Berlinale 2026: Diese Filme fallen im Wettbewerb auf | FLZ.de | Stage

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 17.02.2026 08:00

Berlinale 2026: Diese Filme fallen im Wettbewerb auf

Sandra Hüller überzeugt in „Rose“. (Foto: Christoph Soeder/dpa)
Sandra Hüller überzeugt in „Rose“. (Foto: Christoph Soeder/dpa)
Sandra Hüller überzeugt in „Rose“. (Foto: Christoph Soeder/dpa)

Welcher Film gewinnt den Goldenen Bären? Und welche Schauspieler nehmen einen Preis mit nach Hause? Schon nach der Halbzeit der Berlinale gibt es erste aussichtsreiche Kandidaten. Welche Filme im Wettbewerb der Berlinale bisher auffallen.

Welcher Film aus dem Rahmen fällt

Ein Film fällt deutlich aus dem Rahmen: der Thriller „Rosebush Pruning“ („Rosenbüsche stutzen“) des brasilianischen Regisseurs Karim Aïnouz („Motel Destino“). Wer Lust auf Promis hat, wird bestens bedient: der gerüchteweise als möglicher nächster James Bond gehandelte Callum Turner („Phantastische Tierwesen“), Jamie Bell („All of Us Strangers“), Elle Fanning („Sentimental Value“) und Pamela Anderson („The Last Showgirl“) sind dabei.

Im Zentrum des schrillen Films stehen dekadente Zeitgenossen mit Geld im Überfluss. Ihrem Leben fehlt jeder Sinn. Sie verlieren sich in sexuellen Perversionen, Mord und Totschlag. Einige Szenen haben einen erheblichen Ekelfaktor. Tiefgründig ist das allerdings nicht.

Mit welcher Rolle Sandra Hüller brilliert

Einen Star und Gehalt hat dagegen der österreichisch-deutsche Spielfilm „Rose“. In der Titelrolle brilliert Sandra Hüller („Anatomie eines Falls“) als Frau, die im 17. Jahrhundert in einem abgelegenen Dorf als Mann zu überleben versucht. Sie heiratet sogar eine Bauerntochter. Einzig so sieht sie die Chance auf Selbstbestimmung. 

Als sie entlarvt wird, kennt die Dorfgemeinschaft kein Erbarmen. Hüller fesselt mit einer nuancierten Charakterstudie. Neben ihr beeindruckt die Österreicherin Caro Braun in ihrer ersten großen Kinorolle als jugendliche Gattin.

„Rose“ gilt derzeit bei vielen als aussichtsreichster Kandidat auf den Goldenen Bären. Der Film überzeugt mit strengen Schwarz-Weiß-Bildern und einem legendenhaft überhöhten Erzählton. Der Wiener Regisseur Markus Schleinzer („Michael“) beleuchtet eindringlich das aktuelle Thema der Stigmatisierung und Unterdrückung von Menschen, die von vermeintlichen Normen abweichen.

Welche Frauenfiguren auffallen

So wie „Rose“ erzählen die meisten der bisher im Rennen um den Goldenen Bären gezeigten Spielfilme vom Kampf kraftvoller Charaktere um ein würdevolles Leben. Vor allem die Geschichten komplexer Frauenfiguren fallen auf. So auch in „At the Sea“ („Am Meer“) vom ungarischen Regisseur Kornél Mundruczó („Pieces of a Woman“). Hollywoodstar Amy Adams („Nocturnal Animals“) interpretiert facettenreich eine Alkoholikerin, die nach einem Entzug ihr Leben neu ordnen möchte. Ihre Darstellung ist bärenstark.

Wovon Çataks neuer Film erzählt

Eindringliches Politkino bietet der Berliner Regisseur İlker Çatak („Das Lehrerzimmer“) mit „Gelbe Briefe“. Er erzählt die Geschichte eines Künstlerpaares aus der Theaterwelt Ankaras und Istanbuls. Dessen kritische politische Positionierung führt zu Berufsverlust und damit materieller Not. Die zwei sollen mundtot gemacht werden. In die Enge getrieben, müssen sie sich zwischen Aufbegehren und Anpassung entscheiden.

İlker Çatak weist durch Einblendungen der Namen der Drehorte in Deutschland deutlich auf die Universalität der Story hin. Mit großer Spannung wird der Frage nachgegangen, ob Bertolt Brechts Satz „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“ noch immer gilt. Die exzellente Inszenierung und das durchweg starke Schauspiel fesseln von der ersten bis zur letzten Szene.

Noch eine Geschichte aus der Türkei fällt auf

Bemerkenswert auch: Der als internationale Gemeinschaftsproduktion vieler Länder realisierte Spielfilm „Kurtuluş“ („Erlösung“). Der türkische Regisseur Emin Alper („Eine Geschichte von drei Schwestern“) hat sich von Tatsachen anregen lassen: In einer abgelegenen Bergregion in der Türkei bekämpfen sich zwei Clans benachbarter Dörfer. Fanatismus, Aberglaube und schlichte Geldgier münden in eine grauenvolle Blutfehde.

Die energiegeladene Ballade im Western-Stil weist weit über sich hinaus. Emin Alper betonte denn auch bei der Vorstellung des Films in Berlin, dass er mit dem bildgewaltigen Epos „über das Böse, zu dem Menschen gegenüber anderen Menschen grundsätzlich fähig sind“ nachdenken wolle. Das ist ihm überaus publikumswirksam gelungen.

Welcher Film wegen seiner Form auffällt

Künstlerisch besonders originell: „Everybody Digs Bill Evans“ („Alle mögen Bill Evans“) von dem bisher vor allem als Dokumentarist bekannten Briten Grant Gee. Er begibt sich auf die Spuren des legendären US-amerikanischen Jazz-Pianisten Bill Evans (1929–1980). In einem reizvollen Mosaik aus schwarz-weißen und farbigen oft wie halluziniert anmutenden Bildern wird dessen Abgleiten in die Drogensucht rekonstruiert. Die Musik des legendären Musikers schenkt dem Film eine fast magische Atmosphäre.

Noch stehen etliche Filme im Programm, bis die Auszeichnungen am Samstag verliehen werden. Die Berlinale endet dann am Sonntag mit einem Publikumstag, an dem viele Filme noch einmal gezeigt werden.

© dpa-infocom, dpa:260217-930-697042/1


Von dpa
north