Seit knapp drei Wochen sind immer wieder Sägegeräusche im Stadtwald am Ansbacher Zeilberg zu hören. Kein Wunder, die Verwaltung lässt mit schwerem Gerät Fichten aus dem Areal entfernen. Mit dem Holz sollen nicht etwa Löcher in den klammen Kassen gestopft werden. Die Bäume müssen raus, weil sie von Schädlingen befallen sind.
„Das ist ganz bitter“, sagte Oberbürgermeister Thomas Deffner, als er am Dienstag auf einer Fläche stand, wo vorher viele Fichten in den Himmel ragten. Mittlerweile ist die Fläche mehr oder weniger kahl, weil die Bäume mit einem Harvester gefällt wurden. „Aber wir können es nicht ändern“, resümierte der OB. Der Borkenkäfer hat ganze Arbeit geleistet.
Insgesamt sieben Stellen mit einer Fläche von rund 4,5 Hektar sind aktuell im Stadtwald von dem Borkenkäferbefall betroffen, wie Stadtförster Horst Renner und Christian Frey vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Ansbach berichteten. Einen solch starken Befall habe man in den vergangenen Jahren nicht verzeichnen müssen, machte Renner deutlich.
Dabei sollte das Frühjahr mit den vielen Niederschlägen den Waldexperten eigentlich in die Karten spielen, die Borkenkäfer sollten dadurch nicht so ein leichtes Spiel haben. Das Problem: Durch das trockene und heiße Jahr 2023 „sind wir mit einer starken Population in den Winter gegangen“, erklärte Frey. Bei so vielen Generationen, in diesem Jahr sind es bis zu drei, habe es die Fichte nicht leicht, die Käfer abzuwehren.
Hinzu kommt, dass die Insekten zur Massenvermehrung neigen. Aus einem Käfer können in einer Vegetationsperiode bis zu 100.000 Käfer werden, rechnete Frey vor. Das bedeutet laut dem AELF-Vertreter, dass aus einer befallenen Fichte bis zu 20 befallene Fichten werden können. Und diese 20 Bäume wiederum führen zu 400 befallenen Bäumen.
Aufgrund dieser Tatsache ist Schnelligkeit die einzige Chance, um der Borkenkäfer-Population Einhalt zu bieten, wie Frey ausführte. Sprich: Die befallenen Bäume müssen so schnell wie möglich gefällt und aus dem Wald abtransportiert werden. Muss das Holz zwischengelagert werden, sollte dieser Platz mindestens 500 Meter entfernt sein vom Wald. „Dann hat man eine Chance, dass der Käfer nicht zurückkommt“, so Christian Frey.
Um diese Schnelligkeit zu gewährleisten, können die Verantwortlichen der Stadt nicht auf händische Arbeit setzen. Stattdessen kommt der Harvester, also eine Holzerntemaschine, zum Einsatz. Die gefällten Bäume werden verkauft und in einem Sägewerk weiterverarbeitet. Das Material der Baumkronen wird derweil gehäckselt und für die Energiegewinnung verwendet, berichteten Renner und Frey.
Noch bis Mitte September laufen Stadtförster Renner zufolge die Arbeiten, um den Schaden zu begrenzen. Mit den reinen Fällarbeiten ist es dabei nicht getan. Ebenfalls notwendig sind regelmäßige Kontrollgänge, um etwaige weitere befallene Fichten rechtzeitig zu entdecken und auch diese zu entfernen.
Der Klimawandel und die Probleme mit Baumschädlingen sind zwei Gründe, warum die künftige Strategie Laubmischwälder statt reinen Nadelbaumwäldern vorsieht, erklärten Frey und Renner zudem.