Bei der Ansbacher Stadtratswahl setzt sich ein Trend fort: Das Gremium zerfasert immer stärker. Die CSU behauptete sich gemäß dem Endstand der Auszählung am Montagvormittag mit 25,6 Prozent (zehn Sitze) noch als stärkste Gruppierung. Bei der Wahl im Jahr 2020 hatten die Christsozialen 27,8 Prozent geholt (elf Sitze).
Dem neuen Stadtrat gehören demnach zehn Gruppierungen an – mit der Linken als neuer Kraft. Den Christsozialen folgt mit 14,6 Prozent und sechs Sitzen die AfD am rechten Rand des Parteiensystems. Was die überregional antretenden Parteien angeht, kam sicherlich ihr am stärksten der Bundestrend zupass. 2020 hatte sie 6,3 Prozent und drei Sitze.
Die Ansbacher, die mit einem quirligen Wahlkampf auf sich aufmerksam gemacht hatten, errangen 12,9 Prozent und fünf Mandate. 2020 hatten sie nur 4,9 Prozent (zwei Mandate) erreicht.
Der Bundestrend läuft den Parteien der rechten und linken Mitte offensichtlich zuwider. Die Grünen, bei der Wahl 2020 noch zweitstärkste Kraft, vereinigten jetzt 10,8 Prozent und vier Mandate auf sich (2020: 13,6 und fünf). Die SPD nahm trotz eines eigenen Oberbürgermeisterkandidaten erneut ab und liegt nun bei 9,2 Prozent und vier Sitzen (2020 hatte sie 12,9 Prozent und fünf Sitze).
Die BAP fiel von 13,0 Prozent und fünf Mandaten im Jahr 2020 auf den niedrigen Wert von 7,6 Prozent und drei Mandaten. Ebenfalls mit OB-Kandidatin ausgestattet, verringerte sich der Wählerinnen- und Wähleranteil der Freien Wähler von 7,2 auf 6,5 Prozent. Wie vor sechs Jahren gewannen sie wohl drei Mandate.
Die Offene Linke Ansbach (OLA) konnte die 6,8 Prozent und drei Mandate von 2020 nicht ganz halten. Diesmal reichte es für sie für 5,9 Prozent und zwei Mandate. Für die ÖDP ging es ebenfalls abwärts: von 6,3 Prozent und drei Sitzen 2020 auf 4,5 Prozent und zwei Sitze. Neu im Stadtrat ist offenbar Die Linke, die sich aus dem Stand heraus 2,3 Prozent und ein Mandat sicherte.
Der FDP war das kommunalpolitische Wahlglück schon lange nicht mehr hold. 2020 verbuchte sie nur 1,2 Prozent für sich, was ein weiteres Mal nicht für einen Sitz reichte. Zu dieser Stadtratswahl trat sie erst gar nicht mehr an. Die Wahlbeteiligung wuchs stark: von 50,1 (2020) auf 64,2 Prozent.
Ein Ärgernis bedeutete für viele bei diesem Wahlkampf die hohe Zahl verunstalteter und zerstörter Wahlplakate verschiedener Gruppierungen. Auch die Zahl der im öffentlichen Raum verteilten Plakate, verglichen mit einer von der Stadt auferlegten Obergrenze, sorgte für Diskussionen.