Die großen Problemfelder Bürokratie und Fachkräftemangel waren jetzt die zentralen Themen beim Empfang der Wirtschaft in Stadt und Landkreis Ansbach. Die Netzwerk-Veranstaltung für regionale Unternehmen, organisiert von der Trust Business Lounge, fand erstmals in der Ansbacher Orangerie statt.
An der Gesprächsrunde, die von Mathias Neigenfind moderiert wurde, hätte eigentlich auch Ansbachs Oberbürgermeister Thomas Deffner teilnehmen sollen. Da er aber wegen eines anderen Termins vorzeitig gehen musste, stand er zuvor solo Rede und Antwort.
Dabei ging es auch um die Krankenhaus-Situation im Kreis. Der letzte Workshop des Verwaltungsrats zur Zukunft von ANregiomed war da gerade erst wenige Stunden alt. „Wir wollen weiter in allen drei Krankenhäusern etwas anbieten – aber natürlich bezahlbar“, erklärte Deffner. Er sei zuversichtlich, dass das Defizit verringert werden kann. Für spürbare Verbesserungen werden aber noch „zwei, drei oder vier Jahre notwendig sein“. Ein Klinikunternehmen sei wie ein Öltanker, das könne man nicht einfach mal auf die Schnelle wenden.
In der Gesprächsrunde mit Politikern aus dem Landkreis und dem mittelfränkischen IHK-Vizepräsidenten Dr. Simon Amesöder ging es dann um zwei Themen, die aktuell wohl alle Unternehmerinnen und Unternehmer bewegen: Bürokratie und Fachkräftemangel. Dinkelsbühls Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer kritisierte, dass viele Verfahren und kommunale Vorhaben viel zu lange dauern. „Es kann nicht sein, dass die Bürokratie die Wirtschaft derart infiltriert hat“, bemängelte er.
Landrat Dr. Jürgen Ludwig erklärte: „Seit es Verwaltungen gibt, kämpfen diese gegen Bürokratie.“ Einiges davon sei aber auch hausgemacht. Der Staat lähme sich zum Teil auch selbst, so Ludwig: „Es gibt zu viel Geld, zu viele Vorschriften und zu viel Personal, das diese dann umsetzen muss“, verdeutlichte der Landrat. Er hofft darauf, dass durch eine zunehmende Digitalisierung viele Abläufe künftig einfacher und schneller funktionieren.
Wassertrüdingens Bürgermeister Stefan Ultsch stellte fest, dass der bürokratische Aufwand auch im ehrenamtlichen Bereich zunehme. „Viele Vorsitzende ziehen sich deshalb zurück“, bedauerte er. Inzwischen habe man in vielen Bereichen des Lebens mit Auflagen zu kämpfen.
Dr. Simon Amesöder von der IHK erklärte, dass die negative Stimmung im Land für das Ansehen der deutschen Wirtschaft alles andere als förderlich sei. Man erlebe schon jetzt viele Insolvenzen und Firmen-Abwanderungen in das Ausland.
„Wir müssen eine Aufbruchstimmung erzeugen und das Vertrauen und die Zuversicht in den Unternehmen wieder herstellen“, forderte er. Dafür seien aber auch Reformen nötig. „Hierzulande lief es lange sehr gut, wir sind Einschränkungen nicht mehr gewohnt“, glaubt Amesöder.
Wie man der Bürokratie und dem Fachkräftemangel auf kommunaler Ebene begegnen kann, erklärte Neuendettelsaus Bürgermeister Christoph Schmoll anhand der Kommunalen Allianz Kernfranken. Zu dieser haben sich die acht Kommunen Bruckberg, Lichtenau, Sachsen, Dietenhofen, Neuendettelsau, Windsbach, Heilsbronn und Petersaurach zusammengeschlossen. „Jede Gemeinde muss ihr Kirchturmdenken über Bord werfen. Das muss der Weg in die Zukunft sein“, befand Schmoll.
Die Fülle an Aufgaben sei für eine einzelne Kommune mit dem vorhandenen Geld und Personal alleine nicht mehr zu schultern. Die Kernfranken-Partner wollen zunächst damit beginnen, Themen wie die EDV-Digitalisierung gemeinsam anzugehen. Außerdem gibt es den Versuch einer gemeinsamen kommunalen Verkehrsüberwachung.
Später wollen die Kommunen laut Schmoll dann auch „die großen Themen“ gemeinsam angehen. Er nannte in diesem Zusammenhang die Abfallentsorgung und die standesamtlichen Aufgaben.
Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, werde man neben der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz auch eine Zuwanderung von Fachkräften benötigen.