Für die einen ist der Dinkelsbühler Weihnachtsmarkt ein Ort mit vorweihnachtlicher Atmosphäre, für die anderen ist er ein gewaltiger Umsatzbringer. Die Bilanz fällt bei vielen Beteiligten positiv aus.
Karl Reinhardt ist zufrieden. Man habe beim Besucherzustrom wieder das Niveau von 2019 erreicht, sagt der Cheforganisators des Dinkelsbühler Weihnachtsmarktes. Nach zwei Corona-Jahren und dem zweimaligen Ausweichen in den Stadtpark ist der Markt heuer wieder in den angestammten Spitalhof zurückgekehrt.
Wie Reinhardt im Gespräch mit der FLZ sagt, habe man in 2019 zwischen 60.000 und 70.000 Besucher angelockt. Nach seinen Hochrechnungen dürfte diese Zahl auch in diesem Jahr erreicht worden sein. An den Tagen von Freitag bis Sonntag würden sich jeweils zwischen 2000 und 3000 Besucher und Besucherinnen zwischen den rund 40 Buden tummeln.
Reinhardt verweist auch auf die Auswirkungen auf die Altstadt. Hotels und Gasthäuser würden vom Weihnachtsmarkt profitieren. „Ganze Völkerwanderungen“ seien durch die Dr.-Martin-Luther-Straße gezogen.
Dass der Andrang im Spitalhof riesig war, bestätigt auch Philip Schürlein, Leiter des Amtes für Kultur und Tourismus. Wie er auf FLZ-Nachfrage sagt, profitiere vom Weihnachtsmarkt die gesamte Altstadt von Dinkelsbühl. Viele Hotels seien jeweils von freitags bis sonntags annähernd ausgebucht gewesen. Auch unter der Woche seien die Hotels gut gebucht gewesen. Die Gasthäuser seien gut gefüllt gewesen.
Wie Philip Schürlein sagt, seien rund 200 Gruppen mit Bussen zum Weihnachtsmarkt nach Dinkelsbühl gekommen. Das seien mehr als in den vergangenen Jahren gewesen. Auch der Tourismuschef der Stadt geht davon aus, dass der Weihnachtsmarkt rund 65.000 Gäste angelockt hat.
Von „Over-Tourismus“ will Schürlein diesbezüglich nicht sprechen, viel mehr aber von einer „sehr guten Frequenz“. Von der Frequenz und vom Umsatz her sei der Weihnachtsmarkt die wichtigste Veranstaltung der Stadt. Schließlich locken die rund 40 Buden im Spitalhof insgesamt mehr Besucher an, als die Kinderzeche im Sommer.
Positiv fällt auch die Einschätzung von City-Managerin Antje Krumbholz aus: „Wir sind sehr froh darüber, dass in diesem Jahr durch den Abschluss der Bauarbeiten auch die Voraussetzung geschaffen werden konnten, den Weihnachtsmarkt wieder im Spitalhof durchführen zu können.“ Durch die Integration innerhalb der Stadtmauern fördere er auch die Verbindung zum Einzelhandel und zur Gastronomie. Die Lage im Spitalhof lade geradezu dazu ein, den Besuch des Weihnachtsmarktes mit einem Einkaufsbummel durch die Altstadt zu verbinden.
Aus Sicht der City-Managerin ist die Park- und Verkehrssituation um den Weihnachtsmarkt bestmöglich gelöst. Auch die Fieranten hätten bestätigt, dass nach der zweijährigen Verlegung die Rückkehr auf ihrem ursprünglichen Platz ein Gewinn ist.
Froh ist Chef-Organisator Reinhardt über die Rückkehr in den Spitalhof auch aus diesem Grund: Im Vergleich zu den vergangenen beiden Jahren, als die Händler im winterlich-zugigen Stadtpark auf Kundschaft warteten, haben sie es jetzt wieder wesentlich komfortabler. Man steht windgeschützt und bei Regen gibt es keine Probleme mit Matsch. Auch die Versorgung mit Strom und Wasser gestaltet sich im Spitalhof wesentlich einfacher als im Stadtpark.
Einige Händler kommen seit vielen Jahren nach Dinkelsbühl. Dazu zählen auch Günter und Monika Schlegel. Seit 20 Jahren halten sie dem Markt die Treue. Doch jetzt ist Schluss. Inzwischen sind beide um die 70 Jahre alt. Aus gesundheitlichen Gründen hören sie auf. Und dies „mit einem weinenden Auge“, wie Monika Schlegel sagt. Der Dinkelsbühler Weihnachtsmarkt sei für sie immer etwas Besonderes gewesen. Daher werde sie als Gast auf jeden Fall wieder kommen.
An ihrem Stand hat sie zusammen mit ihrem Mann Schafmilchseife aus Österreich angeboten. Stets konnten die beiden auf viele Stammkunden zählen. Von einigen hat sich Monika Schlegel in den vergangenen Tagen verabschiedet. Wer weiterhin auf die Vorzüge der Schafmilchseife nicht verzichten möchte, kann die beiden künftig online kontaktieren. Über ihre eigene Homepage werden sie weiterhin ihre Produkte anbieten.
Klein, aber lecker ist auch das Angebot von Gertraud Weinhold. Sie verkauft Blütenhonig in sechs Sorten. Die Bienen ihres Sohnes schwirren rund um Dinkelsbühl herum. Das heißt: Die Wege vom Erzeuger zum Kunden sind in diesem Fall extrem kurz. Reich werde sie mit diesem Hobby und dem Verkauf des Honigs nicht. „Es tröpfelt“, sagt sie über ihre Einnahmen.
Die großen Umsätze werden auf dem Dinkelsbühler Weihnachtsmarkt an anderen Ständen gemacht.