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Veröffentlicht am 24.12.2023 08:00, aktualisiert am 24.12.2023 10:14

Der Bad Windsheimer Vogelpfarrer prägt die Forschung bis heute

Fast mit einer menschlichen Geste wurde diese Knäk-Ente abgelichtet. Andreas Jäckel liebte die Enten, deren zahlreiche Spezies er beschrieben hat. (Foto: LBV-Bildarchiv/Rosl Rössner)
Fast mit einer menschlichen Geste wurde diese Knäk-Ente abgelichtet. Andreas Jäckel liebte die Enten, deren zahlreiche Spezies er beschrieben hat. (Foto: LBV-Bildarchiv/Rosl Rössner)
Fast mit einer menschlichen Geste wurde diese Knäk-Ente abgelichtet. Andreas Jäckel liebte die Enten, deren zahlreiche Spezies er beschrieben hat. (Foto: LBV-Bildarchiv/Rosl Rössner)

Europäische Wissenschaftler, die vor Jahrhunderten in ferne Länder reisten, üben bis heute eine große Faszination aus. Ihr Wissen hielten sie in Büchern fest, die einst reißenden Absatz fanden. Auch der Aischgrund hat einige Naturforscher zu bieten. Einer davon ist Andreas Jäckel.

Als der „Vogelpfarrer“ ist er in die Geschichte der Ornithologie eingegangen. Geboren wurde er 1822 in Nürnberg und verstarb 1885 in Bad Windsheim. Sein Verdienst: Er hat 312 Vogelarten in Bayern beschrieben – vom Aasgeier bis zur Schwarzen Seeschwalbe.

Jäckels Beobachtungen sind heute noch für den Landesbund für Vogelschutz wichtig. Nach einer offiziellen Anfrage unserer Zeitung schätzte der Landesfachbeauftragte Naturschutz, Dr. Andreas von Lindeiner, den Vogelpfarrer wie folgt ein: „Andreas Jäckel wurde mit zwei wichtigen Veröffentlichungen über die Vögel in Mittelfranken und in Bayern, zum Beispiel im Brutvogelatlas Bayern in der Literatur aufgeführt. Solche alten Hinweise auf Artvorkommen sind durchaus wichtige Quellen, um ehemalige Verbreitungsgebiete abschätzen und gegebenenfalls negative Entwicklungen berücksichtigen zu können, wenn man Schutzmaßnahmen plant.“

An der Aisch-Mündung bester Beobachtungsort

Vögel liebte Jäckel schon von Kindesbeinen an. In seiner Geburtsstadt Nürnberg beobachtete er den Taubenschlag, den Starenkobel, Schwalben und Mauersegler. 1853 ist das entscheidende Jahr seiner Karriere als leidenschaftlicher Ornithologe: Der Pfarrer wird nach Neuhaus bei Adelsdorf versetzt – nahe der Aisch-Mündung in die Regnitz.

Dort ergeht er sich in einer Menge von Beobachtungen, insbesondere der Wasservögel. Die Gegend beschreibt er wie folgt: „Hier drängt sich Weiher an Weiher zu einer großen, in der Vogelperspektive wandernden Gänse- und Entenschaaren gesehen, fast ununterbrochenen Wassermasse zusammen und es ist sehr begreiflich, dass ein über zwei gute Wegestunden in die Länge sich erstreckender, selbst in dunkler Nacht blinkender Wasserspiegel auf das zu Tausenden seine luftige Strasse hoch dahinziehende Sumpf- und Wassergeflügel eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausüben, die seltensten Gäste aus dem tiefen Süden oder dem hohen Norden zu kürzerer oder längerer Einkehr einladen, ja sogar zum Bleichen und Hecken verführt werden.“

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Jäckel erging sich in fundierten Beschreibungen der Arten. Enten, Storch und Kormoran seien stellvertretend aufgeführt. Von Ersteren sichtete er manchmal Scharen: Pfeifente, Knäkente, Schnatterente, Spießente, Stockente, Kriekente, Löffelente, Moorente, Reiherente, Sammetente, Schellente und Tafelente.

Frühere Publikationen werden mit einbezogen

Bevor Jäckel etwas für die Öffentlichkeit preisgab, las er frühere Fachaufsätze und baute darauf auf. Er muss von einer Wissbegier besessen gewesen sein, die man heute kaum noch kennt. Durch seine eigenen Erfahrungen, Kenntnis der wissenschaftlichen Literatur und brieflichen Verkehr in alle Teile Bayerns mit Ornithologen war Jäckel, stets bei den Vogelarten im Bilde und auf neuestem Stand zu seiner Zeit.

Beim Weißstorch konnte er aus Publikationen aus 25 Jahren zurückgreifen. Störche brüteten damals nördlich des Landkreises Neustadt/Aisch-Bad Windsheim vielerorts zwischen Forchheim und Lonnerstadt. Eine Szene aus dem Jahr 1859 erinnert an heutiges Geschehen: Auf dem Schlossdach in Neuhaus versammelten sich Anfang August 20 bis 30 Störche und streiten um das einzige Nest.

Ein Zitat aus dem Hauptwerk über einen nicht immer geliebten Vogel muss sein: „Der Kormoran zieht bei uns im Herbst, Winter und Frühjahr einzeln oder in kleinen Gesellschaften von 3 bis 10 Stücken durch und wurde in allen Teilen des Landes, auf Flüssen, Seen und Teichen als ein seltener Vogel wahrgenommen und erlegt.“ Noch bis in die 1970er Jahre hinein wurden Raubvögel übrigens häufig geschossen. Der Naturschutzgedanke herrschte im 19. Jahrhundert noch nicht vor.

Jäckel litt wohl an Malaria

In Neuhaus wurde die Grundlage für Jäckels Forschungen gelegt – leider auch für seine spätere Krankheit. Man musste früher nicht wie die Entdecker Peter Kolb, Georg-Wilhelm Steller und Johann Baptist Spix ans andere Ende der Welt reisen, um sich schwächendes und todbringendes Fieber einzufangen – es genügten die Sümpfe des Aischgrundes. Mutmaßlich war es Malaria, ist über Jäckel zu lesen.

16 Monate war der Pfarrer außer Gefecht gesetzt und ans Krankenlager gefesselt – bevor er nach über sieben Jahren in Neuhaus im Jahr 1861 nach Sommersdorf-Thann befördert wurde, dann 1869 nach Windsheim. Seine Frau stirbt 1883, er folgt 1885.

Wie berichtet wird, war Jäckel in seinen letzten Lebensjahren verbittert, weil es nicht gelungen war, sein offenbar schon 1882 fertiges Buch zu veröffentlichen. Es fand sich kein Verleger. Ab dem Jahr 1848 wurden viele Fachartikel von ihm publiziert, vor allem über die Sumpf- und Wasservögel des Aischgrundes und Eulen sowie über heimische Fische und – damals mit bahnbrechenden Erkenntnissen – Fledermäuse. Diese Schriften brachten Jäckel schon zu Lebzeiten und über den Aischgrund hinaus einigen Ruhm ein, was sich in zahlreichen Mitgliedschaften und Ehrenmitgliedschaften ausdrückte.

Mitglied in kaiserlicher Gesellschaft in Berlin

Dazu zählen die Kaiserliche Naturforschende Gesellschaft Berlin und die Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg. Sein Hauptwerk erschien 1891 posthum. Dessen Herausgeber, Prof. Dr. Rudolf Blasius charakterisiert die Arbeitsweise von Jäckel: Er wollte Fakten ermitteln, Irrtümer ausschließen und rein an der Wissenschaft orientierte Nachweise erbringen. Auch mit Volksmedizin, Sitten und Aberglauben der Franken hat sich Jäckel befasst.

Der LBV-Ehrenvorsitzende im Landkreis, Herbert Klein, hat Jäckels Hauptwerk „Systematischer Übersicht der Vögel Bayerns“ ebenfalls bei sich zu Hause in Uffenheim, das auch ihm als Standardwerk für Vogelkundler dient. Klein hatte es einst von Studienprofessor Heinrich Schultheiß erhalten, der in Neustadt lebte und ihm wohl sein größtes Vorbild in Sachen Vogelschutz war.

Jäckels Leben als Chronik

6. Januar 1822: Andreas Johannes Jäckel wird in Nürnberg geboren. Sein Vater war „Kirchner“ in St. Egidien. Nach dem Abitur studierte er Theologie in Erlangen. Er gehörte dem Studentenkorps Onoldia an.

Ab 1845: Admissionsexamen in Ansbach. Erste Anstellung als Vikar in Klostersulz, dann als Pfarrverweser in Oberampfach, Wendelstein.

Ab 1848: Veröffentlichung von Fachartikeln.

1850: In Wendelstein Vermählung mit der Nürnbergerin Eleonora Sommer. Aus der Ehe gehen sieben Kinder hervor.

1853: Jäckel kommt nach Neuhaus. Teiche und Weiher bieten ein fantastisches Umfeld für Vogelbeobachtungen.

Ende 1859: Erkrankung an Fieber in den Aisch-Sümpfen, mutmaßlich Malaria.

1861: Wechsel nach Sommersdorf-Thann, Teil der Gemeinde Burgoberbach im Landkreis Ansbach in der Hoffnung auf Genesung. Der kräftig gebaute Mann bleibt aber schwach.

1869: Er tritt in Windsheim seine dritte und letzte Pfarrstelle an. Damals war es noch kein „Bad“.

1871/72: Gichtleiden, Erholung davon und Reisen nach Augsburg, Kempten, Lindau, Konstanz, Schaffhausen, Basel, Baden-Baden Straßburg und Stuttgart.

1877: Teilnahme an einer Naturforscherversammlung in München.

1883: Jäckels Gattin stirbt. Ein schwerer Schlag. Sie war bereits zuvor drei Jahre gelähmt.

1885: Kurzer Aufenthalt in Burgbernheim, der ihm aber nicht zur Genesung verhilft.

12. Juli 1885: Jäckel stirbt in Bad Windsheim an einer Lungenlähmung. Die „Jäckelgasse“ ist nach ihm benannt.

1891: Das Hauptwerk erscheint: „Systematische Übersicht der Vögel Bayerns mit Rücksicht auf das örtliche und quantitative Vorkommen der Vögel, ihre Lebensweise, ihren Zug und ihre Abänderungen“, herausgegeben von Prof. Dr. Rudolf Blasius, Kommissionsverlag von R. Oldenbourg, München und Leipzig 1891.

2003: Nachdruck des Hauptwerkes, das heute noch zu den Standardwerken der Vogelbeobachtung und des Naturschutzes in Nordbayern zählt.

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