DHL-Filiale in der Altstadt fehlt: Wieso Feuchtwangen mit der Post im Clinch liegt | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 03.09.2024 14:54

DHL-Filiale in der Altstadt fehlt: Wieso Feuchtwangen mit der Post im Clinch liegt

Einen DHL-Paketshop gibt es in der Tankstelle in Dorfgütingen. Deren Betreiber möchten weitere postalische Serviceleistungen anbieten. Doch das will der Konzern nicht. (Foto: Sabine Rohn)
Einen DHL-Paketshop gibt es in der Tankstelle in Dorfgütingen. Deren Betreiber möchten weitere postalische Serviceleistungen anbieten. Doch das will der Konzern nicht. (Foto: Sabine Rohn)
Einen DHL-Paketshop gibt es in der Tankstelle in Dorfgütingen. Deren Betreiber möchten weitere postalische Serviceleistungen anbieten. Doch das will der Konzern nicht. (Foto: Sabine Rohn)

Unmut herrscht in Feuchtwangen, weil es seit Jahresanfang in der Altstadt keine Poststelle mehr gibt. Vor allem Senioren beklagen weite Wege für die Erledigung ihrer postalischen Anliegen. Laut Bürgermeister Patrick Ruh wären „kurze Wege“ aber auch für den Einzelhandel sowie für die Stadtverwaltung notwendig.

Zum Hintergrund: Bis Ende 2023 gab es eine Postfiliale in einem Geschäft an der Hindenburgstraße. Doch nachdem der Betreiber den Vertrag mit der DHL gekündigt hat, existieren als deren Anlaufstellen nur noch eine Filiale im Kaufland sowie Paketstationen bei Lidl und Aldi. Ebenfalls außerhalb der Altstadt liegt ein Paketshop in Dorfgütingen.

Dass es im Zentrum der größten und einwohnerstärksten Stadt im Landkreis keine Poststelle mehr gibt, monierte eine Gruppe von Feuchtwangern, die über 80 Jahre alt sind, gegenüber der FLZ. Denn eigentlich kämen sie hier gut zurecht, aber mangels Post stießen sie an Grenzen.

„Enormer Aufwand an Kraft, Geld und Zeit“

Da seien beispielsweise Einschreibe-Briefe in Dürrwangen und Pakete in Dorfgütingen abzuholen. Um Kontoauszüge von der Postbank zu bekommen und dort Bargeld abzuheben, müssten sie jetzt nach Ansbach. Dabei hätten ältere Menschen ohne Online-Banking-Zugang bis Ende 2023 ihre Überweisungen noch in der Hindenburgstraße abgeben können. Nun aber müssten sie dies per Brief erledigen und Porto dafür bezahlen.

Alles in allem bringe der fehlende Postservice für Senioren ohne Auto „einen enormen Aufwand an Kraft, Geld und Zeit“ mit sich: So beklagen die Kritiker unter anderem teure Taxifahrten oder „Tagesreisen“ mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Mehr aus diesem Ort
Debatte um Sanierung der Roßmühle in Feuchtwangen nimmt „merkwürdige Schlagseite“Waschmaschine für Kreuzgang-Ensemble: Praktische Hilfe vom FördervereinVereine aus der Region: Mit einem Klick zur richtigen TabelleTheaterspaziergang der Kreuzgangspiele: Spannende Ecken und nahes SchauspielFeuerwehr im Einsatz bei Brand in Feuchtwangen: Müllhaufen sorgte für RauchsäuleKönigshofen und Petersaurach setzen sich in der Kreisliga-Relegation durchMitteilung statt Beschluss: Keine Abstimmung über Bauantrag für Roßmühlen-ProjektInteressengemeinschaft macht gegen große Biogas-Anlage in Feuchtwangen mobilFußball-Kreisliga 1: Arberg sichert sich dank Last-Minute-Treffer die RelegationBesuch aus Südbrasilien: Lustige Volkstanzgruppe Bergtal kommt nach FeuchtwangenStreit unter Fahrern eskaliert: Tierabwehrspray und Bedrohungen im Raum AnsbachAutobahnkreuz der A6 und der A7 bei Feuchtwangen: Fahrzeug brennt komplett ausSchillingsfürst feiert Meisterschaft in der Fußball-Kreisliga 1Ethische Wegweiser an Feuchtwanger und Dinkelsbühler SchulenAusstellung „Kunterbunter Sommer” startet in der Kleinen Galerie Feuchtwangen

Aber auch Ladenbesitzer in der Innenstadt benötigten dringend eine postalische Anlaufstelle in ihrer Nähe, betonte Bürgermeister Patrick Ruh auf Anfrage der FLZ. Selbiges gelte für die Stadtverwaltung: So lange es die Filiale an der Hindenburgstraße gegeben habe, „haben wir den Betrieb über diese Stelle abgewickelt“. Zudem sei dort die Postfach-Adresse der Stadt bedient worden.

Container der DHL im Industriegebiet keine Alternative

Mit Blick auf eine mögliche Lösung berichtete Ruh, dass es inzwischen einen für die Kommunen zuständigen Ansprechpartner bei der Post gebe. Der habe ihm zugesagt, sich bezüglich der Stadt Feuchtwangen um die Angelegenheit zu kümmern. Doch seitdem seien schon wieder einige Wochen verstrichen.

Zugleich betonte der Bürgermeister, mit einem Container der DHL im Industriegebiet als Alternative wäre er nicht einverstanden. Denn: „Ich will das in der Altstadt haben.“ Schließlich kombinierten die Kunden ihre Besuche bei der Post mit Einkäufen in den Läden: „Die Geschäftsleute spüren das.“

Bisher habe die Stadt der Post schon eine Reihe von Objekten im Zentrum für eine neue Filiale vorgeschlagen – aber „ohne Ergebnis, weil nie etwas gepasst hat“, bedauerte Rathauschef Ruh ebenso wie Vorstand Arthur Reim vom Kommunalunternehmen. Nach dessen Worten liegt die Zahl der angebotenen Immobilien – unter anderem an der Unteren Torstraße, der Spital-, der Museum- oder der Hindenburgstraße – im zweistelligen Bereich.

Erreichbarkeit für Lkw ist ein Thema in Feuchtwangen

Doch der Post seien diese Räumlichkeiten zu klein, zu groß oder zu teuer: Der Konzern wolle 20 Quadratmeter für die Geschäftsstelle sowie sechs bis zehn Quadratmeter als Nebenfläche für Pakete. Ergänzend dazu meinte Bürgermeister Ruh, auch die Erreichbarkeit per Lkw spiele eine Rolle. Und weil die Anforderungen der Post in Feuchtwangens Zentrum aktuell offenbar nicht erfüllt werden könnten, forderte der Rathauschef vom DHL-Konzern, bei Immobilien in Altstädten angesichts der Bausubstanz „gegebenenfalls etwas großzügiger zu sein“.

Allerdings haben laut Arthur Reim auch Eigentümer abgelehnt, ihre Räumlichkeiten für eine DHL-Filiale zur Verfügung zu stellen. Ein Grund dafür sei, dass die Post einen sofort kündbaren Mietvertrag wolle. Deshalb seien mögliche Vermieter nicht zu Investitionen im Sinne des Konzerns bereit.

Das Interesse an einem kurzfristigen Mietvertrag erklärte Reim damit, dass die Post zwar eine „eigenständige Niederlassung“ anstrebe. Doch diese wolle sie nur so lange selbst betreiben, bis sie Platz in einem Geschäft bekomme, dessen Angestellte postalische Aufgaben miterledigen.

Bemühungen seit Monaten erfolglos

„Auch wir bedauern es sehr, dass unsere Bemühungen, seit Monaten einen Kooperationspartner oder geeignete Gewerberäume zu finden, bisher erfolglos geblieben sind“, antwortete DHL-Sprecher Dieter Nawrath auf Anfrage. Zugleich bat er um Verständnis, keine Details dazu zu kommunizieren.

Grundsätzlich nannte er aber logistische und wirtschaftliche Gesichtspunkte als Kriterien für die Standortwahl. Die Erreichbarkeit, die Parksituation, Anfahrtsmöglichkeiten für Postfahrzeuge sowie „natürlich die Bereitschaft eines geeigneten Geschäftsbetreibers, mit uns zu kooperieren“, spielten da eine wichtige Rolle. Am Ende müsse „ein Mix aus allen relevanten Kriterien gefunden werden, um nah bei den Kundinnen und Kunden zu sein“.

Die Post strebe stets Partnerlösungen mit Einzelhändlern an, weil da in der Regel längere Öffnungszeiten möglich seien. Und auf die Frage, was der Konzern tue, um keine Kunden an seine Konkurrenz zu verlieren, erklärte der DHL-Sprecher, die Post trage Sorge dafür, dass die Bevölkerung „vor Ort Postdienstleistungen weiterhin in gewohntem Umfang in ihrer Nähe“ nutzen könne.

DHL und der Paketshop in Dorfgütingen

Einen Paketshop in Feuchtwangens Stadtgebiet gibt es in der Tankstelle in Dorfgütingen. Allerdings dürfen die eigens geschulten Mitarbeiter hier keine Sendungen ins Ausland frankieren und keine Nachnahme-Vorgänge bearbeiten, wie Beate Neuberger, die Frau des Betreibers, der FLZ erzählte.

Die Erlaubnis für weitergehende postalische Dienstleistungen hätten sie bei der DHL gleich beantragt, nachdem die Schließung der Postfiliale in der Hindenburgstraße bekannt geworden sei. Doch der Konzern lehne dies ab – mit der Begründung, sich auf eine neue Filiale in Feuchtwangens Kernstadt konzentrieren zu wollen. „Alles andere interessiert die nicht.“

Dabei wäre ein umfassender postalischer Service in Dorfgütingen nicht nur für die Feuchtwanger attraktiv, sondern auch für die Bevölkerung im nördlichen Einzugsgebiet um Dombühl und Wörnitz, sagte Beate Neuberger. Zwar gebe es auch in Schillingsfürst eine Poststelle, aber die sei oft geschlossen.

Hingegen sei die Tankstelle nicht nur werktags sondern auch an den Wochenenden geöffnet. Derweil würdigte DHL-Sprecher Dieter Nawrath auf FLZ-Anfrage das Interesse des Tankstellenbetreibers, „eine Partnerfiliale zu betreiben“. Ein erweitertes Angebot habe der Konzern aber „aus betrieblichen und wirtschaftlichen Gründen abgelehnt“.

Der DHL-Paketshop sei „hier das kundengerechte Verkaufsstellenformat“. Auf die Frage, ob sich der Betrieb der Paketstelle rechnet, sprach Beate Neuberger von einem Zusatzgeschäft. Wäre dafür eigens Personal einzustellen, dann würde sich dieser Service nicht lohnen.

north