Nach acht Jahren in der Bayern- und der Regionalliga sind die Volleyballer des TV Bad Windsheim vor wenigen Wochen in die Landesliga abgestiegen. Eine nicht wirklich überraschende Entwicklung. Zwar sei es „schade“, aber überdramatisch will es Marcel Geißbarth deshalb nicht sehen.
Der 31-Jährige prägte diese erfolgreichste Ära der „Hyänen“ entscheidend mit. Er debütierte einst als 13-Jähriger in der ersten Mannschaft und war als längst etablierter, hochtalentierter Jungspund dabei, als die Truppe 2013 von der Bezirksliga erstmals in die Landesliga aufstieg.
Es ging zwar für ein Jahr zurück in die Bezirksliga, doch dann begann ein Höhenflug: ab der Saison 2017/18 drei Jahre Bayernliga und dann drei Jahre Regionalliga (wobei die Saison 2020/21 wegen Corona praktisch ausfiel). 22/23 stieg der TVW als Letzter aus der Regionalliga Süd-Ost ab, wurde dann 23/24 noch Vierter in der Bayernliga Nord, um jetzt als Neunter erneut abzusteigen.
„Ich bin enttäuscht, aber ich habe vor Jahren schon gesagt, es kommt auch mal ein Tief“, so Geißbarth, der das Zeug gehabt hätte, in höheren Ligen zu spielen, seinem Heimatverein aber immer die Treue hielt.
Die Treue geht so weit, dass der Kapitän vergangenen Sommer mit Cedric Hermann auch den Trainerposten übernahm, weil sich schlicht niemand anderes finden ließ. Die Doppelrolle liegt ihm nicht so sehr, sagt Geißbarth: „Ich will eigentlich spielen. Die Trainerrolle hat einfach auch Einfluss auf mein Spiel. Ich muss ganz anders kommunzieren, auf andere Dinge achten. Da kann ich mich manchmal gar nicht gut aufs Spielen konzentrieren.“
Vielleicht fehlten deshalb im Verlauf der Saison hier und da ein paar Punkte des verlässlichen Außenangreifers und Antreibers. So musste der Spielertrainer wider Willen gleich einen durchaus bitteren Abstieg hinnehmen.
Bitter, weil es in der ersten Saisonhälfte noch nicht danach aussah. Bis Mitte Dezember wies der TVW eine Bilanz von vier Siegen bei fünf Niederlagen auf. In den restlichen neun Spielen gelang nur noch ein Sieg. Geißbarth schiebt das auf den sehr kleinen Kader und die fehlende Erfahrung der vielen jungen Spieler.
Die Talentschmiede der Volleyball-Abteilung ist das große Plus in Bad Windsheim. „Da kommt immer was nach“, weiß Geißbarth. Die U20 wurde 2023 Bayerischer Meister, dieses Jahr bei der BM Vierter. Doch die Männer-Bayernliga ist eine andere Hausnummer. „Wir konnten zwar auch gegen die Topteams immer mithalten. Aber bei den entscheidenden Punkten fehlt den Jungen einfach die Erfahrung. Das hast du immer wieder gesehen“, so Geißbarth.
Auf die gute Nachwuchsarbeit kann der Verein stolz sein. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass in den vergangenen Jahren den Sechzigern immer wieder starke Spieler förmlich zugelaufen sind und großen Anteil am Höhenflug hatten: Johannes Marr, Peter Hofmann, Robert Auerochs, Benjamin Wolff, es gibt weitere. Auswärtige, die hohes Niveau mitbrachten.
„Da war viel Glück dabei. Seit Corona haben wir das nicht mehr. Wir müssen auf den nächsten Lehrer hoffen“, sagt Geißbarth und lacht. Es kam öfter vor, dass kurz vor Saisonbeginn Anfang September plötzlich ein Referendar in der Halle stand, der zu einer Schule in der Region versetzt wurde. Bad Windsheim war für sie weit und breit die einzige Anlaufstelle für hohes Volleyball-Niveau.
Das ist jetzt erst einmal vorbei. Das Team wird sich neu aufstellen müssen. Ein paar Talente gehen, sie wollen sich in höheren Ligen probieren. Dafür rücken andere nach. Außerdem wird weiterhin verzweifelt ein neuer Trainer gesucht.
Die neue Saison werde auf jeden Fall nicht einfach, glaubt Geißbarth: „Es wird allein schon ungewohnt sein, wieder zwei Spiele an einem Tag zu haben. Außerdem müssen wir das andere Spiel pfeifen. Das ist für uns alle neu.“ Vielleicht werde es für die Youngster in der Landesliga auch einfacher, sich an Männer-Volleyball zu gewöhnen, meint er. Die Vorbereitung beginnt um Pfingsten herum.