Ein Fremder, in einem kleinen, fränkischen Dorf. Die Bewohner beäugen ihn skeptisch, vermuten verschiedenste Motive hinter seinem Besuch. Diese Geschichte erzählt „Der Sommergast“, das neue Stück des Bad Windsheimer Freilandtheaters, das am 27. Juni Premiere feiert.
Die Sommerkomödie spielt im Jahr 1965, erzählt Christian Laubert, künstlerischer Leiter des Theaters. Emil Quandt, gespielt von Peter Pruchniewitz, quartiert sich in dem Dörfchen ein. Er interessiert sich für Flora und Faune, will Vögel beobachten. Sagt er.
Die Menschen im Dorf finden das seltsam, ist bislang doch noch niemand freiwillig in den Ort gekommen, der so abgelegen im fränkischen Niemandsland liegt. „Relativ schnell machen Gerüchte die Runde“, erklärt Christian Laubert. Was will der gepflegte Tourist im hellen Anzug und mit Strohhut? Was sucht er wirklich?
Denn die Dorfbewohner haben etwas zu verheimlichen. „Es gibt ein paar Sachen, die in der Vergangenheit gelaufen sind, bei denen manche froh wären, wenn sie besser nicht wieder hochkämen“, sagt Christian Laubert. Schließlich ist es 20 Jahre nach Kriegsende. Niemand will da noch so genau wissen, was war, gesagt oder gemeint wurde.
Im Dorf jedenfalls denkt sich jeder seine eigene Version zum Motiv des „Sommergastes“ aus. Während die einen in Quandt einen „Nazi-Jäger“ entdecken, vermuten andere jemanden vom Bundesnachrichtendienst, einen Ostagenten, jemanden von der CIA oder einen Immobilienmakler in ihm. Ein junges Mädchen wiederum sieht ihren verlorenen Vater, den sie noch nie gesehen hat.
„Emil Quandt weiß gar nicht, wie ihm geschieht. Alle dichten ihm etwas an. Ein sommerliches Verwirrspiel“, beschreibt es Christian Laubert. Das Stück fängt harmlos, gar beschaulich an, nimmt im Verlauf aber doch Fahrt auf, verspricht er.
„Der Sommergast“ spielt auf dem Dorfplatz im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim. Dieser Ort diente schon fünf Mal als Szenerie für das Theater. Eine vierköpfige Band spielt Live-Musik darin. Horst Faigle komponierte sie, die Texte stammen von Rolf Kindler und Laubert selbst.
Neu im Team ist Chorleiter Bernd Lang aus Windsbach. Er kenne das Museum gut, hat Theatererfahrung und kann als Talentscout beim Windsbacher Knabenchor besonders im Chorbereich sein Wissen einbringen, erzählt Christian Laubert. Er helfe den Spielenden innerhalb ihrer stimmlichen Möglichkeiten zu brillieren. Inspiriert hat den künstlerischen Leiter das Ensemble selbst. In Peter Pruchniewitz sah er sofort den Gast aus der Fremde, der sich in dem Dorf niederlässt.
„So entstand recht schnell die Idee. Das Stück ist auch eigens für das Freilandtheater konzipiert.“ Zudem mag Laubert die 60er Jahre. „Ich bin beim Schreiben ein großer Fan von Dingen, die gesetzt sind“, erklärt er. „Daran kann sich Kreativität am besten entzünden.“
Das sei wie bei Kindern, wenn man zu ihnen sagt: Spiel mal was. „Zu offen ist das. Beliebigkeit ist die größte Herausforderung. Ich bin super froh, dass ich so ein tolles Ensemble hab. Viele eigene Köpfe kommen da zusammen. Das Schreiben ist dann wie ein Puzzle.“ Diese Eigenarten gilt es beim Schreiben einzubauen. Deshalb besteht Laubert auch nicht auf Schriftsprache. Spricht jemand Mundart, Dialekt oder hat einen Akzent, fließt das ins Stück mit ein. Zum Ensemble gehören auch heuer wieder bewährte und neue Kräfte. Wie gewohnt mischen sich Amateure unter Profis. Kinder und Jugendliche haben in dem Stück eine wichtige Rolle, sagt Christian Laubert. Kürzlich reisten sie für vier Tage zur Klausur nach Freudental, um gemeinsam an den Rollen und der Geschichte zu arbeiten.
Die Herausforderungen sind für die Spielenden dabei ganz andere als beim Wandeltheater. Dort hat jeder Darsteller seinen festen Platz im Stück und maximal drei bis vier Mitspieler. Beim Tribünenstück wiederum stehen in manchen Szenen bis zu 25 Leute auf der Bühne. Da gilt es, gut zu koordinieren, aufmerksam zu sein. Erfahrene schauen dann auf die Neuen, helfen und geben Tipps.
Die Proben für „Der Sommergast“ starten Anfang Mai. Der Vorverkauf für die Tickets läuft bereits. Weitere Informationen gibt es dazu unter www.freilandtheater.de/karten/karten-kaufen.html