Es ist fraglos ein trauriger Anblick für viele Menschen. Jahrzehntelang war das Modehaus Rühl in Feuchtwangen eine feste Anlaufstelle, nach der Schließung herrscht seit einigen Monaten in den Schaufenstern eine trostlose Leere. Doch wie geht es mit der Immobilie im Herzen der Altstadt weiter?
Nach beinahe 90 Jahren hatte die Mode & Sport Rühl GmbH im März dieses Jahres ihren Rückzug erklärt. Die Tradition eines mittelständischen Familienunternehmens ging nach dem folgenden Räumungsverkauf zu Ende. Generationen der Stadt- und Landbevölkerung hatten sich bei Rühl eingedeckt – von der Kleidung für die Kleinsten über Kommunions- oder Konfirmationsanzüge bis hin zu Hochzeitsoutfits oder eleganten Abendroben.
Die Angebotspalette war breit gefächert, auch dank der Sportabteilung und dem Laden für feine Wäsche. Für viele Stammkunden sei das Geschäft ein „Stück Heimat“ gewesen, es ist mit vielen Erinnerungen verbunden, heißt es immer wieder in Feuchtwangen.
Die Zukunft der beiden Häuser in der Hindenburgstraße 14 und 16 interessiert deshalb viele Menschen. „Es ist sehr schade, dass wir schließen müssen, denn unsere Kunden sind uns sehr ans Herz gewachsen“, hatten auch Richard und Markus Rühl, Inhaber des Familienunternehmens, dieses Gefühl zum Abschied transportiert.
In den wirtschaftlichen Hoch-Zeiten der 1970er und 1980er Jahren waren bis zu 50 Mitarbeitende in der Firma beschäftigt, immer wieder wurde angebaut und erweitert. Was aber einst lohnenswert war und nach mehreren Vergrößerungen zu einer Verkaufsfläche von rund 2000 Quadratmetern führte, ist beim angestrebten Verkauf der Immobilien offensichtlich ein Klotz am Bein.
„Es tut sich nichts”, bringt Richard Rühl junior den aktuellen Stand schonungslos auf den Punkt. Seit Monaten liegen die beiden Anwesen bei der VR Bank zur Vermarktung. Außer losen Anfragen habe es bislang keinerlei Kontaktaufnahmen möglicher Käufer gegeben, verrät Rühl. Sehr gerne hätte er im Geschäft „noch ein paar Jahre drangehängt”, schiebt der 69-Jährige hinterher, jetzt muss er dem Leerstand zusehen. „Es gibt schöneres.”
Für die beiden Häuser sind derzeit 600.000 Euro aufgerufen. Wäre er bei „Wünsch Dir was”, würde er für ein Textilhandelsgeschäft in der Nachfolge plädieren, sagt Rühl. „Dafür wären die Räume mitsamt der Einrichtung prädestiniert.” Meldungen, wonach ein bundesweit tätiger Klamotten-Discounter sein Filialnetz in Deutschland ausbauen möchte und damit das ehemalige Bekleidungshaus wiederbelebt werden könnte, sind ihm zu Ohren gekommen. Kommentieren mag er sie nicht.
Etwas ratlos zeigt sich auch die Stadtspitze in puncto der Beseitigung eines Leerstandes in der Altstadt. Man habe sich bei ihm erkundigt, was in dem Areal baulich möglich sei, erklärt Feuchtwangens Bürgermeister Patrick Ruh und versichert ganz grundsätzlich: „Als Baugenehmigungsbehörde würden wir jede Initiative unterstützen.”
Für eine sinnvolle Lösung wird von Seiten der Stadt die Nutzung in einem Mix aus einer Gewerbeeinheit im Erdgeschoss sowie Wohnungen im ersten Stock erachtet. Möglichkeiten des Umbaus gebe es dabei natürlich, versichert der Bürgermeister. So könnten gerade die Anbauten im rückwärtigen Bereich verschwinden und einer neuen Nutzung zugutekommen.
Möglichkeiten einer Bezuschussung entsprechender baulicher Maßnahmen bestünden durchaus, da der Bereich im ausgewiesenen Sanierungsgebiet der Altstadt liegt, sagt Ruh. Die Stadt selbst sei für einen Kauf derzeit aber nicht die richtige Ansprechpartnerin, lässt er durchblicken. Die Stadt fokussiere sich auf Projekte, die für Privatleute finanziell nur schwer umsetzbar sind. Nach dem Abschluss der Sanierung des alten Rathauses steht laut Ruh der Umbau der Rossmühle auf dem Plan. Keine guten Aussichten für das Bekleidungshaus Rühl.
Gegründet wurde das Unternehmen 1935 von Schneidermeister Richard Rühl senior. Er kam aus Windsbach nach Feuchtwangen, um mit seiner Frau Kunigunde einen Laden für Tuchhandel, Kurzwaren und Konfektion zu eröffnen. Zunächst hatte das Geschäft an der Hindenburgstraße eine Fläche von nur 60 Quadratmetern.