Chemische Keule gegen Schädlinge: Kirche in Jochsberg wird begast | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 28.08.2024 16:43

Chemische Keule gegen Schädlinge: Kirche in Jochsberg wird begast

Nach dem Abdichten der Mauritiuskirche in Jochsberg kann das für Schädlinge tödliche Gas nicht mehr nach außen dringen.  (Foto: Alexander Biernoth)
Nach dem Abdichten der Mauritiuskirche in Jochsberg kann das für Schädlinge tödliche Gas nicht mehr nach außen dringen. (Foto: Alexander Biernoth)
Nach dem Abdichten der Mauritiuskirche in Jochsberg kann das für Schädlinge tödliche Gas nicht mehr nach außen dringen. (Foto: Alexander Biernoth)

Hermetisch abgedichtet wurde die evangelische Mauritiuskirche in Jochsberg und nun geht es dem Ungeziefer an den Kragen. Das Kircheninnere wird begast, um alle Schädlinge, vor allem den Gewöhnlichen Nagelkäfer, zu beseitigen.

Eine Fachfirma aus Lauf wurde mit den Arbeiten beauftragt und hat am Montagabend in das Innere der Kirche Sulfuryldifluorid einströmen lassen. Am Freitag wird die Kirche belüftet und dann müsste die Ungezieferplage ein Ende haben.

Die Bekämpfung des Schädlingsbefalls ist der erste Schritt für eine umfassende Kirchenrenovierung, die 2027 zum 500. „Geburtstag“ der Kirche abgeschlossen sein soll. Die gesamte Sanierung wird rund 750.000 Euro kosten, wovon die kleine Kirchengemeinde rund 100.000 Euro bezahlen muss.

Weitere 100.000 Euro von der Landeskirche

Weitere 100.000 Euro kommen von der Bayerischen Landeskirche und den Großteil der Kosten übernimmt der Freistaat wegen der staatlichen Baulast. Im Vorfeld der Arbeiten wurde festgestellt, dass Balken im Dachstuhl marode sind und ein „Konvolut an Schädlingen“ der Bausubstanz zugesetzt hat. St. Mauritius war einst die Schlosskirche der Seckendorffs, die in Jochsberg große Besitzungen und ein Schloss hatten.

In einem ersten Schritt werden die Schädlinge aus dem Kircheninneren mit Gas vertrieben. Im zweiten Schritt kommt die Schädlingsbekämpfung im Dachstuhl an die Reihe. Dort will man den Schädlingen mit Abbeilen und Gesundschnitt, aber auch mit chemischem Holzschutz zu Leibe rücken. Dies kann aber erst passieren, wenn die Fledermäuse dort ihr Sommerquartier geräumt haben. Von September bis März, so berichtet der Vertrauensmann des Kirchenvorstandes, Stefan Diezinger, seien Arbeiten im Dachstuhl möglich.

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Bis Freitagabend ist die Kirche wie auch der unmittelbare Umgriff auf dem Friedhof absolute Sperrzone. Sulfuryldifluorid sei ein farb- und geruchloses Gas, das als Insektizid auch bei Lebensmitteln wie Getreide, Nüssen, Schalen- und Trockenfrüchten verwendet werde, berichtet der Vorarbeiter der Firma Binker Materialschutz GmbH, Josef Eckert.

Auch für Menschen gefährlich

Des Weiteren dient es zur Bekämpfung von Holzschädlingen in Gegenständen, Räumen oder Gebäuden. Das Gas könne auch für Menschen gefährlich werden, deswegen darf sich während der Begasung niemand im Gebäude aufhalten. Auch das Übertreten der Absperrseile sei strengstens verboten. Eigentlich könnte am Sonntag, wenn die Kirche gründlich belüftet wurde, wieder Gottesdienst gehalten werden, so Josef Eckert. Die Kirchengemeinde habe sich aber entschlossen, den Gottesdienst am Sonntag im Freien abzuhalten.

Der Zeitplan sieht vor, dass in wenigen Tagen die Außeninstandsetzung der Mauritiuskirche beginnen soll. Ab September 2025 ist dann die Kanalsanierung geplant.


Von Alexander Biernoth
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