Stinksauer ist Bürgermeister Patrick Ruh – und zwar auf die Deutsche Post, die zur DHL Group gehört: Seit über einem Jahr setze sich die Stadt Feuchtwangen intensiv dafür ein, damit der Weltkonzern in der Kernstadt wieder eine vollwertige Filiale einrichtet. Doch der stelle sich quer, wettert das Stadtoberhaupt mit deutlich erkennbarem Unmut.
Indes heißt es von der Münchner Pressestelle der DHL Group auf FLZ-Anfrage, um den Kundinnen und Kunden in Feuchtwangen einen „bestmöglichen Service bieten zu können“, seien Mitarbeitende „intensiv auf der Suche nach einem geeigneten Standort für eine Interimslösung, die wir dann auch mit eigenem Personal betreiben“. Und: „Hierzu befinden wir uns auch im Austausch mit der Stadt Feuchtwangen.“
Zugleich schreibt die Pressestelle, grundsätzlich suche die Post geeignete Kooperationspartner für den Betrieb ihrer Filialen. Das sei aber „insbesondere in ländlichen Gebieten mit wenig ausgeprägter Einzelhandels-Infrastruktur“ sehr herausfordernd.
Währenddessen zeigen Rathauschef Ruh und der seitens der Stadt mit der Angelegenheit betraute Vorstand des Kommunalunternehmens (KU), Arthur Reim, keinerlei Verständnis mehr dafür, dass sich der Konzern extrem unflexibel zeige und keineswegs bewege.
„Ich bin nicht mehr bereit, das Verhalten der Post zu akzeptieren“ und „meinen Kopf hinzuhalten“, schimpft der Bürgermeister auch angesichts der von vielen Feuchtwangerinnen und Feuchtwangern immer wieder klar formulierten Forderung nach einer vollwertigen Filiale im Zentrum. Davon abgesehen wäre eine Anlaufstelle der Post auch für die Belebung des Handels in der Innenstadt zwingend.
Die Stadt habe gleich am Tag, nachdem die frühere Postfiliale an der Hindenburgstraße Ende 2023 dicht gemacht worden ist, die Initiative ergriffen, ergänzt Arthur Reim. Inzwischen habe er der DHL insgesamt 16 mögliche Standorte für eine Poststelle in der Altstadt unterbreitet. Diese in Frage kommenden Immobilien habe sich der bei der Post zuständige Mitarbeiter zwar angesehen, jedoch habe stets irgendetwas nicht gepasst, ärgern sich Rathauschef und KU-Vorstand.
Oft sei es nur um Kleinigkeiten gegangen. Als jüngsten Fall nennen sie konkret, dass ein Hauseigentümer bereit gewesen wäre, seine leer stehenden Räume den Wünschen der Post entsprechend umzubauen und nur einen moderaten Mietpreis zu verlangen. Jedoch würde sich die Investition des Mannes frühestens dann amortisieren, wenn er mit dem Konzern einen auf mindestens fünf Jahre ausgelegten Mietvertrag abschließen könnte. Das lehne die Post aber ab, zumal sie nur maximal zwei Jahre lang laufende Verträge wolle.
Genau das sei auch in anderen Fällen der Knackpunkt gewesen, monieren Patrick Ruh und Arthur Reim. Auf Anfrage dazu teilt die DHL-Pressestelle jedoch mit, zu Mietverträgen nenne sie keine internen Details.
Derweil erzählt KU-Vorstand Reim von einer möglichen Container-Lösung auf dem Parkdeck hinter dem ehemaligen Landratsamt an der Hindenburgstraße. Gespräche zu diesem Standort seien nach der Sanierung des Gebäudes ab der 18. Kalenderwoche anberaumt.
Dazu enthält das Antwortschreiben der DHL Group wiederum keine detaillierte Aussage: Es heißt lediglich, die Errichtung einer Poststation werde geprüft. Der neuentwickelte, rund um die Uhr zugängliche Automat biete nahezu alle Postdienstleistungen, die in Filialen am häufigsten nachgefragt würden: „Der Kauf von Brief- und Paketmarken ist ebenso möglich wie der Versand von Briefen und Paketen.“ Ebenso könnten Pakete empfangen werden.
Zur bisherigen Suche heißt es in der Stellungnahme der DHL Group, nicht jeder Standort eigne sich für eine Filiale. So werde eine ausreichend große Fläche benötigt und Lkw müssten die Räumlichkeiten ansteuern können, um die Pakete abzuholen. Aber die Post sei „an langfristigen Lösungen interessiert“ und zuversichtlich, „schon bald einen geeigneten Standort in Feuchtwangen zu finden“.
Dem halten Rathauschef Ruh und KU-Vorstand Reim entgegen, dass die Post auch dann stets extrem unflexibel reagiert habe, wenn es um Räume in historischen Häusern gegangen sei. Dabei sei doch klar, dass sich denkmalgeschützte Gebäude nicht so einfach anpassen ließen wie Neubauten. Aus diesem Grund wäre auch da mehr Entgegenkommen seitens des Konzerns absolut wünschenswert.