Ein direktes Aufeinandertreffen der beiden Kandidaten um den Chefsessel in Feuchtwangens Rathaus ist bislang nicht zustande gekommen. Dr. Ulrich Grünwald, der Herausforderer von Amtsinhaber Patrick Ruh, und dessen Unterstützergruppen luden zu einer eigenen Veranstaltung, bei der Grünwald Rede und Antwort stehen konnte: ein Bürgerforum.
Vor vollen Stuhlreihen in der Stadthalle Kasten stellte sich Grünwald den Fragen von Moderator Mathias Neigenfind und denen aus dem Publikum. Als Co-Moderatorinnen und Co-Moderatoren fungierten Batseba Wallewein, Nathalie Wirkner, Fabian Pröger und Tim Kruse vom Feuchtwanger Jugendbeirat.
Kommunalpolitisch aktiv war Grünwald bislang nicht. Ende März geht der Rechtsanwalt und Steuerberater in Rente. Da wollte ein Zuhörer wissen, was Grünwalds Motivation war, für das Bürgermeisteramt in Feuchtwangen zu kandidieren. Für ihn sei das Bürgermeisteramt keine weitere Stufe auf der Karriereleiter, sondern er verstehe den Job als soziales Engagement, in das er seine Erfahrung aus seinem Berufsleben einbringen könne, erklärte der 62-Jährige.
Nominiert wurde Grünwald von SPD, Wir für Feuchtwangen/Grüne und Wir wollen Wandel. Er trete aber bewusst als parteiloser Kandidat an, betonte der 62-Jährige. Er könne Entscheidungen überparteilich und unabhängig sowie altersbedingt mit einer gewissen Gelassenheit und nicht mit Blick auf eine Wiederwahl treffen. Grünwald schloss jedoch, falls er gewählt werden sollte, eine erneute Kandidatur in sechs Jahren nicht aus.
Auf die Nominierung durch die drei Parteien und Gruppen ging auch Neigenfind ein: Wie will Grünwald im Fall seiner Wahl Mehrheiten im Stadtrat bekommen? Das wisse er nicht, bekannte der 62-Jährige. Schließlich habe er noch nie einem solchen Gremium angehört. Er ist aber überzeugt, dass er dabei auf seine Berufserfahrung als Prozessanwalt bauen könne. Er sei gewohnt, unterschiedliche Interessen zusammenzubringen.
Nach seinen Visionen für Feuchtwangen gefragt, meinte Grünwald, keine zu haben. Ihm sei vielmehr wichtig, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern aller Altersgruppen die Zukunft der Stadt zu gestalten. Er wolle zuhören, wolle wissen, was gebraucht, was gewünscht werde. Projekte, die machbar seien, würden dann zügig umgesetzt. Nicht versprechen wollte er einen Club für junge Menschen. Da müsse ein tragfähiges Konzept gefunden werden. Denkbar wäre aus seiner Sicht eine Art Generationenhaus, von dem Jung und Alt profitieren könnten.
Neigenfind sprach Grünwald auf verschiedene Themenkomplexe an – etwa Innenstadtentwicklung, Bahnreaktivierung und nach einer Wortmeldung aus dem Publikum auch den geplanten Industrie-/Gewerbepark Interfranken.
Aus Grünwalds Sicht muss der Durchgangsverkehr auf dem „wunderschönen” Feuchtwanger Marktplatz deutlich reduziert werden, um die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu steigern. Das schaffe wiederum Anreize für Gastronomie, Einzelhandel und Kleingewerbe. Als „Goldstück” bezeichnete er das Huppmann-Banse-Areal, wo seiner Meinung nach auch Wohnraum geschaffen werden sollte.
Wie die Verkehrsberuhigung in der Innenstadt bewerkstelligt werden könne, wüssten Fachleute besser als er, sagte Grünwald. Er würde vom Ergebnis ausgehen: Die Bewohnerinnen und Bewohner, Menschen, die einkaufen wollen, sowie Übernachtungsgäste sollten weiterhin hineinfahren und vernünftig parken können.
Betreiben will Grünwald eine aktive Wirtschafts- und Ansiedlungspolitik. Auf vieles habe die Stadt keinen Einfluss, aber wenn die Attraktivität gesteigert werde und die entsprechenden Rahmenbedingungen vorhanden seien, könnten etwa Investoren oder auch Medizinerinnen und Mediziner angelockt werden, ist er überzeugt.
Die Bahn wäre ein Standortvorteil, stimmte Grünwald zu. Jedoch nicht, wenn die Züge nur zwischen Dombühl und Wilburgstetten fahren würden. „Das bringt nichts.” Wichtig wäre eine Durchbindung bis Nördlingen. Mit Blick auf die besondere Struktur der Stadt Feuchtwangen hob Grünwald hervor, dass es beim Öffentlichen Personennahverkehr ein Konzept brauche, das die vielen Ortsteile anbinde.
Was den geplanten Industrie-/Gewerbepark Interfranken angeht, will Grünwald Fakten sammeln und sich dann eine Meinung dazu bilden. Entscheidend sei für ihn, ob das Projekt auch einen monetären Mehrwert für die Stadt habe. Wenn nicht, sei er nur schwer davon zu überzeugen.
Neben den ganzen Pflichtaufgaben ist für Grünwald die Förderung des Kultur- und Vereinslebens ein wesentlicher Punkt: Das sei mit die sinnvollste Investition, die man als Kommune tätigen könne.