„Es ist ein unschönes Thema, das gebe ich zu“: Mit diesen Worten beginnt der Uffenheimer Bürgermeister Wolfgang Lampe die Pressekonferenz zur Causa Bauhof-Neubau am Donnerstag. Ja, es haben sich unglückliche Umstände verkettet. Und nein: Lampe wird deshalb nicht zurücktreten, was offenbar nicht nur ein Leserbriefschreiber in der Fränkischen Landeszeitung indirekt forderte.
Minuziös dröselt Wolfgang Lampe am Gesprächstisch in seinem Rathaus-Büro die Vorgänge der Vergangenheit auf. 90 Minuten nimmt er sich dafür Zeit. Er nennt die wichtigsten Daten, wann welcher Beschluss gefallen ist und was genau auf dem Weg zum bald beginnenden Bauhof-Neubau so alles schiefgelaufen ist. Im Mittelpunkt steht ein führender Stadtmitarbeiter. Lampe erhebt Vorwürfe gegen ihn, gesteht aber auch eigene Fehler ein.
Brandschutz: „schwierig“. Lüftung: „Fehlanzeige“. Hygiene: „Gelbes Wasser kommt aus dem Hahn. Zum Kaffeekochen wird Wasser aus Flaschen verwendet.“ Dass das Bestandsgebäude des Stadtbauhofs nicht mehr zukunftstauglich ist, daran dürfte niemand zweifeln.
Das belegt auch der einstimmig gefasste Beschluss, der im Sommer 2020 in einer Stadtratssitzung in der Stadthalle – in der Corona-Hochzeit – gefasst wurde. Die Kostenschätzung lag bei 3,5 Millionen Euro, die Gesamtkosten für die neue Halle und die Außenanlagen. Platzbedarf: 6500 Quadratmeter.
Schon 2004 hatte es erste Planungen für einen Bauhof-Neubau gegeben, erklärt Lampe. 2015 hatte der Rechnungsprüfungsausschuss ausführlich dargelegt, weshalb ein Neubau unumgänglich ist. Die Berufsgenossenschaft drohte sogar mit der Schließung. „Ich habe das Thema geerbt.“ Und ja: Lampe ging es an.
Im April 2022 wurden die Planungen vorgestellt, wie der neue Bauhof aussehen könnte. Zuvor gingen Bauhofvertreter und das Stadtbauamt auf eine kleine Reise, besuchten Bauhöfe in anderen Städten, schauten, wie es dort läuft und was man so braucht.
„Die Arbeitsabläufe müssen später schließlich passen“, betont Lampe. Um lange Wege zu verhindern, soll teilweise ein Zwischenboden eingezogen werden – mit einem unbeheizten Lager oben, für Objekte, die man nur selten braucht.
Eine Skizze lag vor, „dann sind wir in die Ausschreibung gegangen“. Das Leistungsverzeichnis hierfür hatte ein leitender Mitarbeiter aus dem eigenen Haus übernommen, sagt Lampe. „Aber das Leistungsverzeichnis war fehlerhaft.“ Es fehlten ganze Gewerke. Elektro oder Heizung: „Das ist untergegangen, das war im Leistungsverzeichnis nicht drin.“
Entsprechend weigert sich der Uffenheimer Bürgermeister auch, nun von einer „Kostenexplosion“ zu sprechen. Die 6,28 Millionen Euro, die jetzt als Kostenschätzung im Raum stehen, seien die realen Kosten. Auch wenn Lampe gesteht: „Ja, durch die Fehler, die passiert sind, sind Mehrkosten entstanden. Aber nicht in dieser Höhe. Er (Anm. d. Red.: besagte Führungskraft) hat vieles nicht berücksichtigt bei der ganzen Geschichte.“
Um diese Zahlen zu belegen, nennt Lampe das Beispiel Volkach in Unterfranken. Auch dort werde aktuell ein vergleichbarer Bauhof gebaut. Auch dort betragen die Kosten gut sechs Millionen Euro. „Das ist die gleiche Dimension, das ist ein normaler Preis. Das hat man uns halt falsch verkauft damals.“
Auf dem Weg bis zum baldigen, richtigen Baubeginn gab es, vorsichtig ausgedrückt, Reibungsverluste. „Ich habe meinen Mitarbeiter immer wieder gefragt, ob er alles gemacht hat. Er meinte immer: ,Alles in Ordnung, alles im grünen Bereich.‘ Ich habe ihm vertraut, er war schließlich eine führende Kraft.“ Aber: „Auch im Nachgang merken wir, dass immer noch vieles aufploppt.“ Als dann im Dezember 2023 – „als die Kacke schon ziemlich am Dampfen war“ – die Prüfberichte eingingen, war klar: Hier läuft etwas grob falsch.
Ich kann nicht mehr als Nachfragen
„Er hat einige Dinge zeitlich nicht so eingetütet, wie er sie hätte eintüten sollen“, erklärt Wolfgang Lampe. Die Baufirma habe wie besprochen die Genehmigungspapiere eingereicht. „Aber das Landratsamt hat noch einiges gewollt.“ Die Mail allerdings ging an besagte Führungskraft. „Das war für mich also nicht ersichtlich.“
Später hat er dann in der Kreisbehörde angefragt und die Aussage bekommen: „Wir warten seit 2022 auf die spezielle artenschutzrechtliche Prüfung (saP).“ Immer mehr kam ans Licht. Lampe: „Ich kann nicht mehr als nachfragen. Wie gesagt: Wir reden hier über eine Führungskraft.“
Als das ganze Ausmaß nach und nach klar wurde, wurde alles verifiziert und geschaut, wo überall Fehler enthalten sind. Dann hatte der Bürgermeister am Nikolaustag 2023 die Runde der Stadtratsfraktionsvorsitzenden einberufen.
„Es waren alle da. Wir haben das Thema Bauhof angesprochen, wir haben die Mehrkosten angesprochen und wir haben die möglichen Auswirkungen auf den Haushalt grob angesprochen.“ Lampe: „Wir haben sogar geschaut, was ein Ausstieg vom Projekt kosten würde.“ 2,5 bis drei Millionen Euro.
Am 25. Januar 2024 hatte Lampe dann zur Sonderstadtratssitzung „allein für den Bauhof“ geladen – auch den Geschäftsführer der ausführenden Firma. Der habe Rede und Antwort gestanden, jeder Rat habe die Möglichkeit gehabt, ausführlich nachzuhaken, in die Tiefe zu gehen und er habe sogar die Liste mit den detaillierten Zahlen, angefügten Gewerken und den Preisänderungen in Kopie ausgehändigt. „Die bekommen Sie nie. Ich habe sehr transparent kommuniziert.“ Entsprechend ärgert ihn das Gestichel aus der CSU-Fraktion. „Die wussten alles, vor allem die, die jetzt am lautesten schreien.“
Ja, der Buschfunk in der Stadt mag hier und da seinen Rücktritt fordern, sagt Lampe, das hatte auch ein Leserbrief in der Fränkischen Landeszeitung indirekt getan. „Es ist passiert, zurücktreten werde ich deshalb aber nicht“, betont der Uffenheimer Bürgermeister.
„Ich werde nicht die Flucht ergreifen, ich werde den Karren rausziehen, so gut es geht – und ich werde schauen, dass wir den Haushalt 2024 genehmigungsfähig kriegen“, auch wenn die Zustimmung der CSU-Fraktion mindestens fraglich sein dürfte. Lampe: „Wir müssen Kredite aufnehmen, aber das habe ich schon immer gesagt.“ Nun müsse man aber nun einmal das fertig bekommen, was begonnen wurde: Würzburger Torturm, Hallenbad, Bauhof-Neubau.
Mittlerweile fordert Lampe einen regelmäßigen Bericht zum Bauhof-Thema. „Wir haben die Kostenentwicklung genau im Auge.“ Bisher eingegangene Angebote seien sogar günstiger als veranschlagt. „Ich hoffe, dass wir das eine oder andere noch nach unten korrigieren können, aber ich will es nicht versprechen.“
Letztlich, so sagt Lampe, sei die Kostenschätzung, auf welcher der Grundsatzbeschluss für den Stadtbauhof-Neubau aus dem Jahr 2020 beruht, völlig falsch gewesen. „Ich sag es noch mal: Wir haben keine Kostenexplosion, das sind jetzt die realen Zahlen. Man hat uns etwas zum halben Preis angeboten, was es aber nicht zum halben Preis gibt.“
Nächste Woche sollen dann die ersten richtigen Arbeiten am Geckenheimer Steig neben der Kläranlage starten. Eigentlich sollte das Großprojekt bis Jahresende abgeschlossen sein, mittlerweile geht Lampe aber eher von 2025 aus.
Das hat aber auch mit weiteren unvorhersehbaren Schwierigkeiten zu tun. So musste beispielsweise der Boden für mehr Standfestigkeit gekalkt werden – und dann wurden auch noch die Archäologen fündig. Ein Hundeskelett aus der Bronzezeit tauchte auf, und eine Art Schnuller. Lampe: „Die haben gebuddelt wie die Weltmeister.“ Auch das habe letztlich Zeit gekostet. Es ist eben ein steiniger Weg, zum neuen Uffenheimer Stadtbauhof.