In seiner Wahlheimat Leipzig wurde Felix Straub mit Reden und Geschenken zu den Olympischen Spielen verabschiedet. Sein ehemaliger Leichtathletik-Verein SC DHfK hatte für den ersten Bobsportler der Vereinsgeschichte sogar extra ein entsprechendes Kleidungsstück designt.
Der Ansbacher kehrt zurück als Silbermedaillengewinner im von Francesco Friedrich gesteuerten Viererbob.
Felix, der Bobfahrer. Daran war nun wirklich nicht zu denken, als er 1997 als jüngstes von drei Geschwistern in Ansbach zur Welt kam. Dass aus dem Jungen ein erfolgreicher Sportler werden würde, das wiederum war bei diesen Genen keine Überraschung. Die Mutter Heidi Straub, eine erfolgreiche Hürdensprinterin, die es bis in den Endlauf der Deutschen Meisterschaft schaffte, der Vater Martin Straub ein Mehrkämpfer und gelernter Masseur.
Beide Elternteile waren auch als Trainer aktiv. Der Vater ist es mit jetzt 74 Jahren beim TSV Ansbach immer noch. Die Mutter, die eine Zeit lang die Ornbauer Sprinterin Amelie-Sophie Lederer unter ihren Fittichen hatte, verstarb bereits 2018.
Auch die Schwester, die Kunst studierte, unterstützte die Sportkarriere des Bruders, indem sie ihm das Epilieren zeigte, also die Haarentfernung samt Wurzeln. Rasierte Beine waren Straub als Leichtathlet wichtig. Als Kind verzichtete Straub auf Schuhe. Er mochte das Gefühl, mit blanken Fußsohlen auf der Tartanbahn zu laufen. „Da kommt ja der Barfußläufer wieder”, wurde sein Sohn auf den Sportstätten häufig begrüßt. So erinnert sich Martin Straub, der als gelernter Masseur weitere wertvolle Fertigkeiten für die Sportkarriere besitzt.
Die Barfußlauferei war irgendwann Geschichte, ebenso die Auftritte als Breakdancer, die Straub als Jugendlichem eine Zeit lang Spaß bereiteten. Die Leichtathletikkarriere, die beim TV Dietenhofen begonnen hatte, nahm mit dem Wechsel zum LAC Quelle Fürth Fahrt auf und erlebte beim SC DHfK Leipzig zugleich ihren Höhe- und Schlusspunkt.
Straub wurde Deutscher U23-Meister über 200 Meter, Deutscher Meister mit der 4×100-Meter-Staffel, Deutscher Vizemeister in der Halle über 200 Meter und 2021 Weltmeister mit der 4×200-Meter-Staffel.
Der große Einschnitt in seinem jungen Leben lag da schon ein paar Jahre zurück. 2017 verließ der eben fertig ausgebildete Industriemechaniker den beschaulichen Ansbacher Ortsteil Eyb und zog nach Leipzig, verdiente sich übergangsweise als Kartenabreißer was dazu. Als Teil der Spitzensportförderung der Polizei konnte Straub dann den Sport beim SC unter Profibedingungen betreiben, wurde fester Teil der nationalen Spitze im Sprint, stieß aber auch an Grenzen.
Sein Trainer damals war Ronald Stein. Der Bundestrainer, mittlerweile schwer erkrankt, wurde zum Mentor und engen Vertrauten von Straub. Die gemeinsamen Erfolge trübten nicht den Blick für die Realitäten. Stein sagte seinem Schützling unumwunden, dass er es als Sprinter zwar in die deutsche Spitze schaffen könne, sein Talent aber nicht für die große internationale Karriere reiche. Aber er habe da einen Tipp: Ein Bob-Pilot suche Anschieber. Ob er es mal versuchen wolle.
Nach einem Gespräch mit Bob-Trainer Gerd Leopold, ebenfalls ein ehemaliger Leichtathlet und gut bekannt mit Stein, wollte Straub. Nach den ersten Testfahrten fühlte er sich zwar wie das Opfer einer Kneipenschlägerei, aber dennoch körperlich und psychisch in der Lage, seinem Sportlerleben eine ganz neue Richtung zu geben.
2022 wechselte Straub ins Team von Francesco Friedrich, baute Muskelmasse auf und gewöhnte den Rücken an die neuen Belastungen. Als Mitglied der erfolgreichen Bob-Crew hatte er damit ein Abo auf Medaillen und Titel abgeschlossen. Straub wurde im Vierer zweimal Weltmeister, einmal Europameister, gewann neun Weltcuprennen und holte nun Silber bei den Olympischen Spielen.
Dass die Anschieber, speziell im Vierer, im Schatten des Piloten stehen und oft eher als schmückendes Beiwerk behandelt werden, damit kommt Straub gut klar. „Er macht seine Arbeit akkurat, ohne sich in den Vordergrund zu drängen”, beschreibt Martin Straub einen Wesenszug des Sohnemanns.
Der schätzt an seinem Sport auch die technische Seite. Das ewige Schleifen und Polieren der Kufen, das Tüfteln und Herumprobieren am Material – all das kommt seiner handwerklichen Begabung entgegen. Die ist auch gefragt, wenn er sich ein Fahrzeug zum Urlaubsmobil umbaut.
Gemeinsam mit der Sportstadt Leipzig lud der SC DHfK zum Public Viewing der Bobwettbewerbe in ein Leipziger Hotel, genauer in die Champions Sports Bar dort. Die Stimmung dort war ziemlich gut.