Mehr als zehn Jahre lang ist darauf hingearbeitet worden: Nun wurde die Erweiterung des Wohnparks am Weiher in Leutershausen mit den Unterschriften unter dem Pachtvertrag besiegelt. Im Mai werden die Bauarbeiter anrücken. Im Herbst 2027 soll der auf knapp neun Millionen Euro taxierte Neubau bezugsfertig sein.
Um die Zukunft des fast 30 Jahre alten Seniorenwohnheimes, das die Diakonievereine St. Peter Leutershausen und Obere Altmühl gemeinsam als Gesellschafter betreiben, zu sichern, wurde schon vor geraumer Zeit ein Anbau ins Gespräch gebracht. Nur mit deutlich mehr Pflegeplätzen, so das Credo, könne das Haus wirtschaftlich arbeiten. Doch mannigfaltige Probleme zögerten diesen Schritt immer wieder hinaus. Zuschuss- und Eigentümerfragen galt es ebenso zu klären wie Probleme mit Anwohnern, und auch die Corona-Pandemie wirkte als Bremse.
„Ein ganz wichtiger Tag für Leutershausen”
Umso erfreuter zeigte sich Bürgermeister Markus Liebich, dass die Verträge nun unter Dach und Fach sind und somit „der finale Startschuss” für das Projekt fallen konnte. „Das ist ein ganz wichtiger Tag für Leutershausen”, sagte er am Rande der Vertragsunterzeichnung, die ein bedeutender Schritt in die Zukunft sei und dem Erhalt einer standortnahen, „tollen” Pflegeeinrichtung diene.
Liebich würdigte die „Motoren”, die hinter dem Wohnpark stünden: Neben Dekan Rainer Horn die beiden Diakonievereinsvorsitzenden Hans Rummel und Hans-Peter Gehrke. Die Verantwortlichen hätten Mut bewiesen und seien ein Risiko eingegangen, um Senioren und Seniorinnen eine würdevolle Begleitung im letzten Lebensabschnitt zu ermöglichen. „Ohne die Erweiterung kann der Altbau nicht überleben”, betonte der Bürgermeister.
Auf das ehrenamtliche Engagement, das über die beiden Vereine in das Seniorenheim einfließe, ging auch der Dekan ein. Nur dadurch könne ein solches Vorhaben gestemmt werden, das „von Anfang an ein großes Wagnis” gewesen sei. Die enorm gestiegenen Kosten hätten dieses Wagnis zusätzlich vergrößert. Hans Rummel assistierte ihm: „Wir gehen ein gewisses Risiko ein.” Deshalb habe man durchaus etwas Bauchgrimmen bei einem Projekt dieser Dimension. Da auch im Altbau Sanierungsmaßnahmen anstünden und eine Modernisierung „zwingend notwendig” sei, wäre eine Stiftung eine große Hilfe, regte Horn an.
„Satt und sauber genügt uns nicht als Anspruch bei der Pflege”, ergänzte Gehrke, der auf die schwierige Situation am Markt der Seniorenbetreuung hinwies. Es gehe darum, die Würde der Menschen zu bewahren.
Dem Gedanken des Miteinanders trage man mit zwei Gemeinschaftsräumen im neuen Trakt Rechnung, berichtete Karin Eichner vom Bauunternehmen Beil. Sie seien „ein wichtiger Bestandteil” der Planung. Die in derartigen Projekten erfahrene Firma aus Neuendettelsau errichtet den Neubautrakt und verpachtet ihn für zunächst 25 Jahre an die Wohnpark am Weiher GmbH. Auf die gute Zusammenarbeit wies Geschäftsführerin Catrin Beil hin. „Wir sind fast freundschaftlich zusammengewachsen”, bestätigte Hans-Peter Gehrke.
Dabei galt es, hohe Hürden zu meistern. In der Planungsphase musste Einvernehmen mit Nachbarn hergestellt werden, die sich an der Beschattung durch den neuen Komplex störten. Zudem erwies sich das Modell des Wohnparks mit Eigentümergemeinschaften als kompliziert. Mehr als sechs Dutzend Beteiligte mussten dem Anbau per Grundbucheintrag zustimmen. Allein dieser Prozess zog sich über ein Jahr hin, denn die Eigentümer leben teils über ganz Europa verstreut.
In dem neuen Heimteil werden laut Geschäftsführer Thomas Siegele und Einrichtungsleiterin Natascha Deißler 22 neue Pflegeplätze - alle in Einzelzimmern - entstehen, außerdem drei Appartements für betreutes Wohnen. Zwölf neue Arbeitsplätze werden in der Folge notwendig. Bislang wohnen in dem Heim 40 Seniorinnen und Senioren, die von knapp 100 Mitarbeitenden betreut und versorgt werden. Die Verantwortlichen betonen, dass trotz der angespannten Lage am Arbeitsmarkt der Fachkräfteschlüssel erfüllt werde. Der Wohnpark greife dazu auch auf Personal von den Philippinen zurück und bilde selbst aus.