Nein, der Kraftsport füllt keine ganzen Stadien. Florian Fink und seine Stemmfreunde wollen das ändern – und die Sportart populärer machen. Ein neuer Verein war der erste Schritt in diese Richtung. Am 19. Juli veranstalten die Muskelprotze von 12 bis 19 Uhr einen Kreuzhebewettkampf, das „Deadlift Deathmatch“ in der Dachsbacher Aischgrundhalle.
Wer Florian Fink begegnet, der sieht dem Kraftsport-Enthusiasten die vielen Trainingseinheiten an. Dicke Muskelpakete zieren Arme, Beine und Brust. Die sind aber auch nötig. Nicht umsonst hat der Weisendorfer, der in Gerhardshofen das Studio „Finks High-Voltage-Gym“ betreibt, zuletzt den Vize-Weltmeistertitel in seiner Gewichtsklasse geholt – samt deutschem Rekord. 305 Kilo Stemmgewicht beträgt der. Beim Event in Dachsbach peilt ein Teilnehmer dann die 370 Kilogramm an. Dieser neue Höchstwert würde aber nicht in den Rekordbüchern landen, da kein Verband dahinter steht, sondern der neue Gerhardshöfer Verein.
Stemmfreunde nennen sie sich – eine Mischung aus ihrer sportlichen Aktivität und einem kleinen Augenzwinkern. 34 Mitglieder zählt der Verein, „die meisten stammen aus der Region, der Rest aus anderen Teilen Bayerns“. Er ist losgelöst vom Studio in Gerhardshofen, die meisten haben sich trotzdem dort kennen und schätzen gelernt.
„Hauptziel ist es, die Kraftsportler aus der Region zusammenzubringen“, erklärt Florian Fink, der auch als Trainer fungiert. Davor mussten seine Schützlinge zumeist alleine bei Wettbewerben zurechtkommen. Vielleicht war mal die Freundin dabei oder die Familie. Aber eben kein professioneller Betreuer, der beim Warmmachen assistiert oder beraten kann. „Wir wollen uns einfach gegenseitig unterstützen“ und den Sport aus der kleinen Nische holen.
Denn für Fink und seine Stemmbrüder und Stemmschwestern bedeutet die Kraftathletik viel. „Da ist für jeden etwas dabei“, sagt Fink, „unabhängig vom Alter, der Größe und dem Gewicht.“ Bei den Wettbewerben hat er schon zierliche 45-Kilo-Mädchen und riesige Bären gesehen, „die alle diesen Sport gemacht haben – das fand ich total beeindruckend“.
Um das auch den Landkreisbürgern ein Stück näherzubringen, laden die Stemmfreunde Gerhardshofen für Samstag, 19. Juli, in die Dachsbacher Aischgrundhalle ein. Zuschauer zahlen keinen Eintritt – und Florian Fink verspricht nichts weniger als die Crème de la Crème des Kraftsports der Region. Weltmeister werden zu sehen sein, Vizeweltmeister, Deutsche Meister. Und neben ihm als deutschem Rekordhalter auch Victoria Löhnert, die mit 165 Kilogramm einen deutschen Frauenrekord hält.
Insgesamt werden 60 Personen am Kreuzhebewettkampf „Deadlift Deathmatch“ teilnehmen. Die Stange mit den Gewichten muss in dieser Disziplin angehoben und der Athlet oder die Athletin müssen gerade stehen – die Knie durchgedrückt, die Brust aufrecht. Dann gilt der Stemmversuch als gültig. Ein Kampfrichter wird auf saubere Standards achten, sagt Florian Fink.
Elf Frauen werden gegeneinander antreten – „das ist für den Kraftsport schon eine große Gruppe“. Bei den Männern wird in drei Kategorien unterschieden: Einsteiger, Fortgeschrittene und Profis. Auch Neulinge sollen schließlich die Chance haben, sich mit möglichst vielen Gleichgesinnten zu duellieren und gute Platzierungen zu erstemmen. „Wir wollten für jeden ein Feld schaffen, in dem er sich auf seinem Level messen kann.“ Die Leistungsdichte sei hoch. Die Teilnehmer reisen aus der gesamten Bundesrepublik an – beispielsweise aus Halle, Altötting oder dem Ruhrgebiet. Und: „Die 370 Kilo sollten fallen“, hofft Fink.
Der 29-Jährige wünscht sich eine volle Dachsbacher Aischgrundhalle. Bei so mancher WM schauten gerade einmal 30 Gäste vor Ort in der Halle zu. Das haben die Gerhardshöfer Stemmfreunde bislang bei weitem übertroffen. Bei den ersten Ausgaben im Ortsteil Forst feuerten im Schnitt 150 Menschen die Sportler an.
Doch der dortige Austragungsort wurde zu klein – und auf Nachfrage hat die Gemeinde gleich die Halle angeboten, zeigt sich Fink dankbar. Der Veranstalter hofft jedenfalls auf eine stimmungsvolle Kulisse. Der Kraftsporttag sei auf alle Fälle für alle ein Erlebnis, kündigt Florian Fink an – auch für jene, die nicht unbedingt in der „Kraftsport-Bubble“ sind. Und wer weiß: Vielleicht lassen sich manche Zuschauer so begeistern, dass sie gleich einsteigen, in den Kraftsport. Zwar steht die Gaudi beim „Deadlift Deathmatch“ ganz klar im Vordergrund, wie Fink betont. Aber trotzdem werden alle volle Leistung zeigen, davon ist er überzeugt. Ein Preisgeld soll dazu ebenfalls anstacheln. „Jeder Sieger bekommt die Kilo, die er gehoben hat, in Euro. Das dürfte ebenfalls einmalig sein.“ Denn zumeist erhalte man einen Blechpokal und Eiweißpulver. Die Meldefrist ist zwar bereits verstrichen, aber es gibt eine Warteliste.
Nach dem Dachsbacher Wettbewerb steht für die Stemmfreunde Gerhardshofen eine kleinere Wettkampf-Pause an. Bei der WM 2025 in der Slowakei wollen sie passen und sich stattdessen auf die Heim-WM 2026 in Deutschland vorbereiten. „Wir nehmen uns ein halbes Jahr, um an unseren Schwachstellen zu arbeiten“, sagt Fink. Mit frischer Kraft wollen sie dann in Barleben angreifen. Und wer weiß: Vielleicht finden sich dann auch wieder neue Weltmeister unter den Gerhardshöfer Stemmfreunden. Zwei amtierende Weltmeister und zwei Vize-Weltmeister sind ja jetzt schon in den Reihen.