Die Spinnräder surrten, die Stricknadeln klapperten, die Nähnadeln suchten sich gelassen ihren Weg durch den Stoff. Alles war auf eine „Auszeit vom Alltag“ eingestimmt beim Strick-Spinntreff, der übers Wochenende zum 20. Mal begeisterte Freunde und Freundinnen der Strick- und Spinnkunst nach Gollhofen lockte.
Seit zehn Jahren organisiert Marion Kade aus Langensteinach diese Begegnungen zwei Mal pro Jahr, nachdem sie selbst einmal bei so einem Treffen mit Stricknadel, Spinnrad und Häkelnadel in Österreich teilgenommen hatte. „Diese familiäre und entspannte Atmosphäre hat mich so angesprochen, dass ich es vor zehn Jahren einmal versuchen wollte, auch hier in Westmittelfranken so ein Treffen zu organisieren“, erzählt die Langensteinacherin über die Entstehungsgeschichte: „Wir sind kein Verein, sondern nur ein Freundeskreis, der sich im März und September in Gollhofen – unserem ,Wollhofen’ – in geselliger Runde trifft, strickt, spinnt, häkelt, und so, fern vom Alltag, die Welt rundherum einmal für viele Stunden ausblenden kann“.
Und das mit Erfolg, denn jedes Mal kommen an die 90 Strick- und Spinn-Enthusiasten mit Stricknadel, Spinnrad und Häkelnadel aus ganz Deutschland angereist – beispielsweise aus Berlin, Cuxhaven, Münster, Aschaffenburg, Colmberg, Grettstadt bei Schweinfurt oder auch Wien, womit einige Teilnehmer über 1000 Kilometer zurücklegen, um in Gollhofen im vertrauten Kreis Gedanken auszutauschen, zu stricken und zu spinnen. „Diese Gemeinde und das Gasthaus ,Zum Stern’ ist uns in den letzten zehn Jahren fast zu einer zweiten Heimat geworden und wir freuen uns schon immer sehr auf den nächsten Aufenthalt hier“, sagt Marion Kade.
Viele der Teilnehmer – ja, auch Männer sind mit Begeisterung dabei – und Teilnehmerinnen reisten daher schon am Dienstag an, obwohl das offizielle „Anstricken“ erst Donnerstagabend stattfindet. Bis Sonntagabend wird gestrickt, gesponnen, gehäkelt, es werden Anregungen und Tipps ausgetauscht sowie Muster oder zum Teil schon ein wenig in Vergessenheit geratene Techniken wieder zum Leben erweckt, wie beispielsweise die Arbeit mit der Handspindel, die bekanntlich in „Dornröschen“ eine dramatische Hauptrolle gespielt hat.
Zum Spinnen verwendeten die Teilnehmerinnen an diesem Wochenende allerdings überwiegend Spinnräder, weil sich das doch als einfacher und praktischer erwies, als dem Faden den nötigen Drall mit der Hand zu verleihen.
Wie dieses Treffen zeigte, sind Stricken und Spinnen immer noch eine eher weibliche Domäne, obwohl sich diesmal vier Männer mit ihren Handarbeiten in Gollhofen einfanden: Norbert Wollburg aus Colmberg beispielsweise präsentierte eine wunderschöne Decke, die er in Mosaiktechnik gehäkelt hatte und Bernd Schneider aus Ingolstadt demonstrierte, dass er sogar Socken und die stets ein wenig knifflige Ferse stricken kann.
An der für ihr Hobby benötigten Wolle übrigens mangelte es den Teilnehmern an diesem Wochenende natürlich nicht. Rechts und links des Saals waren Hunderte von bunten Wollknäueln aufgestapelt, die nur darauf warteten in einen schicken Pullover, ein attraktives Kleid oder in farbenprächtige Schals verstrickt zu werden.
Dann waren diese Tage des Seele-baumeln-lassens auch schon wieder vorbei. Marion Kade erhielt für ihre seit zehn Jahren bewährte Organisationsarbeit Blumen überreicht mit dem von allen Teilnehmern mitgetragenen Wunsch „Auf Wiedersehen im September in Gollhofen“.
Näheres zum nächsten Strick-Spinntreff in Gollhofen unter der Adresse: mail@marionkade.de