Veitshochheim war aktiv

Die Imkerin brachte ihm eine der Hornissen. Dieses Exemplar schickte Weiss an die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau nach Veitshöchheim. Das Institut bestätigte ihm, was er dachte: Es handelt sich um Vespa velutina nigrithorax, die Asiatische Hornisse.

Auf Schulungen habe er so manches über das Tier gelernt. Deren Stachel ist laut Weiss mit sieben Millimetern sehr groß und könne dem Menschen ganz schön wehtun. Ein herkömmlicher Imkeranzug genüge da nicht, man brauche einen speziellen – denn der Stachel gehe sonst durch.

Bei einem einzigen Tier ist es nicht so schlimm für den Menschen. Wenn der aber in die Nähe eines Nestes kommt, können diese Tiere schnell sehr aggressiv werden. Richtig gefährlich wird das zweieinhalb Zentimeter große Insekt – es ist etwas kleiner als die europäische Hornisse – aber den heimischen Bienenvölkern: Die Hornisse zwickt den Kopf und den Hinterleib ab und schnappt sich das Bruststück, das sie für ihre Brut benötigt.

Unbemerkter und schneller Beutefang

Josef Weiss machte sich nach dem Fund sofort auf die Suche, um das Nest der Asiatischen Hornissen ausfindig zu machen. Denn dieses musste irgendwo an einem anderen Ort sein. „Ich fuhr andere Bienenständen ab, um zu beobachten, ob das Insekt dort fliegt“, berichtet er.

Am häufigsten waren die Insekten an einem Bienenstand oberhalb der Herrenberge in Neustadt zu sehen. Mit Sicherheit setzte sie aber auch anderen Völkern und damit den Imkern im Umkreis zu. Zunächst ist ihr Auftreten unspektakulär beim Beutefang: Die Asiatische Hornisse mischt sich eher unbemerkt unter das schwirrende Bienenvolk. Etwa alle 15 Minuten taucht ein einziges Exemplar auf, schnappt sich in ungehöriger Schnelle eine Biene und fliegt wieder ab.

Insekt farblich markiert

Weiss unternahm nun Kleinstarbeit. Er fing eine Hornisse, markierte sie farblich, gab ihr ein Lockmittel (damit sie wieder an den ausgesetzten Punkt zurückkehrte) und setzte sie etwa 50 Meter vom Bienenstand entfernt aus. Schließlich schaute er genau hin, in welche Richtung sie fliegt. Auf diese Weise ging er immer ein Stück weiter.

Langsam wurde ihm klar, dass die Hornissen über den Hügel fliegen und ihr Nest wohl im Tal haben. In der Ortschaft Ehe (Gemeinde Diespeck) entdeckte Weiss am Sonntag das Nest am Ortsrand in sechs Metern Höhe, und zwar in der Krone eines Zwetschgenbaumes, dessen Laub schon heruntergefallen war.

Etwa 50 Stunden habe er gebraucht, um das Nest zu finden. Auch mit einer Drohne war versucht worden, den Flug der Tiere zu begleiten. Dazu wurde ein Insekt mit einer winzigen Schnur und einem glänzenden Papierfitzel markiert, damit die Drohne es stets im Auge hat. Doch gerade an jenem Tag war es so windig, dass man von dieser Suchmethode wieder abkommen musste.

Weiter als 800 Meter

Kleiner Vorteil, um den Tieren beizukommen: Während die Europäische Hornisse irgendwo versteckt ihr Nest baut, errichtet die Asiatische ihres frei. Eines hat Weiss festgestellt: „Es hieß immer, diese Insekten fliegen 500 bis 800 Meter weit. Aber dem ist nicht so.“ Das Nest befand sich etwa einen Kilometer von dem Bienenstand entfernt.

Josef Weiss hofft, dass die Vespa velutina in Ehe noch keine Jungköniginnen produziert haben. Daraus könnten sonst Dutzende Völker entstehen. In Unterfranken sei die Asiatische Hornisse bereits häufig aufgetaucht. 2004 war die aus Südostasien stammende Hornisse erstmals in Europa, in Frankreich, gesichtet worden – 2022 im hiesigen Landkreis.

Ein Volk besteht aus rund 2000 Exemplaren

Rund 2000 Tiere zählt ein Volk der invasiven Hornisse. Diese brauchen rund zehn bis 15 Kilogramm Bienenmasse pro Jahr – etwa zwei Kilogramm wiegt hierzulande ein durchschnittliches Bienenvolk. Süße Früchte, beispielsweise Trauben oder Erdbeeren verzehrt, die Asiatische Hornisse auch sehr gerne.

Gestern Abend teilte Manuel Lenk von der Unteren Naturschutzbehörde mit, dass das Nest schon bald giftfrei entsorgt wird. Die Flugtiere werden abgesaugt, das Nest wird die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim zu Forschungszwecken verwenden.

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