Eckstein, Eckstein, alles muss versteckt sein – zum wohl größten Versteckspiel Deutschlands sind 100 Teilnehmende auf den Campus der Hochschule Ansbach gekommen. Zwei Freunde machten sich auf die Suche nach Studierenden und Influencern. Manche davon fanden nicht nur geheime Winkel, sondern womöglich sogar ungeahnte Talente.
Joel Bougnot ist Masterstudent im Fach Multimediale Medienproduktion und Jakob Winkler hat seinen Master in Applied Research ebenfalls an der Hochschule Ansbach abgeschlossen. Deshalb fiel den beiden die Standortwahl leicht. Doch wie kommen zwei Mitte-Zwanzigjährige überhaupt auf die Idee, mit 100 Menschen Verstecken zu spielen?
Jakob und Joel kennen sich seit der ersten Klasse. Vor gut einem Jahr begannen die beiden, regelmäßig Comedy-Videos auf Instagram hochzuladen. Mittlerweile bringen die besten Freunde aus Hilpoltstein auf ihrem Kanal „Jaggo und Joe“ über 12.000 Follower zum Lachen. Bei einem Urlaub spielten sie vor Kurzem mit einigen Freunden spontan Verstecken. „Dann dachten wir uns, warum sollen wir das nicht mal in einem viel größeren Rahmen versuchen?“, erklärt Jakob.
Also wandten sich die beiden an die Hochschulleitung. Dort sei ihnen zunächst erst Skepsis begegnet, meint Joel: „Die waren sich unsicher, ob wir das wirklich ernst meinen.“ Als klar wurde, dass Jakob und Joel es sehr ernst meinen, erklärte sich die Hochschule gerne bereit, ihren Campus zum Spielfeld des „Hide and Seek 100“ werden zu lassen.
Über ihren Instagramkanal sammelten sie die 100 Teilnehmenden. Darunter waren neben Studierenden auch prominente Social-Media-Persönlichkeiten wie Matthias Roll. Besser bekannt als „TC“ von dem berühmten ehemaligen YouTube-Trio „Y-Titty“.
Der 34-Jährige kam mit seiner Freundin nach Ansbach, um seinen Ruf als „Internet-Urgestein“, wie er sich selbst bezeichnet, unter Beweis zu stellen. „Außerdem möchte ich mein 34-jähriges Kind mal wieder glücklich machen.“ Der YouTube-Promi und seine Freundin reisten nach Ansbach mit einer Strategie im Gepäck: „Zuerst wollten wir uns als Bücherregal verkleiden und in der Bibliothek verstecken.“ Schlussendlich würden sie sich jetzt aber im Schatten von großen Objekten verstecken, meinte der völlig in Schwarz gekleidete TC kurz vor Spielbeginn.
Und dann geht es los: Nachdem alle Teilnehmenden ihre Startnummern erhalten haben, erklären Jakob und Joel in Kürze die Spielregeln. Dann drehen sich die beiden mit dem Rücken zur Menge. Sie sollen nicht sehen, in welches der drei zur Verfügung stehenden Gebäude die Gesuchten verschwinden. Joel hebt eine rote Hupe in die Luft, ein schrilles Geräusch ertönt und 100 Menschen rennen lachend und kreischend über den Campus.
Eine halbe Stunde lang warten Jakob und Joel, bis sich alle versteckt haben, dann ziehen sie los und finden schon nach wenigen Minuten die ersten Versteckten. Doch nach den ersten zehn wird es schon schwieriger. Unter Tischen, Stühlen und Pulten sind bald alle erwischt. Aber auf Schränken, hinter Tafeln oder in Stromkästen sitzen angespannt oder zusammengekauert die Gewinner der ersten Runde.
Holger Reiter hatte sich hinter einer Eingangstür zur Herrentoilette versteckt, wurde aber erwischt. Trotzdem ist er von der Aktion begeistert: „So was braucht es gerne öfter in Ansbach!“ Er stieß zufällig beim Scrollen auf TikTok auf die Veranstaltung und entschied sich, vorbeizukommen.
In der Finalrunde dürfen sich die 40 Verbliebenen nur im neuen 66er-Gebäude verstecken. Ohne verwinkelte Altbauarchitektur und den Schutz von Tageslichtprojektoren müssen die „Hider“ kreativ werden, um sich vor den „Seekern“ in Sicherheit zu bringen. Die Journalismusstudentin Lena Lampe legt sich in einer der Co-Working-Boxen unter die Sitzbank. Die Erstsemesterin Sophie Fischer schafft es, sich unter einen der Plastikstühle zu quetschen, und ist dadurch von außen betrachtet de facto unsichtbar.
Die Ausgeschiedenen folgen derweil den Suchern über einen Livestream in der Mensa beim Versuch, schneller als der jeweils andere alle Verstecke auffliegen zu lassen. Dazu brauchen Joel und Jakob allerdings über eine Stunde. So manches Bein wird in der Zwischenzeit also sicherlich eingeschlafen sein.
Das geplante Spielende um 17.30 Uhr ist auch bereits verstrichen, als sich Jakob und Joel dazu durchringen, gemeinsam nach den verbleibenden Versteckten zu suchen. Neben Lena Lampe und Sophie Fischer hat Maximilian Schmidler es geschafft, bis zum Schluss versteckt zu bleiben. Mit dem Applaus der restlichen 97 werden sie in der Mensa empfangen und erhalten zum Preis verschiedene Gutscheine. Bevor es für die Afterparty ins Café Prinzregent geht, diskutieren alle Teilnehmenden über ihre Verstecke und ziehen Bilanz.
„Auch wenn die letzte Stunde schmerzvoll war, war es ein geiles Spiel“, scherzt Sophie Fischer. Maximilian Schmidler kennt Jakob und Joel schon länger und meint: „Wenn die beiden was machen, ist es immer super!“ Bleibt nur zu hoffen, dass auch wirklich niemand in seinem Versteck übrig geblieben ist.