Wie viel trinkt eigentlich eine Kuh? Die Frage könnte aus der Sendung mit der Maus stammen. Tatsächlich diskutiert wurde sie im Stadtrat in Bad Windsheim, mit kabarettistischen Zügen und Google als Unterstützung. Thema war der Freibetrag bei der Entwässerung für Landwirte.
Konkret ging es wieder einmal um eine „Anregung“ des bayerischen kommunalen Prüfungsverbands, der bei seiner Untersuchung für das Jahr 2021 festgestellt hatte, dass die „Bad Windsheimer Kühe wohl überdimensional viel trinken“, wie Stadtbaumeister Ludwig Knoblach in der Sitzung ausführte. Das klinge erst einmal „humoristisch, aber wir müssen uns damit beschäftigen“.
In der Beitrags- und Gebührensatzung sei festgelegt, wie viel Kubikmeter Abwasser Betriebe mit Großviehhaltung kostenlos entsorgen dürfen. Dies dürften aber nur die Landwirte, die auch das Trinkwasser für ihre Kühe aus der städtischen Trinkwasserleitung beziehen. „Die mit einem Brunnen sind raus“, erklärt Bürgermeister Jürgen Heckel auf Nachfrage unserer Redaktion.
Festgelegt sei, so Knoblach, dass die „bayerische Durchschnittskuh“ 15 Kubikmeter Wasser trinkt. Der Bad Windsheimer Stadtrat hat in seiner Satzung allerdings 18 Kubikmeter festgelegt. „Wenn wir es bei 18 Kubik lassen, kriegen wir wieder eine auf den Deckel“, sagte Heckel. „Der kommunale Prüfungsverband erachtet 18 Kubikmeter pro Großvieheinheit als überhöht und bittet um entsprechende Anpassung“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Darüber müsse man nun sprechen, so Knoblach.
Volker Goller, Liste-Land-Stadtrat und selbst Landwirt, erklärte, dass die Milchleistung der Kühe in den vergangenen Jahren deutlich nach oben gegangen und folglich auch der Wasserbedarf der Tiere gestiegen sei. Auf die erwünschten 15 Kubikmeter runterzugehen, komme nicht in Frage. Erika Löblein (WiR) hatte gar schon öfter gefordert, den Bedarf sogar über die 18 Kubik hinaus noch einmal zu erhöhen.
Dies sei laut Horst Allraun (CSU) tatsächlich gerechtfertigt. Er zückte in der Sitzung sein Handy und befragte Google zum Wasserbedarf von Kühen. „Im Winter trinkt ein Rindvieh 50 Liter, im Sommer 70“, täglich, klärte Allraun die gesamte Runde auf und rechnete vor: Nehme man den Durchschnitt, also 60 Liter, so sei man im Jahr bei 21.900 Litern Wasser pro Tier. „Das ist deutlich über 18 Kubik.“
Heckel hatte sich im Umkreis umgehört: „Nur die Scheinfelder Kuh trinkt mehr als vorgeschrieben – aber weniger als die Bad Windsheimer Kuh.“ 16 Kubikmeter Wasser dürfen laut Heckel in Scheinfeld frei entsorgt werden. Neustadt beispielsweise halte sich an die 15 Kubikmeter.
Der Kubikmeter Abwasser zur Entsorgung in Bad Windsheim kostet 3,40 Euro. Haushaltsrechtlich habe es nur wenig Auswirkungen, sagte Heckel, da die meisten Landwirte über Brunnen verfügen und ohnehin keine „Freiliter“ bekämen.
Da keiner der Bad Windsheimer Stadträte Ambitionen hegte, die Kubikmeterzahl zu kürzen, fasste Bürgermeister Heckel zusammen: „Dann sollen sie uns doch rügen, dann haben wir eben ab jetzt eine besondere Bad Windsheimer Kuh.“
Der höhere Betrag könne stehen bleiben, allerdings stünde man vor Gericht in der Beweispflicht, „dass die moderne heutige Windsheimer Kuh“ tatsächlich einen höheren Abzug rechtfertigt, so Knoblach. Die Stadträte stimmten einhellig der Beibehaltung von 18 Kubikmetern kostenfreiem Abwasser zu.