Steht der von vielen Verkehrsteilnehmern dringend gewünschte, kreuzungsfreie Ausbau der Bundesstraße 8 an der Anschlussstelle Emskirchen-West auf der Kippe? Sollte das Eisenbahn-Bundesamt die notwendige Freigabe von Bahnflächen nicht erteilen, könnte dies das Aus für das Projekt bedeuten.
Denn: Die Bundesbehörde muss bestätigen, dass die Grundstücke für Bahnzwecke nicht mehr benötigt und damit für eine andere Verwendung freigegeben werden. Diese hatte der Vorhabenträger, das staatliche Bauamt, zuvor beantragt.
Der Marktgemeinderat Emskirchen hat nun einstimmig eine Stellungnahme zum laufenden Verfahren abgegeben. Das Gremium unterstützt das Vorhaben mit Nachdruck und nennt als wichtigstes Argument das Risiko durch den derzeitigen Linksabbiege- und Einbiegeverkehr, besonders die Einmündung der Gemeindeverbindungsstraße im Süden. „Die Planung und der Antrag auf Freistellung gründen im Schutz der Gesundheit der Verkehrsteilnehmer“, heißt es dort unter anderem. Jeder Mensch habe ein Recht auf körperliche Unversehrtheit und Verkehrssicherheit.
Im Bereich Emskirchen-West treffen die B8, die Kreisstraße NEA 22 und die Gemeindeverbindungsstraße zum Gewerbegebiet Emskirchen West aufeinander. Trotz Tempolimits und dreistreifigen Ausbaus beidseits des Knotens kam es an den Einmündungen immer wieder zu teils schweren Verkehrsunfällen, viele davon mit Verletzten, einzelne sogar mit Todesfolge.
Zuletzt verunglückte im Februar ein Mensch tödlich. Die Errichtung einer Brückenüberführung der B8, die Verlegung der Zufahrt und der Lückenschluss im dreistreifigen Ausbau sollen den riskanten Bereich entschärfen. Dafür sind rund 26.000 Quadratmeter Fläche notwendig – auch Grundstücke der Bahn.
Eigentlich hatte es lange so ausgesehen, als stünde dem kein übergeordnetes Interesse entgegen. Wie Bürgermeisterin Sandra Winkelspecht informiert, hätten im Vorfeld viele Gespräche unter Beteiligung verschiedener Tochtergesellschaften des Bahn-Konzerns stattgefunden, mit positivem Ergebnis.
Ende Juni erhielt die Verwaltung dann die Information, dass die Bahn im Rahmen des Klimaschutzpakets zur Beseitigung verkehrlicher Engpässe ein zusätzliches Überholgleis auf der Strecke Fürth-Würzburg plant. Dies könnte, ungefähr am Umspannwerk beginnend, mehrere Kilometer weit in Richtung Neustadt reichen.
Die Gemeinde sieht Gleis- und Straßenausbauprojekte allerdings nicht im Widerspruch zueinander und argumentiert, dass beide gleichzeitig realisierbar seien. Ob das Eisenbahnbundesamt dies ebenso sieht, ist offen. Seit 2024 muss nach dem Willen des Gesetzgebers wieder stärker geprüft werden, ob eine künftige Bahnnutzung sinnvoll wäre.
„Die Gleisanlagen liegen direkt neben dem Planungsgebiet, und denkbar ist immer ein Fall, in dem diese vielleicht irgendwann doch gebraucht werden“, erläutert Winkelspecht. Ob eine Umplanung des B8-Vorhabens möglich ist, sei aktuell unklar.
Ausdrücklich betont sie, dass es nicht an den Akteuren vor Ort liege. „Alle Mitarbeitenden des staatlichen Bauamts und auch der beteiligten Bahn-Tochtergesellschaften arbeiten sehr konstruktiv zusammen und sind bemüht, eine Lösung zu finden.“ Man sei sich im Grunde einig und hoffe gemeinsam auf einen positiven Entscheid der Bundesbehörde.
Kommt das Projekt nicht zustande, wäre dies eine Katastrophe für Emskirchen, so die Bürgermeisterin. Die Kommune hat großes Interesse daran, dass an der B8 eine neue Querung errichtet wird. Für das dritte Bahngleis müsste die aktuelle Brücke – die Wulkersdorfer Brücke – in jedem Fall irgendwann weichen. Ohne B8-Ausbau gibt es dann dort allerdings gar keine Überführung mehr. „Schlimmstenfalls müsste der Schwerlastverkehr zum Gewerbegebiet West komplett durch den Ort fahren“, befürchtet Winkelsprecht.
Einen Neubau in Eigenregie kann der Markt als Baulastträger sich kaum leisten. Außerdem bleibt der Bahnvorbehalt bestehen, unabhängig vom Vorhabenträger. Ärgerlich aus Emskirchener Sicht ist außerdem, dass die Kommune über die Jahre sehr viel Geld in die Ertüchtigung der Wulkersdorfer Brücke investiert hat. Daher wird ein angemessener Ersatz für den Verlust des Bauwerks gefordert.
Um das Problem an höchster Stelle in Berlin zur Sprache zu bringen und für einen positiven Ausgang aus Gemeindesicht zu werben, hat die Bürgermeisterin bereits Kontakt zu den Bundestagsabgeordneten aus der Region aufgenommen. Sie regt einen Runden Tisch mit allen Akteuren an, um alle Möglichkeiten zu betrachten.