Von vielen geliebt, von manchem kaum genutzt: Die Dorfwirtschaft „Zum Kirchenwirt“ von Gerhard Wust hat nach 21 Jahren und acht Monaten Ende Juni ihre Pforten geschlossen. Viel hat sie zur Geselligkeit innerhalb der Dorfgemeinschaft beigetragen und nicht wenige Gäste auch aus dem Ansbacher Landkreis hergelockt.
Das ist jetzt vorbei. Weiterhin zum Hauptberuf nebenher „wirtschaften“ ist Gerhard Wust verschiedener Gründe wegen einfach nicht weiter möglich. Die Schließung seines seines Gasthauses im Obernzenner Gemeindeteil Egenhausen fiel ihm sehr schwer. Am vergangenen Samstag richtete er noch eine feudale Abschlussfeier für Gäste, Freunde und sein zuverlässiges Helferteam aus.
Der milde Sommerabend ließ trotz angenehmen Verweilens auch Wehmut aufkommen. Das zeigte sich in den Eintragungen des Gästebuches, das so mancher nutzte, um zu „kondolieren“. Was den Wirt sehr rührte, waren jene Zeilen auf einem überreichten Bild: „Die Zeit vergeht, die Erinnerung nie. Es gibt Momente, die kann man einfach nicht in Worte fassen. Herzlichen Dank für die großartige Zeit.“
In einem Zeitraum von drei Jahrzehnten sind in Egenhausen drei Wirtschaften geschlossen worden. Anfang der 1990er Jahre ruhte im Gasthaus Hirschen der Wirtschaftsbetrieb, im Sommer 2000 dann auch im Gasthaus Lindenzweig. Im Ort fehlte eine zentrale Begegnungsstätte, denn das Heim des SSV liegt abseits am Waldrand. Zur Überbrückung dieses Umstandes nutzte man vorübergehend das Gemeindehaus.
Ein Dorf lebt mit seiner Vielfalt ebenso, wie mit dem Zusammengehörigkeitsgefühl seiner Bewohner. Da der Mensch aber nicht nur vom Brot allein lebt, stellen Kommunikation und Geselligkeitsplätze eine wichtige, nicht zu unterschätzende Lebenskomponente dar. Diesem Punkt trugen die gebürtigen Egenhäuser Wust-Brüder Gerhard und Helmut Rechnung.
Ende Oktober 2001 eröffneten sie mit ihren Ehefrauen Irmgard und Ute auf dem im Schatten der Allerheiligenkirche gelegenen Familiengrund eine Gaststätte. Unterstützt durch heimische Handwerker und tatkräftige Mithilfe vieler Egenhäuser wurde das neue Lokal errichtet. Gerhard Wust kümmerte sich um den Ausschank, sein Bruder, der Küchenmeister, für die Zubereitung der Speisen, die Frauen in erster Linie um den Service.
Die Wirtsleute arrangierten und richteten jegliche Art von Festlichkeiten aus. Im Jahr 2002 konnte neben dem Festzelt der Jugendgruppe an der Kirchweih wieder ein Gaststättenbetrieb punkten: das Gasthaus Wust. Nach ein paar Jahren zog sich Helmut Wust samt Ehefrau als Koch aus dem Lokal zurück.
Gerhards Ehefrau Irmgard Schwemmer-Wust drängte und bewirkte schließlich eine Umbenennung das Gasthauses. Am Himmelfahrtstag 2010 taufte Pfarrer Gerhard Zahner das Lokal nach dem Gottesdienst um, fortan hieß es „Gasthaus zum Kirchenwirt“.
Ein paar Jahre später, als die Ehe der Wirtsleute zu Ende ging, führte dann Gerhard Wust das Lokal allein weiter. Durch seine gute Organisation und ein motiviertes, zuverlässiges Helferteam hielt er die Wirtschaft als Nebenerwerbsbetrieb gut am Laufen.
Jetzt aber steht Egenhausen wieder vor der Lage, keine Gaststätte zu haben. Allein im Sportheim des Schützen- und Sportvereins besteht bei oder im Anschluss an Sportveranstaltungen die Möglichkeit der Bewirtung. Eine andere Lösung ist aktuell noch nicht in Sicht.
Man muss nicht weit gehen, um Kneipensterben zu erfahren, ob in Stadt oder Land. In Obernzenn schloss vor fünf Jahren die Gaststätte der Zenngrundhalle und Ende Juli letzten Jahres die Kegelbahn-Wirtschaft Rosenleite. Und ob sich nicht in absehbarer Zeit die momentanen vier Wirtschaften in Obernzenn (zuzüglich Campingplatz) nahezu halbieren, steht wie ein Damoklesschwert im Raum.