Die Rehkitzretter in Mittelfranken im Einsatz: So viele wie möglich retten | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 10.07.2025 18:30

Die Rehkitzretter in Mittelfranken im Einsatz: So viele wie möglich retten

Hier rettet Simone Schmidt ein Rehkitz. Vorschriftsmäßig mit Handschuhen und Gras um den Tierkörper. (Foto: Simone Schmidt)
Hier rettet Simone Schmidt ein Rehkitz. Vorschriftsmäßig mit Handschuhen und Gras um den Tierkörper. (Foto: Simone Schmidt)
Hier rettet Simone Schmidt ein Rehkitz. Vorschriftsmäßig mit Handschuhen und Gras um den Tierkörper. (Foto: Simone Schmidt)

Simone Schmidt, die den Verein Rehkitzhilfe Franken vor vier Jahren gegründet hat, hat ein hehres Ziel. So viele Rehkitze wie möglich zu retten und mit ihr wollen das auch viele, viele Helfer und Vereine.

Seit mehr als 13 Jahren hat sich Simone Schmidt der Rettung der Kitze verschrieben. Als Reiterin half sie regelmäßig beim Durchkämmen der Flächen mit, doch irgendwann wurden es immer mehr Kitze und verletzte Wildtiere. Deshalb ist die Bechhoferin (Landkreis Roth/ Abenberg) in ein Haus direkt am Waldrand gezogen.

In einem gut 2000 Quadratmeter großen Gehege können die Kitze artgerecht aufwachsen und überwintern, bis sie im nächsten Frühjahr ausgewildert werden. „Durch diese Haltung gibt es später keine Probleme, dass sie sich wieder in der freien Wildbahn zurechtfinden. Ich komme generell nur vormittags und bringe spezielles Wildfutter, ansonsten sind sie ungestört.“ Die Kitze, die sie dieses Jahr betreut, haben überwiegend ihre Mutter im Straßenverkehr verloren.

Immer mehr freiwillige Helfer

Bei der Rehkitzrettung ist ein guter Kontakt zu Landwirten und Jägern wichtig. Wenn die Mahd der Wiesen ansteht, rufen sie an. Die Vereine arbeiten ehrenamtlich, wie auch die Wildtierhilfe Mittelfranken mit Sitz in Burgoberbach. Auch finden sich immer wieder ambitionierte Jäger, die keine Kosten und Mühen scheuen, und sich eine eigene Drohne anschaffen. Denn vom Hochsitz des Mähwerks hätte der Landwirt kaum eine Chance, die bewegungslosen Rehkitze zu entdecken.

Schön ist es auch, dass der Kreis an Helfern immer größer wird, bestätigt Simone Schmidt. Familie, Freunde, Bekannte, selbst Arbeitskollegen helfen regelmäßig beim Abgehen der Wiesen mit. Besonders gefreut hat das Team der Wildtierhilfe Mittelfranken e.V. sein Einsatz in Neunkirchen. Dort wurden gut 80 Hektar Fläche abgesucht und fast das halbe Dorf hat mitgeholfen.

Viele mutterlose Kitze

„Wir haben insgesamt 700 Hektar von Feuchtwangen über Burgoberbach bis nach Heilsbronn abgeflogen“, gibt Frank Webert von der Wildtierhilfe Mittelfranken e.V. Auskunft. Auch mussten Kitze nach Unfällen mit Drohnen und Hunden gesucht werden, um diese vor dem Hungertod zu retten. Dabei ist es ganz wichtig, dass nicht ein beliebiges Kitz gesichert wird, sondern das von der überfahrenen Geiß. „Unsere Hunde sind in der Rückwärtssuche ausgebildet und mit der Drohne wird der Hundeführer unterstützt. Bevor die Kitzrettung startet, werden Schulungen und Übungen für unsere Piloten und Helfer gemacht.” Allerdings verrät Frank Webert nicht, wie viele Rehkitze dieses Jahr gerettet wurden, da in der Vergangenheit immer wieder Stimmen laut wurden, daraufhin den Rehwildabschuss zu erhöhen. Das bestätigt auch Simone Schmidt und schweigt.

Die Hauptsetzzeit ist jetzt vorbei, die Kitze verlieren langsam ihre weißen Bambipunkte auf dem Rücken. Die Retter müssen nicht mehr in den frühen Morgenstunden oder am Abend raus, denn da erkennt die Drohne die Rehkitze am besten. Doch leider lauern den Kitzen noch weitere Gefahren auf, wie beispielsweise frei laufende Hunde, Raubwild und der Straßenverkehr sowie unwissende Spaziergänger.

Frei laufende Hunde

Hier sollen nicht alle Hundebesitzer über einen Kamm geschoren werden, aber leider lassen einige ihre Hunde an kritischen Stellen doch nicht an der Leine, was zu schweren Verletzungen führt. „Allerdings hatten wir dieses Jahr ein gutes Jahr und bis jetzt nur ein verletztes Kitz durch Hundebisse. Vielleicht sind die Hundehalter vernünftiger geworden“, sagt Simone Schmidt.

Was auch zum Kopfschütteln führt, berichtet Julia Hirschmann von der Wildtierhilfe Mittelfranken, die gerade das Notdiensttelefon betreut. „Ein Spaziergänger hatte ein Rehkitz mit nach Hause genommen. Als es zu uns geholt wurde, war es schon ziemlich dehydriert. Obendrein ist das Ganze auch noch Wilderei.” Leider gab es auch schon vier Hundeopfer dieses Jahr.

Spenden und Helfer gesucht

Da gerade die technische Ausrüstung, die Tierarztkosten und die Nahrungsmittel sehr teuer sind, sind die ehrenamtlichen Vereine auf Spenden angewiesen, um weiterhin aktiv zu bleiben. Wer persönlich helfen möchte, kann sich gern bei Simone Schmidt unter der Telefonnummer 0151/59490800 melden.

Auch bei anderen Wildtieren vom Igel bis zum Falken sind die Vereine gut vernetzt und können Auskunft geben. Hier sind weitere Adressen zu finden, die Tierleben aus freier Wildbahn retten können.

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