Mit Bedacht hat Landrat Dr. Jürgen Ludwig (CSU) den Ort für das Interview ausgewählt: In der neuen Integrierten Leitstelle für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ILS) begründet er seine erneute Kandidatur.
Die hochmoderne ILS gehört zweifellos zu den großen Erfolgen der zu Ende gehenden Wahlperiode. Beim Rettungsdienst gibt es darüber hinaus weitere Verbesserungen, von neuen Standorten über längere Einsatzzeiten bis hin zur Ersthelfer-App, die gerade eingeführt wurde. In den nächsten Jahren soll es gelingen, dass der Rettungshubschrauber auch bei Dunkelheit fliegen darf. Auch der Probebetrieb des elektronischen Volocopters als Notarzt-Zubringer soll nun endlich beginnen.
Und dennoch ist es gerade die Gesundheitspolitik, die den Wahlkampf für den Amtsinhaber holprig macht. Unermüdlich erklärt der 55-jährige Ludwig, wie schwierig die ausreichende Mehrheitsfindung im Verwaltungsrat von ANregiomed ist, in dem auch Vertreter der Stadt Ansbach sitzen. Eigentlich ist nach mühseliger Arbeit nun unter komplizierten Rahmenbedingungen ein Kompromiss gefunden, der die Zukunft der Krankenhäuser in Stadt und Landkreis Ansbach sichern soll.
Aber die Zweifel wachsen bei vielen Beobachtern, ob der Klinikvorstand diesen Strategiebeschluss tatsächlich mit dem nötigen Elan umsetzt. Schlechte Nachrichten zur Kardiologie in Rothenburg unterstrichen diese Wahrnehmung jüngst. Das Krankenhausthema überstrahlt alles, da mögen die Kreisstraßen noch so gut in Schuss sein und erhebliche Investitionen in die Schulen, in Digitalisierung und erneuerbare Energien fließen. Trotz der eher widrigen Umstände bleibt der gebürtige Dinkelsbühler Ludwig sich treu, setzt auf Fakten und eine ruhige Tonlage, auch wenn es emotional wird.
Dabei kommt dem CSU-Mann die Erfahrung zugute, die er in 14 Jahren im Amt gesammelt hat. Die Flüchtlingswellen, die Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg: All dies hatte starke Auswirkungen auch auf den Landkreis Ansbach. Gerade in der Krise müsse der Staat funktionieren, ist Ludwigs Überzeugung. „Insgesamt haben wir das gut hinbekommen”, lautet seine Bilanz.
Ohne Zusammenhalt und ehrenamtliches Engagement geht das allerdings nicht. Deswegen spielen diese beiden Elemente eine zentrale Rolle im Verständnis des Landrats von Kommunalpolitik. Seine Wurzeln hat das in seinem frühen Engagement bei der Gartenschau in seiner Heimatstadt 1988 und als Stadtführer. Das dabei entstandene Netzwerk führte ihn vor 33 Jahren in die Junge Union und die CSU.
Lehrreich war auch die Bundeswehrzeit: „Reingegangen bin ich im Kalten Krieg und herausgekommen mit der deutschen Einheit.” Deswegen sei auch die aktuelle Debatte gerechtfertigt, ein allgemeines Pflichtjahr einzuführen.
In Würzburg, Glasgow und Bayreuth studierte er bis zum Abschluss als Diplom-Geograf und bekam die Themenvielfalt von Regionalentwicklung, Wirtschaftsförderung, Tourismus und Verkehrswesen mit. In Bayreuth war er anschließend fünf Jahre an der Universität beschäftigt: „Da habe ich in einer bayerischen Behörde das Verwaltungs-Handwerkszeug gut gelernt.”
Dann folgten sechs Jahre beim Verband der Region Stuttgart. In dieser Zeit kauften seine Frau und er ein Haus in Dinkelsbühl und sanierten es. Um dort auch wohnen zu können, wechselte Ludwig 2008 zur Stadt Crailsheim als Wirtschaftsförderer. 2012 wurde er zum Nachfolger von Rudolf Schwemmbauer als Landrat gewählt und 2020 im Amt bestätigt. So bringe er nun 15 Jahre Berufserfahrung in anderen Bereichen und 14 Jahre Erfahrung als Landrat mit, betont er. Soweit es seine Zeit erlaubt, kümmert es sich außerdem um sein „Steckenpferd”, die Heimatgeschichte.
In den vergangenen sechs Jahren hat sich der Landkreis Ansbach nach Ansicht von Ludwig gut entwickelt. Beim Lebensgefühl und der regionalen Identität sei man weitergekommen. Es sei gleichzeitig viel investiert und Schulden seien abgebaut worden.
In den nächsten Jahren wird die Finanzierung der vielen Aufgaben des Landkreises eine wichtige Rolle spielen. Dr. Jürgen Ludwig wäre es am liebsten, es gäbe keine staatlichen Förderprogramme mehr und die Kommunen hätten stattdessen eine solide finanzielle Grundausstattung. Es seien immer neue Aufgaben dazugekommen – ohne eine ausreichende Finanzierung und genug Personal. Die „Überregulierung” zurückzudrängen, ist ein politisches Ziel des Landrats.
Eine weitere Aufgabe ist neben der Fortsetzung der Energiewende und der Wirtschaftsförderung der Abbau des Defizits im öffentlichen Nahverkehr. Bund und Land hätten die Verkehrswende ausgerufen. Auch bei Umfragen werde der Ausbau der Busverbindungen stets gefordert. Allerdings entwickle sich die tatsächliche Nachfrage nicht im gleichen Maß. Fast 95 Prozent der Fahrten fänden weiterhin mit „motorisiertem Individualverkehr” statt, also vor allem mit dem Auto. Wichtiger als billige Tickets seien im ländlichen Raum gute und schnelle Verbindungen.
Deswegen beabsichtigt er, sich dafür einzusetzen, dass die bestehenden Zugverkehre gesichert und die Bahnlinie Dombühl-Wilburgstetten und weiter bis nach Nördlingen reaktiviert wird. Künftig werde man sich auf Hauptachsen und flexible Angebote wie Bürgerbusse konzentrieren.
An einem Herzensanliegen möchte Ludwig mit Zuversicht weiterarbeiten: „Ich bin weiterhin überzeugt, dass wir ein stationäres Hospiz in diesem Landkreis brauchen.”