Stellen Sie sich vor, Sie stehen an der Tankstelle und zapfen das gleiche wie Ihr Säulennachbar - aber müssen an der Kasse viel mehr bezahlen als er, weil er einen anderen Preis bekommt. Irre, oder? Denn von Ausnahmen abgesehen, gilt das, was oben an der Tanke angeschlagen ist, für alle. Nun, bei E-Autos und öffentlichem Laden ist etwas anders. Denn da kann es ziemlich unterschiedlich zugehen, so der TÜV-Verband.
So können etwa zwei an derselben Säule für die gleiche Menge Energie unterschiedlich viel zahlen müssen. Etwa, weil der eine eine Ladekarte nutzt, der andere lädt spontan („Ad hoc“) ohne Registrierung. Mit Ladekarte berechnet der Anbieter der Karte nach dessen Tarif. Und beim Ad-hoc-Laden gilt der Preis für spontanes Laden an dieser Säule.
Selbst mit einer Ladekarte ist der Preis nicht überall gleich. Viele Karten eignen sich auch für Säulen anderer Betreiber. „Dieses sogenannte Roaming macht zusätzliche Ladenetze zugänglich, kann aber teurer sein als das Laden im eigenen Netz“, heißt es in der Mitteilung: „Vor dem Start zählt deshalb die Preisangabe des eigenen Tarifanbieters für genau diesen Ladepunkt.“
Wie lässt sich öffentliches Laden möglichst günstig gestalten? Alle, die oft regelmäßig öffentlich laden müssen, suchen sich den Anbieter am besten entlang der typischen Routen aus. In dessen Karte mit den Ladepunkten kann man sehen, welche Säulen am Wohnort oder entlang häufiger Wege mit dessen Karte (oder App) ansteuerbar sind. Damit kann man dann die Preise anderer Betreiber, die hier infrage kommen, vergleichen.
Zwar muss man sich für einen Ladetarif vorher registrieren, aber ein Monatsabo mit Bezahlung sei nicht zwingend erforderlich. Wenn die Preise fürs Laden beim eigenen Nutzungsprofil so günstig sind, dass sie eine entsprechende Grundgebühr ausgleichen, kann sich ein Abo aber lohnen. Wer nur selten öffentlich lädt, könnte auch mit einem Tarif ohne Grundgebühr gut fahren. Wer jedoch kaum zu Hause oder am Arbeitsplatz laden kann, bemerkt über viele Ladevorgänge hinweg auch kleinere Preisunterschiede, so der Verband.
In Gebieten mit unterschiedlichen Ladenetzen kann ein zweiter Tarif sinnvoll sein, da er mehr Flexibilität schafft. Wer komplett ohne Tarif und Lade-App Energie will, kann an vielen öffentlichen Säulen auch ad hoc laden und bezahlen - entweder mit Debit- oder Kreditkarte oder per QR-Code, der via Handy auf eine Bezahlseite führt. Aber auch wer einen Tarif hat, sollte vor dem Laden beide Preise checken. Spontanes Laden sei häufig teurer. Aber gegenüber einem hohen Roaming-Preis - mit Karte eines fremden Anbieters - könne es sich im Einzelfall dennoch lohnen.
Nur weil alles kompatibel ist und funktioniert, ist nicht immer klar, was das Laden kosten wird. „E-Auto-Nutzer müssen den Preis ihres Tarifs vor dem Start eindeutig dem gewählten Ladepunkt zuordnen können“, wird Robin Zalwert vom TÜV-Verband zitiert. „Gerade an Säulen mit mehreren Anschlüssen sollten sie die Kennung an der Säule mit der Anzeige in der App abgleichen. Sonst prüfen sie womöglich den falschen Preis.“
Manchmal läuft es aber einfacher, als man es will. Wenn Auto, Säule und Ladeanbieter miteinander kompatibel sind, startet der Ladevorgang bei Plug & Charge automatisch, sobald das Kabel eingesteckt wird. Deshalb sollte vorher geprüft werden, welcher Tarif aktiv ist. Und wer eine andere Karte oder ad hoc bezahlen will, muss vorher den automatischen Start ausschalten.
Nicht vergessen: Neben den reinen Stromkosten können Start-, Minuten- oder Park- und Blockiergebühren dazukommen. Nach dem Laden sollte man Energiemenge, Ladedauer und Zusatzkosten auf dem Beleg oder in der App mit den zuvor angezeigten Bedingungen abgleichen.
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