Seit 20 Jahren kümmert sich Andreas Ritz um Vögel, die krank sind, bei einem Unfall verletzt wurden oder einfach zu schwach sind, um Futter zu finden. Seit 2015 gibt es den gemeinnützigen Verein mit zwölf aktiven Mitgliedern, die Ritz bei der Pflege der Tiere oder der Organisation von Auftritten bei Veranstaltungen zur Seite stehen.
„Ruhig, Großer!“ Andreas Ritz besänftigt einen majestätisch anmutenden, braun gefiederten Steinadler. Aslan heißt er, ist elf Jahre alt, gehört zu Ritz’ Privatbestand und wohnt in einer großen Voliere in seinem Garten in Unteroestheim. Nebenan lebt Weißkopfseeadlerdame Bonnie, in einem weiteren Käfig sind drei junge Schleiereulen eng zusammengekuschelt.
Bonnie wurde von ihrem vorherigen Besitzer geschlagen, erzählt Andreas Ritz. Er selbst erzieht die Tiere mit Liebe. „Respekt darf man haben, aber keine Angst.“ Besonders wichtig sei es, eine aufrechte Haltung gegenüber den Vögeln zu bewahren, Ruhe und Gemütlichkeit auszustrahlen. Ritz kennt seine Schützlinge in- und auswendig. „Vögel haben keine Mimik und Gestik“, erklärt der 61-Jährige. Wichtiger sei deshalb, auf die Körperhaltung der Tiere zu achten, um sie „lesen“ zu können.
Bereits seit mehr als 20 Jahren gewährt er Vögeln Schutz. Angefangen hat die Leidenschaft aber schon früher: Als kleiner Junge habe er verletzte Tiere, die er fand, aufgepäppelt. Und seitdem immer weitergemacht: Erst zog er die kranken Vögel bei sich zu Hause im Wohnzimmer auf. Mittlerweile gibt es dafür einen Container als Quarantänestation.
Dort untersucht Ritz die Tiere auf mögliche Verletzungen und Vergiftungen. Er kontrolliert die Flügel auf offene Stellen oder Brüche. Dann folgt Bürokratie: Die Tiere müssen beim Landratsamt gemeldet werden. Und je nachdem, was der Vogel braucht, wird er wieder in die Freiheit entlassen oder weiter gepflegt.
Über die Zeit sind ihm einige der Tiere ans Herz gewachsen. An Beppo, einen jungen Storch, erinnert sich Ritz gern. Das Tier lebte in einem Hundekorb und ging durch Ritz’ Terrassentür ein und aus. Nachdem er ausgewildert worden war, klopfte nach einigen Jahren ein Storch wieder an Ritz’ Tür – es war Beppo. Und er hatte eine Storchenfrau dabei. „Das sind die Momente, für die man all die Strapazen in Kauf nimmt“, erinnert sich Ritz gerührt. Bis zu 300 Tiere päppelt er im Jahr auf. Manchmal wird er mitten in der Nacht angerufen, hat quasi eine Rundum-Rufbereitschaft. Doch es lohnt sich, sagt er: für die Tiere.
80 Prozent der Vögel, die Ritz aufnimmt, bekommt er wieder auf die Beine. Wer ein Tier findet, das verletzt aussieht oder krank, kann sich bei Ritz und den weiteren Mitgliedern des Vereins Greifvogel-Auffangstation Mittelfranken melden. Grundsätzlich gilt laut Ritz: Die Vögel sollten lieber in ihrer natürlichen Umgebung bleiben. Ein Jungvogel, der aus dem Nest gefallen ist, wird von den Elternvögeln weiter gefüttert. Befindet sich das Tier jedoch in einer gefährlichen Umgebung, sei es ratsam, es zur Auffangstation zu bringen.
Die drei Schneeeulen sind noch ganz neu in Ritz’ Garten. „Sie sind zu früh raus aus dem Nest und haben auf der Straße nach Futter gesucht. Da haben sie die Leute gefangen und zu mir gebracht.“
Noch mehr Tiere kann er in Schnepfendorf, knapp zehn Minuten von seinem Grundstück entfernt, unterbringen. Dort steht eine große Scheune voll mit weiteren Volieren. Auch eine Auswilderungskammer, in der in den Hochzeiten bis zu 60 Jungfalken leben, gibt es. Durch die Öffnung nach draußen können die Vögel in die Freiheit gelangen und zum Füttern wieder zurückkommen.
Einige Vögel bleiben auch für immer hier, wie ein Bengal-Uhu, ein Malaienkauz, diverse Falken und Inka, ein Schopf-Karakara. „Das ist der einzige Greifvogel mit Wimpern“, weiß Ritz und präsentiert stolz seine Inka. „Sie liebt Schnürsenkel“, fügt er hinzu, während er ihr tote Küken als Fressen hinwirft. Zweimal am Tag kommt er zum Füttern vorbei und schaut nach dem Rechten.
Der Verein zählt aktuell 27 Mitglieder, neben den zwölf aktiven noch einige fördernde. Finanziert wird er durch Spenden und Auftritte auf Weihnachtsmärkten, Festen oder zu besonderen Anlässen. Bei solchen Veranstaltungen präsentieren Ritz und seine Kolleginnen und Kollegen die gefiederten Schützlinge der Öffentlichkeit. Die eindrucksvollen Vögel bescheren immer wieder Gesprächsstoff. „Wir würden uns über weitere Mitglieder freuen“, sagt Ritz. Voraussetzung sei lediglich, mindestens 15 Jahre alt zu sein. Alles andere „lernt man durch die Praxis.“