Der Wolfsburger Doppeltorschütze Fabian Reese zeigt sich nach den lautstarken Pfiffen gegen ihn angefasst. „Ich nehme diese Pfiffe mit, ich nehme die auch nach Hause mit. Ich kann sie nicht so gut abschütteln, vielleicht bin ich da auch zu sensibel für“, sagte der 28 Jahre alte Reese nach dem 5:2-Sieg in der 2. Fußball-Bundesliga beim Karlsruher SC. „Ich glaube, jeder müsste sich vorstellen, vor 30.000, 40.000 (Zuschauern) mit Mitte 20 ausgepfiffen zu werden. Das verletzt mich.“
Die KSC-Fans, die eine Fanfreundschaft zu Reeses Ex-Club Hertha BSC pflegen, hatten ihn bei nahezu jedem Ballkontakt ausgepfiffen. „Wenn das das Ventil ist für die Leute, damit sie besser aus dem Stadion gehen, da wiederhole ich mich, dann ist das meine Aufgabe. Aber heutzutage ist es halt schwarz oder weiß, Held oder Hassfigur“, meinte Reese, der neben zwei Toren auch die Vorlage zum 1:1 beisteuerte.
„Irgendwann sollte man in die Zukunft schauen, Vergangenheit vergangen sein lassen“, forderte Reese, der 2017 auch für die Karlsruher spielte. „Da hoffe ich drauf. Aber wenn das jetzt so weitergeht, dann muss ich mich damit arrangieren.“ Während des KSC-Spiels hätten ihn die Unmutsbekundungen irgendwann angespornt, „weil dann geht es an die Ehre“.
Im Sommer war Reese für kolportierte acht Millionen Euro von Berlin nach Wolfsburg gewechselt. Unter den Hertha-Fans hatte das für viel Unmut gesorgt, weil der einstige Publikumsliebling erst im vergangenen Jahr einen Vertrag bis 2030 beim Hauptstadt-Club unterschrieben hatte. Bereits im Pokalspiel am Montag beim Berliner Regionalligisten VSG Altglienicke hatte es gegen Reese Pfiffe gegeben.
Bei Hertha sei die Marschroute damals eine andere gewesen, sagte Reese, der das Thema abhaken will. „Ich habe da aber jetzt oft und lange genug drüber geredet. Jede Woche kommen diese Fragen jetzt“, sagte er zu den Reportern im Stadion. „Es sind manchmal auch schwere Stunden, so was zu lesen, zu hören, zu empfinden als junger Mensch. Nimmt mich schon sehr mit.“
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