Wenn Oberärztin Birgit Konopka zu ihren Patienten aufbricht, bleibt der weiße Kittel in der Bezirksklinik. In einigen Fällen behandelt sie Menschen mit psychischen Erkrankungen mit ihrem Team in deren Zuhause – und zwar gleichwertig zu einem stationären Aufenthalt.
Stationsäquivalente Behandlung (StäB) heißt der Fachbegriff dafür. Seit 2021 bieten die mittelfränkischen Bezirkskliniken diese Variante an. Zehn Behandlungsplätze stehen dafür zur Verfügung. In Bayern gibt es das so nur noch einmal in München. Damit sieht sich das Team der StäB durchaus in einer Vorbildrolle und rechnet damit, dass sich das Modell in den nächsten Jahren weiter verbreiten wird.
Ob eine Behandlung in den eigenen vier Wänden mehr Sinn macht als ein stationärer Klinikaufenthalt, hängt von der individuellen Situation und verschiedenen Voraussetzungen ab. Grundsätzlich kann jeder im Rahmen einer StäB behandelt werden, der so schwer erkrankt ist, dass eine stationäre Behandlung gerechtfertigt ist.
Die Alternative kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn aufgrund sozialer Gründe eine Behandlung im häuslichen Umfeld nötig ist. Manche Patienten möchten aus Sorge um ihre kleinen Kinder, andere Angehörige oder wegen der Versorgung von Tieren nicht in eine Klinik. Andere können daheim Hilfen für ihre körperliche oder geistige Behinderung nutzen oder werden von Ängsten daran gehindert, die Wohnung zu verlassen.
Am Anfang steht ein Vorgespräch in der Bezirksklinik mit jedem Patienten, auch um mögliche Ängste zu überwinden, jemanden in die eigene Wohnung zu lassen.
Sowohl die Patientinnen und Patienten als auch deren Angehörige beziehungsweis alle Personen, die im selben Haushalt leben, müssen damit einverstanden sein, dass die Behandler täglich zu ihnen nach Hause kommen. Es muss einen Platz in der Wohnung geben, an dem vertrauliche Gespräche unter vier Augen geführt werden können. Dabei sollte gewährleistet sein, dass Kinder oder Haustiere die Therapiesitzung nicht stören. Außerdem sollten die Patienten nicht weiter als 25 Kilometer von der Ansbacher Bezirksklinik entfernt wohnen.
Sind diese Voraussetzungen gegeben, kann es in dringenden Fällen schon innerhalb von zwei Wochen losgehen. Bei der Behandlung zu Hause werden vertraute Bezugspersonen automatisch intensiver in die Therapie einbezogen. Dies kann für den Therapieerfolg eine wichtige Rolle spielen. Notfalls ist eine schnelle vollstationäre Aufnahme möglich. Die weitere Versorgung nach dem Ende der Behandlung wird gemeinsam mit dem sozialen Umfeld geplant.
„Das wirkt wie ein Mehraufwand“, sagt die Psychologin Dr. Silke Scheer vom StäB-Team. „Es ist aber effektiver, manche Dinge gehen einfach schneller“. Die Mitarbeitenden der Bezirksklinik kommen komplett inkognito mit neutralen Fahrzeugen an. Noch immer gibt es Sorgen, wegen einer psychischen Krankheit stigmatisiert zu werden.
„Die Klinik ist eine Blase“, meint Oberärztin Birgit Konopka. Dort können die Patienten zwar gut behandelt werden, aber wenn sie in ihr gewohntes Umfeld zurückkehren, droht eine Negativspirale mit wiederholten stationären Aufnahmen.
In der eigenen Wohnung wird hingegen häufig deutlich, dass andere Hilfen, beispielsweise bei der Erziehung, nötig sind. Das Team, das während der gesamten Behandlungszeit rund um die Uhr erreichbar ist, hilft dann dabei, diese zu organisieren. Pflegekräfte gehören ebenso dazu wie Ärztinnen, Psychologinnen, eine Ergotherapeutin, ein Sozialpädagoge und eine Koordinatorin. „Es geht um Aktivierung“, weiß Oberärztin Konopka. So kann die Ergotherapeutin dabei unterstützen, neue Hobbys zu entdecken.
Wer sich für eine stationsäquivalente Behandlung interessiert, kann in der Patientenaufnahme der Bezirksklinik unter der Nummer 0981/4653-2100 anrufen. Oberärztin Birgit Konopka hält am Donnerstag, 27. März, im Festsaal der Bezirksklinik Ansbach (Feuchtwanger Straße 38) um 18 Uhr einen Vortrag zum Thema „Wege aus der Depression – Unterstützung für Betroffene und Angehörige“.