Nicht jeder, der sich im Recht sieht, ist es auch. Und selten ist die eine Seite frei von Fehlern. Diesen zuweilen schmalen Grat lotet „The Uprising” aus. Zum Bundesstart des Hollywood-Films konnten sich 140 Gäste eines Fan-Events in Feuchtwangen selbst ein Bild davon machen.
Das KulturKino hatte in Kooperation mit der FLZ den Streifen für Vorführungen in die Region geholt. „The Uprising” handelt vom Bauernaufstand des 14. Jahrhunderts in England – und wurde komplett in Bayern gedreht. Große Teile der Aufnahmen entstanden im und um das Freilandmuseum Bad Windsheim sowie in der Festung Lichtenau.
5000 Komparsinnen und Komparsen waren beteiligt, die Dreharbeiten 2025 machten gewaltige Furore. Zum Kinostart stieg nun allerdings die Spannung: Welche Szenen haben es in die Endfassung geschafft? Sind die Locations gut zu erkennen? Und überzeugt der Film von Regisseur Paul Greengrass (u.a. „Captain Phillips” und die „Bourne”-Reihe) auch inhaltlich?
Im ausverkauften KulturKino begrüßte Vereinsvorsitzender Wolfgang Grebenhof auf der Bühne die beiden FLZ-Mitarbeitenden Constantin Prosch und Evi Lemberger. Sie hatten im vergangenen Herbst versucht, als Berichterstattende möglichst viel von den abgeschirmten Dreharbeiten zu beobachten. Und hatten durchaus Erfolg, wie Evi Lemberger dem Publikum berichtete: Als sie sich im Freilandmuseum einen Tag auf die Lauer legte, „bin ich ehrlicherweise ziemlich nah rangekommen”. Auf einmal stand Lemberger mitten in einer Reiterszene, die sich im Film später als ein Höhepunkt des Spannungsbogens herausstellen sollte.
Auch Komparse Hartmut Felbinger aus Burgbernheim erzählte den Gästen launige Anekdoten aus seinem Einsatz: Fünfeinhalb Stunden für zwei Szenen habe er in fürstlichem Gewand in der Nürnberger Sebalduskirche verbracht, während König Richard II. (gespielt von Woody Norman) stets einen Satz wiederholte: „Knechte seid ihr und Knechte werdet ihr immer bleiben.” Ein einprägsamer Moment für Felbinger, immerhin habe Norman den Satz immer wieder in Nuancen anders betont: echte Schauspielkunst.
Zuvor schon habe er in der Maske Lob für sein schulterlanges, natürliches Haar erhalten. „Your hair is perfect”, hieß es. Die perfekte Mähne für einen Mittelalter-Film, auch wenn sie jetzt nicht zu bewundern ist: Die Szenen sind in der Endfassung nicht enthalten. „Wir sind der Filmschere zum Opfer gefallen”, verriet der Komparse gut gelaunt.
Auf 128 Minuten erzählt der Film den Bauernaufstand aus Sicht eines namenlosen Pflügers (gespielt von Andrew Garfield). Eine hohe Abgabenlast, Repressalien und brutale Übergriffe durch die Steuereintreiber bringen das Dorf des Pflügers zum Rebellieren. Rasch flammen in mehreren Grafschaften Unruhen auf – und der Pflüger steht plötzlich im Zentrum eines zunehmend außer Kontrolle geratenden Aufstands der Landbevölkerung gegen den Adel.
Am Ende steht da ein professionell umgesetzter Historienfilm: Bildgewaltig, blutrünstig, bedeutungsvoll aufgeladen. Am Ende überrascht dann auch noch ein kleiner Twist, der dem Machwerk eine neue Perspektive eröffnet.
Die Region kann jedenfalls mehr als zufrieden sein: Die hiesigen Drehorte kommen ausgiebig zur Geltung. Auf so großer Leinwand wurde Westmittelfranken schon lange nicht mehr gewürdigt.
In den Kinoreihen gab es zum Abspann Applaus. Einige Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, Selfies vor dem Kinoplakat zu knipsen. Weitere Vorstellungen im KulturKino finden noch an diesem Sonntag um 17 und 20 Uhr statt.