Die Deutsche Bahn und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) haben nach tagelangen Tarifverhandlungen eine Einigung erzielt. Details wollen beide Seiten heute Vormittag um 11.00 Uhr vorstellen, wie sie in der Nacht mitteilten. Warnstreiks bei der Deutschen Bahn sind damit für die nächsten Monate vom Tisch.
Es ist die erste Tarifrunde zwischen der Bahn und der GDL seit dem Jahr 2018, die ohne Arbeitskämpfe endet. Damals wurden die Verhandlungen noch vom streitbaren GDL-Chef Claus Weselsky geführt. Die nun beendete Tarifrunde war die erste unter dem neuen GDL-Bundesvorsitzenden Mario Reiß.
Begonnen hatten die Verhandlungen im Januar. Der Tarifvertrag war Ende Dezember ausgelaufen. Insgesamt fünf Verhandlungsrunden waren angesetzt. Bis einschließlich Februar galt eine Friedenspflicht, während der die GDL nicht zu Arbeitskämpfen aufrufen konnte. Wären die Verhandlungen diese Woche gescheitert, hätten im März umfassende Warnstreiks mit erheblichen Auswirkungen auf den bundesweiten Bahnverkehr gedroht.
Dazu kommt es nun nicht. Wie der Tarifkompromiss konkret aussieht, wurde zunächst nicht bekannt. Die Gewerkschaft hatte unter anderem 8 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten gefordert. 3,8 Prozent davon sollten über eine Entgelterhöhung erzielt werden. Die weiteren Erhöhungen wollte die Gewerkschaft über Umstrukturierungen im Tarifsystem erreichen.
Die Deutsche Bahn hatte am 10. Februar ein erstes Angebot vorgelegt. Dieses sah eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 3,8 Prozent in zwei Schritten vor. Über Anpassungen im Tarifsystem sollten die Gehälter zudem um weitere 2,2 Prozent steigen. Das beinhaltete unter anderem eine von der GDL geforderte zusätzliche Entgeltstufe. Darüber hinaus bot die Bahn eine Einmalzahlung in Höhe von 400 Euro an.
Deutliche Differenzen gab es bei der Laufzeit. Die Arbeitgeberseite wollte 30 Monate, die GDL lediglich 12.
Als weiterer Knackpunkt in den Verhandlungen galten Vorschläge der Bahn hinsichtlich des sogenannten Tarifeinheitsgesetzes. Dieses sieht vor, dass in einem Betrieb nur die Tarifverträge derjenigen Arbeitgebervertretung angewendet werden, die dort die Mehrheit der Mitglieder hat.
In den meisten der rund 300 Bahn-Betriebe ist das die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die Bahn wollte mit der GDL ein Verfahren vereinbaren, bei dem mit notarieller Hilfe die gewerkschaftlichen Mehrheiten vor allem in umstrittenen Betrieben genauer ermittelt werden können.
Die Tarifrunde ging nicht nur ohne Streiks zu Ende, beide Seiten verzichteten auch auf in der Öffentlichkeit ausgetragene Streitereien. Lediglich nach der Vorlage des Arbeitgeberangebots äußerte sich GDL-Chef Mario Reiß kritisch über die Bahn und warf ihr eine Verzögerungsstrategie vor.
Reiß drohte damals auch mit dem Abbruch der Verhandlungen und möglichen Warnstreiks - verhandelte aber in den folgenden Tagen weiter. Die Bahn mit Personalvorstand Martin Seiler verzichtete vollständig auf kritische Äußerungen über den Verhandlungspartner.
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