Die Stadtratswahl in Scheinfeld hat zwei Gewinner und zwei Verlierer | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 12.03.2026 09:55

Die Stadtratswahl in Scheinfeld hat zwei Gewinner und zwei Verlierer

Die CSU hinter Gittern? Das ist nur ein optischer Effekt des auf einem Bauzaun angebrachten Transparents. In Wahrheit dürfte das Wahlergebnis für die Christsozialen befreiend gewesen sein, weshalb noch in der Nacht zum Montag ein „Danke” auf die Werbeplakate geklebt wurde. (Foto: Andreas Reum)
Die CSU hinter Gittern? Das ist nur ein optischer Effekt des auf einem Bauzaun angebrachten Transparents. In Wahrheit dürfte das Wahlergebnis für die Christsozialen befreiend gewesen sein, weshalb noch in der Nacht zum Montag ein „Danke” auf die Werbeplakate geklebt wurde. (Foto: Andreas Reum)
Die CSU hinter Gittern? Das ist nur ein optischer Effekt des auf einem Bauzaun angebrachten Transparents. In Wahrheit dürfte das Wahlergebnis für die Christsozialen befreiend gewesen sein, weshalb noch in der Nacht zum Montag ein „Danke” auf die Werbeplakate geklebt wurde. (Foto: Andreas Reum)

Im Scheinfelder Stadtrat wird es im Mai einiges Stühlerücken geben. Das betrifft nicht nur den Chefsessel, den der nicht mehr angetretene Amtsinhaber Claus Seifert (SPD) für Theodor Schell (CSU) freimacht.

Die CSU ist in Scheinfeld die klare Gewinnerin des Wahlsonntags. Nicht nur, dass ihr Spitzenkandidat Schell unverhofft deutlich den Sieg bei der Bürgermeisterwahl davontrug, auch im Ratsgremium sind die Christsozialen gestärkt. Sie haben nun sieben Sitze, einen mehr als nach den Wahlen 2020. Von ihrem bisherigen Ratsteam sind aber nur zwei auch im künftigen Gremium (Andreas Knahn und Dr. Rainer Spörl), vier sind Neulinge und mit Bernhard Brändlein hat die CSU einen früheren Rat als Rückkehrer mit im Boot.

Als Gewinner können sich auch die Grünen fühlen. Sie bringen in Stefan Jordan ebenfalls einen Rückkehrer mit, der von 2014 bis 2020 (zunächst für die SPD, später als Grüner) Stadtrat war. Ob Nadine Sammetinger oder Luise Fröhlich mit ihm einziehen, wird am kommenden Dienstag, 17. März, bei einem Losentscheid im Wahlausschuss bestimmt. Zwischen den beiden Frauen kam es zum seltenen Fall der Stimmengleichheit.

Stimmen für SPD halbiert

Den beiden Wahlsiegern stehen zwei Wahlverlierer gegenüber. Die SPD halbiert ihren Anteil auf nur noch knapp über 16 Prozent und schrumpft von fünf auf drei Mandatsträger. Das lässt sich wohl auch, aber sicherlich nicht nur mit dem Wegfall Seiferts und auch des bisherigen Fraktionschefs Dominic Treuheit als Zugpferde erklären.

Die schmerzlichere Schlappe muss jedoch die ÜWG hinnehmen. Nominell verliert sie zwar nur knapp anderthalb Prozentpunkte und einen Sitz gegenüber 2020, faktisch jedoch zwei. Denn während der noch laufenden Wahlperiode wechselte Klaus Luckert zu den Überparteilichen und stockte somit deren Kontingent auf aktuell sechs Ratsmitglieder auf. Nun ist es nur noch ein Quartett mit allesamt amtierenden Räten; was auch bedeutet, dass die ÜWG die einzige Fraktion ohne eine erneuernde Personalie sein wird.

Große Ambitionen der ÜWG nicht erfüllt

Schwerer wiegt jedoch, dass die ÜWG mit großen Ambitionen in diese Wahlen gegangen war. Die Gruppierung um Obmann Dr. Gerhard Heim hatte sich sowohl Hoffnungen aufs Bürgermeisteramt als auch auf den Nimbus der stärksten Ratsfraktion gemacht. Von beidem war die Gruppierung mehr als deutlich entfernt. Dabei hatte Heim seine ÜWG-Liste als die aus seiner Sicht am besten besetzte unter den vier politischen Kräften eingeschätzt. Zudem wollte man mindestens einen der acht ÜWG-ler auf der Freie-Wähler-Kreistagsliste in den Kreistag bringen. Auch das gelang nicht.

Heim bilanzierte deshalb: „Das war keine Niederlage, das war eine Klatsche.” Insgesamt sah er „das System Seifert” als abgewählt. Denn alle, die die bisherige Politik gestützt hatten, hätten verhältnismäßig schlecht abgeschnitten. Dazu rechnete er nicht nur sich selbst und Luckert, sondern auch den dritten Bürgermeister Dr. Berthold Krabbe, der „nur” Zweiter auf der SPD-Liste wurde, sowie Spörl, der auf der CSU-Liste (gestartet auf Platz 16) „nur” als Sechster einlief.

Die zahlreichen Neulinge im Rat werden sicherlich eine gewisse Einarbeitungszeit benötigen. Dabei wird sich vor allem die Partei des neuen Bürgermeisters erst sortieren müssen, in deren Reihen die meisten der Newcomer versammelt sind. Es wäre indes weder ÜWG- noch SPD-Art, dem Stadtoberhaupt aus taktischen Gründen das Leben schwer zu machen, und die Grünen hegen ohnehin Sympathien für Schells auch umweltbewussten Politikansatz.

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