Chronische Schmerzen sind in vielen Fällen mehr als ein rein körperbezogenes Phänomen. Auch die Psyche spielt eine Rolle: Gedanken, Emotionen, Verhalten und Stress, aber auch biografische Erfahrungen können beeinflussen, wie Schmerzen entstehen, anhalten oder gelindert werden können.
Was hat die Psyche mit Schmerzerleben zu tun? Und wie kann man mit diesem Wissen den Alltag besser gestalten? Zwei Expertinnen aus dem Präsidium der Deutschen Schmerzgesellschaft beantworten zentrale Fragen.
Akuter Schmerz ist ein in der Regel zeitlich begrenztes Warnsignal des Körpers. Es ist ein Hinweis auf eine Verletzung oder eine Entzündung. Der akute Schmerz klingt ab, sobald die Verletzung oder Entzündung geheilt ist. „Ein Schmerz ist dagegen chronisch, wenn er fortdauernd länger als drei Monate besteht“, sagt Ulrike Kaiser, Psychologische Psychotherapeutin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck.
Während bei einem akuten Schmerz die Ursache klar erkennbar ist - also etwa eine Verletzung oder eine Entzündung - ist sie bei chronischem Schmerz meist komplex, vor allem, weil häufig ursprünglich keine Verletzung vorhanden war. „Bei chronischem Schmerz ist der Schmerz selbst die Krankheit“, sagt Prof. Christiane Hermann, Leiterin der Abteilung Klinische Psychologie & Psychotherapie an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Vereinfacht ausgedrückt läuft die Verarbeitung etwa so ab: Bei einer Verletzung oder Entzündung melden spezielle Nervenenden in Muskeln, Organen oder Haut Signale. Diese Signale gelangen über das Rückenmark als elektrische Impulse ins Gehirn, das sie verarbeitet. „Das Gehirn bewertet die Signale aktiv und gleicht sie mit Vorerfahrungen, Erwartungen und Emotionen ab“, so Hermann.
Erst dann legt sich das Gehirn fest, ob und wie stark man einen Schmerz empfindet. Dabei gilt häufig: „Je eher jemand in guter Stimmung ist, desto weniger ist das Schmerzempfinden und bei schlechter Stimmung ist das Schmerzempfinden oft größer“, so Hermann.
Es kann auch sein, dass ein Schmerz aufgrund eines anderen Ereignisses, das das Gehirn als wichtiger bewertet, völlig in den Hintergrund gerät. Ulrike Kaiser nennt ein Beispiel: Ein Mann ist barfuß unterwegs und tritt auf einen Nagel. Den höllischen Schmerz vergisst er, weil sich vor ihm unerwartet ein Tsunami aufbaut und er alles dran setzt, um sich in Sicherheit zu bringen.
Unsere Gedanken, Stimmungen oder Gefühle beeinflussen unter Umständen stark, wie wir Schmerzen wahrnehmen und bewältigen. Dabei können folgende Faktoren eine Rolle spielen:
Pauschale Empfehlungen, was Menschen mit chronischen Schmerzen hilft, gibt es nicht - denn jede und jeder ist anders. „Wichtig ist, sich frühzeitig auf Spurensuche zu begeben und auszuloten, woher die anhaltenden Schmerzen kommen“, sagt Kaiser.
Hilfreich kann laut Hermann auch sein, sich bewusst zu machen, wie man Schmerzen bewertet - und ob es für diese Art der Bewertung womöglich Vorbilder gibt, zum Beispiel Angehörige. Auch sollten Betroffene für sich herausfinden, was ihnen dabei hilft, trotz chronischer Schmerzen eine ausgeglichene Stimmung bewahren können - was ihnen also konkret guttut. Konkrete Ansatzpunkte:
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