Wofür lohnt es sich, trocken zu bleiben? Wer diese Frage für sich beantworten kann, hat gute Chancen, vom Alkohol dauerhaft loszukommen. Hilfestellung dabei gibt die Alkoholrehabilitation im Bezirksklinikum Ansbach.
Kilian Adlerberg (Name von der Redaktion geändert) hat die Antwort für sich gefunden: Seine Familie mit Frau, Kindern und Enkeltochter motivieren ihn. Aber, so erzählt er, vor allem war es wichtig, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Zeit, in der er unter anderem zeichnet, was ihn bewegt.
Vor ein paar Jahren war er noch in einer herausgehobenen Stellung bei einem großen Arbeitgeber in der Region beschäftigt und stand in der Öffentlichkeit. Nach dem Vorruhestand suchte er sich immer mehr ehrenamtliche Aufgaben und trank irgendwann zu viel.
„Keiner sollte das Thema als Tabu sehen“, erzählt er. Die Klischees über Alkoholsucht würden viele Menschen hindern, die entsprechenden Wege zu gehen. „Es ist eine chronische Erkrankung“, betont Adlerberg. Die Unterstützung seiner Frau, seiner Kinder und seines persönlichen Umfelds an seinem Wohnort im Landkreis Ansbach half ihm, Scham und Ängste zu überwinden.
Die Angst davor, abgestempelt zu werden, kennt Oberarzt Dr. Werner Tauber vom Bezirksklinikum nur zu gut. In Gesprächen versuchen die Experten deshalb zunächst, eine Vertrauensgrundlage aufzubauen.
Der erste Schritt aus der Zeit, „in der es finster wurde“, wie es Adlerberg ausdrückt, ist die Entgiftung. Manche Menschen versuchen das allein, was aber mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist, erklärt die Diplom-Psychologin Christine Schindler, therapeutische Leitung der Alkoholrehabilitation im Haus 7 des Bezirksklinikums.
Wer die körperliche Entzugsbehandlung abgeschlossen hat, kann mit der Alkoholrehabilitation beginnen. In der Regel dauert sie acht Wochen, kann aber verlängert werden. 20 Plätze für Männer und Frauen gibt es im Haus 7. Die Kosten trägt meistens die Rentenversicherung (DRV), bei Rentnern und Beamten die gesetzlichen Krankenkassen oder die Beihilfe.
Seit Juli dieses Jahres wurde das Recht der Antragsteller, die Reha-Einrichtung selbst auszuwählen, deutlich gestärkt, weiß Christine Schindler. Die Kostenträger müssen nach ihren Worten berechtigten Wünschen nachkommen.
Der Antrag kann während der qualifizierten Entzugsbehandlung gestellt werden, so dass es anschließend nahtlos weitergeht, besonders einfach geht das für Versicherte der DRV Nordbayern. Dabei helfen die Mitarbeiter der Alkoholrehabilitation. Auch Suchtberatungsstellen unterstützen bei der Beantragung.
In der Rehabilitation wird die noch gefährdete Abstinenz stabilisiert. Auch alkoholabhängige Menschen, die kurzzeitig rückfällig geworden sind, werden hier betreut. Ein Team aus Ärzten, psychologischen Psychotherapeuten, Psychologen, Sozialpädagogen, Gesundheits- und Krankheitspflegekräften sowie Sport- und Ergotherapeuten kümmert sich um die Klienten.
Nach der Eingangsdiagnostik wird ein individuelles Behandlungsprogramm mit Einzel-, Gruppen- und Familientherapien zusammengestellt. Auch ein Rückfallpräventionsprogramm gehört dazu. Besonders wichtig ist dem Team die Einbeziehung des sozialen Umfelds, durch Angehörigengespräche und die Stärkung der Selbstkontrolle durch frühzeitigen Einzelausgang und ein Realitätstraining zuhause. Suchtberatungsstellen und Selbsthilfegruppen bilden das Netzwerk für die Nachsorge.
Jeden Montag ab 13 Uhr besteht die Möglichkeit zu Informations- und Vorstellungsgesprächen nach telefonischer Voranmeldung unter der Nummer 0981/46 53 22 36.