Tag für Tag bereiteten Mara Pfeiffenberger und Sophia Wolf dem streunenden Schaf Futterstellen. Mag es lieber Gurken, Paprika oder Kräuter? Die beiden 25-Jährigen probierten es auch mit Müsli. Nach zwei Wochen klappte es dann: Die Falle schnappte zu.
Doch von vorn: Seit Wochen wurde zwischen Sachsen bei Ansbach und Lichtenau immer wieder ein Schaf gesichtet. Mehrmals riefen Autofahrerinnen und Autofahrer bei der Polizei an, weil das Tier in der Nähe der Staatsstraße 2223 herumstrolchte.
Polizei und Feuerwehr starteten am 1. Juni dann eine Suchaktion. Sie leuchteten die Böschung aus, ein Jäger unterstützte mit einem Nachtsichtgerät – vergebens. Das Schaf flüchtete.
Von dem freilaufenden Tier bekamen über die Wochen viele Menschen mit – auch die beiden befreundeten Tierliebhaberinnen Mara Pfeiffenberger aus Ansbach und Sophia Wolf aus Petersaurach. Nach der erfolglosen Aktion der Feuerwehr und der Polizei beschlossen sie, selbst zu handeln. Vielleicht konnte man das Tier ja mit einer Lebendfalle in Sicherheit bringen.
Mara Pfeiffenberger nahm Kontakt zum Verein Hundesuchhilfe Franken auf. Man kennt sich unter Tierschützern. Aber Hund und Schaf, das ist doch ein kleiner Unterschied. Egal, die beiden 25-Jährigen wollten ihr Glück versuchen. Und die Hundesuchhilfe machte mit.
Damit kam Sandra Löhlein von der Hundesuchhilfe ins Spiel. Hunde locken sie immer mit besonders leckerem Futter an, erzählt sie. Die Tierliebhaberin und ihr Team hatten jedoch zum ersten Mal mit einem Schaf zu tun. Also las Löhlein sich ein. Was mögen Schafe? Wie verhalten sie sich?
Die 45-Jährige gab die Informationen an Pfeiffenberger und Wolf weiter. Die beiden waren täglich unterwegs und befüllten zwei Futterstellen auf einem Wald- und Wiesenstück zwischen Sachsen und Lichtenau. Dort vermuteten sie das Schaf. Was letztendlich zog, war dann Müsli. Allerdings keines aus dem Supermarkt, sondern ein extra Schafmüsli mit Maisflocken und Kräuterpellets, beschreibt die 45-jährige Sandra Löhlein.
An den Futterstellen installierten Pfeiffenberger und Wolf je eine Wildkamera der Hundesuchhilfe. Schon bald sendete sie erste Fotos auf Löhleins Handy. Das Schaf hatte das Futter entdeckt. Die beiden 25-Jährigen tauschten sich in einer Messenger-Gruppe täglich mit Löhlein und weiteren Ehrenamtlichen aus.
Zwei Wochen lang ging das so weiter. Weil es wärmer wurde, beschlossen Pfeiffenberger und Wolf, dem Schaf auch Wasser anzubieten. Das Schaf, das sie inzwischen „Müsli” getauft hatten, nahm die Flüssigkeit dankbar an. War der Eimer leer, tollte das Tier damit herum.
So süß die Bilder der Kamera auch waren, für die Tierschützerinnen war das Ziel immer noch, Müsli zu fangen und in Sicherheit zu bringen. Als sie sich sicher waren, dass Müsli sich an diesem Ort aufhält, beschlossen sie, eine Falle aufzustellen.
Im Hintergrund liefen viele Absprachen. Jäger, Veterinäramt, Polizei – alles musste abgeklärt werden. „Das übernahm dankenswerterweise die Hundesuchhilfe”, so Pfeiffenberger. Die Freiwilligen des Vereins bringen sehr viel Zeit auf für die Suchaktionen. „Die Dankbarkeit der Besitzer und das Leben der Tiere, das treibt uns an”, fasst Löhlein zusammen.
Die Hundesuchhilfe kümmerte sich auch um eine Lebendfalle. Am Samstag, 14. Juni, bei Temperaturen über 30 Grad schleppten sie den 100 Kilogramm schweren Gitterkäfig dann über das Feld. Sechs Menschen packten an.
„In die Falle kam dann alles”, erzählt Sandra Löhlein. Ein Mineral-Leckstein, Kräuter, Wasser – und natürlich Müsli, zählt Pfeiffenberger auf. Die anderen Futterstellen wurden abgebaut, damit das Schaf wirklich in die Falle geht. Dann hieß es warten.
Schon in der Nacht auf Sonntag gab es den ersten Einsatz. Doch die Klappe ging einfach so zu, das Schaf war nicht in der Falle. Die Freiwilligen machten sich also auf den Weg, um die Tür wieder zu öffnen, damit sie zuschnellen kann, wenn das Schaf tatsächlich hineingeht. „Wir saßen auf Kohlen”, beschreibt Pfeiffenberger.
Es ging dann schneller als erwartet. Am Sonntagnachmittag machte das Tier erste Schritte in die Box. „Da klopft das Herz bis zum Hals”, beschreibt Sandra Löhlein, die live die Bilder verfolgte. Pfeiffenberger und Wolf fuhren hin. Müsli war in Sicherheit. Die wochenlange Mühe hatte sich gelohnt.
Sophia Wolf nahm das kleine Tier zwischenzeitlich auf. „Es hat nicht einmal Labrador-Größe”, beschreibt Hunde- (und jetzt auch Schaf-)Sucherin Löhlein. Wem das Schaf gehört, weiß man nicht. Die Polizei hatte bei den umliegenden Schäfern angefragt, doch niemand vermisst es, erzählt die 45-Jährige. Am kommenden Freitag soll es zu einem Lebenshof gebracht werden. Dort soll es gemeinsam mit anderen Schafen unbekümmert leben, so die Hoffnung von Pfeiffenberger und Löhlein.
Ein positives Ende also für das Schaf. Für Mara Pfeiffenberger und Sophia Wolf war es eine Herzensangelegenheit. „Nicht wegsehen, sondern handeln”, das hat sie angetrieben. Und am Ende sind sie einfach nur glücklich, dass sie Müsli helfen konnten.
Bei ausgebüxten Hunden kommen Besitzer häufig auf die Ehrenamtlichen zu. Fünf Personen, darunter Sandra Löhlein, leiten die Geschicke des Vereins. Sie haben überall in Franken Kontakt zu Tierliebhabern, die sie bei Vermisstenfällen anrufen können. Sie werden dann aktiv und packen vor Ort an. Außerdem setzen die Ehrenamtlichen auf Social Media. Sie verbreiten Fotos und Beschreibungen der vermissten Hunde auf Facebook und Instagram. Fallen, Kameras, Futter und Co. werden durch Spenden finanziert. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Vereins.