Das NEA Mobil und seine Fans: Wenn sogar der Fahrer selbst begeistert ist | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 07.06.2026 13:33

Das NEA Mobil und seine Fans: Wenn sogar der Fahrer selbst begeistert ist

Mehrere solcher Kleinbusse sind als NEA Mobil im Einsatz und bringen Menschen von A nach B. (Foto: Landratsamt Neustadt/Anne Geißendörfer)
Mehrere solcher Kleinbusse sind als NEA Mobil im Einsatz und bringen Menschen von A nach B. (Foto: Landratsamt Neustadt/Anne Geißendörfer)
Mehrere solcher Kleinbusse sind als NEA Mobil im Einsatz und bringen Menschen von A nach B. (Foto: Landratsamt Neustadt/Anne Geißendörfer)

Das NEA Mobil als Förderung der Mobilität im ländlichen Raum mittels Rufbussystem hat bayernweit Interesse geweckt und ist für viele – auch junge – Leute interessant. Lorenz Schmidt ist einer davon: Der 17-jährige Wallmersbacher hat sogar einen Gastartikel für unsere Zeitung darüber verfasst – Selbstversuch inklusive.

„Manchmal fahre ich in Dörfer mit vier oder fünf Häusern. Orte, die fast von Gott verlassen sind.“ Wenn Enzo Mingolla von seiner Arbeit erzählt, merkt man schnell, dass er den Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim bestens kennt. Seit mehreren Jahren fährt er für das NEA Mobil Menschen von Ort zu Ort. Dabei kommt er auch in die kleinsten Dörfer, in die oft kein Linienbus mehr fährt.

Das NEA Mobil ist ein Rufbus-System. Fahrten können also telefonisch oder per App gebucht werden. Anders als ein normaler Bus fährt das NEA Mobil nur dann, wenn es tatsächlich gebraucht wird. Mittlerweile ist das Angebot im gesamten Landkreis nutzbar.

Auch Rollstuhlnutzer und Babys werden sicher transportiert

Wer das Angebot nutzt? „Eigentlich jeder“, erzählt mir Enzo. Senioren gehören ebenso dazu wie Familien, Jugendliche oder Menschen mit Behinderung. Auch Rollstuhlfahrer können befördert werden. Die Fahrzeuge sind entsprechend ausgestattet. Außerdem gibt es Möglichkeiten, auch kleine Kinder sicher mitzunehmen.

Viele seiner Fahrgäste sieht Enzo regelmäßig. „Mittlerweile kenne ich die Stammkundschaft“, erzählt er. Manche Menschen nutzen das Angebot mehrmals pro Woche. Gerade in kleineren Orten ist das NEA Mobil für viele längst Teil des Alltags geworden.

Dass Enzo von diesem Modell selbst sehr überzeugt ist, merkt man schnell. Er fährt nicht nur für das NEA Mobil, sondern nutzt es auch privat. Wenn sein eigenes Auto in die Werkstatt muss, oder er selbst eine Fahrt benötigt, steigt er bei den Kollegen als Fahrgast ein. Nach eigener Aussage hat er das Angebot in den vergangenen Jahren bereits mehr als 20 Mal genutzt.

Deutlich billiger als Taxis und sehr flexibel

Vor allem den Preis lobt er immer wieder. Im Vergleich zu einem Taxi sei das NEA Mobil eben deutlich günstiger. Gerade längere Fahrten wären sonst oft mit deutlich höheren Kosten verbunden. Und auch das Angebot an sich habe sich weiterentwickelt. Heute können Fahrgäste Ziele im gesamten Landkreis erreichen. Für viele Menschen bedeutet das deutlich mehr Flexibilität im Alltag.

Enzo ist überzeugt, dass solche Angebote in Zukunft noch wichtiger werden. Nach seiner Beobachtung nutzen im Moment immer mehr Menschen das Angebot. Was ihm an seiner Arbeit am besten gefällt? Die Antwort kommt ohne langes Überlegen: „Der Umgang mit den Leuten.“

Doch wie sieht Mobilität auf dem Land außerhalb des NEA Mobils aus? Nun – für Neuhof und Trautskirchen existiert ein Bürgerbus mit einem großen Pool an ehrenamtlichen Fahrern, und etwas Ähnliches, wenngleich eine Nummer kleiner, ist in Emskirchen und Wilhelmsdorf vorhanden. Die dortigen Fahrzeuge dienen allerdings in erster Linie dazu, Senioren aus den Orten der Umgebung in den Aurach-Treff zu fahren, und sind nur an einem oder zwei Tagen in der Woche buchbar.

Mitfahrerbänkla stoßen schnell an ihre Grenzen

Ein ganz anderes Modell existiert im unterfränkischen Nachbarlandkreis und dazu habe ich mich auf den Weg nach Gnodstadt gemacht. Dort steht eine jener Mitfahrbänke, die vor rund sechs Jahren im Raum Marktbreit eingerichtet wurden. Die Idee dahinter ist einfach: Wer mitgenommen werden will, setzt sich auf die Bank und signalisiert vorbeifahrenden Autofahrern damit, dass er eine Mitfahrgelegenheit sucht.

Um herauszufinden, wie das in der Praxis funktioniert, habe ich mich selbst auf die Mitfahrbank gesetzt und 45 Minuten lang gewartet. Rund 35 Autos fuhren vorbei. Angehalten hat niemand.

Aus dem Rathaus in Marktbreit kommt daher auch eine eher zurückhaltende Einschätzung. Dort vermutet man mehrere Gründe dafür, dass diese Einrichtung bislang nur wenig genutzt wird. Zum einen seien vielen Menschen die Mitfahrbänke und ihre Funktionsweise gar nicht bekannt. Zum anderen spiele möglicherweise eine Hemmschwelle eine Rolle: Viele Menschen lernen schon früh, nicht zu Fremden ins Auto zu steigen und umgekehrt keine unbekannten Personen mitzunehmen. Genau darauf ist das Konzept der Mitfahrbank jedoch angewiesen.

Die Idee entstand in Berlin

Die Idee für seine Recherche und den daraus resultierenden Artikel hatte Lorenz Schmidt beim 205. Jugendpressekongress der young leaders GmbH in Berlin zum Thema „Nachhaltigkeit und Mobilität“, der vom Bundesministerium für Verkehr unterstützt wurde. Dort kamen ehrenamtlich engagierte Jugendliche aus ganz Deutschland mit Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zusammen, um sich in Vorträgen, Diskussionen und Workshops intensiv mit aktuellen Fragen rund um nachhaltige Mobilität auseinanderzusetzen.
Lorenz Schmidt ist 17 Jahre alt, wohnt im Uffenheimer Teilort Wallmersbach und besucht die elfte Klasse des Christian-von-Bomhard-Gymnasiums in Uffenheim. Den Beruf des Journalisten hatte er bislang eigentlich noch nicht auf dem Schirm seiner Zukunftsplanung, aber nach diesem ersten Hineinschnuppern in die Materie will er diesen Lebensweg zumindest nicht mehr gänzlich ausschließen.


    Von Lorenz Schmidt
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