Am Abend vor dem Karfreitag soll Judas, einer der zwölf Apostel, Jesus geküsst haben. Um ihn so zu verraten, nachdem er vorher für diesen Frevel mit 30 Silberlingen bezahlt wurde. Den Kuss hat der Ansbacher Künstler Reiner Grunwald gemalt. Das Bild ist in der Dauerausstellung „Gott und Mensch“ in der Johanniskirche zu sehen.
War Judas tatsächlich ein Verräter oder war er vielmehr Jesu engster Vertrauter, der handeln musste, um den göttlichen Plan zu erfüllen? Das ist eine oft diskutierte Frage. Wollte Judas erreichen, dass Jesus sich endlich als Messias zu erkennen gibt? Und war der Kuss im Garten Getsemani wirklich als Hinweis für die Soldaten nötig, obwohl Jesus in Jerusalem doch längst populär war?
In Grunwalds Gemälde bleibt der Gottessohn unbewegt bei dem Kuss – als sei er gar nicht beteiligt, schon gar nicht mehr richtig präsent. Seine Augen sind geschlossen, und hinter der Schulter lauert der Tod. Doch da ist auch ein zarter Engel, ruhend, wartend neben der Mondsichel.
Zunächst war Grunwalds Ausstellung in der Johanniskirche nur für ein paar Wochen geplant, während der Passions- und Osterzeit 2024. Doch die Gemälde des Künstlers mit unterschiedlichen biblischen Motiven kamen gut an – und sind deshalb hängengeblieben. Zu entdecken sind auch die Kreuzabnahme und eine Pietà sowie Bilder zu den Themen Gebet, Beichte und Trost.
„Dass die Ausstellung zustande kam und nun bereits über ein Jahr die Kirche ziert, verdanke ich der Weltoffenheit von Pfarrer Oliver Englert und Dekan Dr. Matthias Büttner“, sagt Reiner Grunwald. „Sie erfüllten mir zugleich einen kleinen Lebenstraum, einmal in einer Kirche Gemälde zu präsentieren. Da die Resonanz noch immer sehr hoch ist, steht bislang ein Ende der Ausstellung nicht fest.“
Das Bild mit dem Judaskuss nennt Grunwald schlicht „Der Verrat“. Es zeige, wie viele seiner Werke, „die Unzulänglichkeit des Menschen“, erklärt der Maler. Diese Unzulänglichkeit und Gefühle wie Angst, Hoffnung und Schmerz seien zeitlos. Was Menschen umtreibe, bewege oder verführe, sei einst in der Bibel detailreich beschrieben worden; heute sei täglich in der Zeitung davon zu lesen.