Die Spatzen hatten es schon von den Dächern gepfiffen, doch jetzt ist es offiziell: Gerd Scheuenstuhl unternimmt zwölf Jahre nach seinem ersten Versuch einen neuerlichen Anlauf, Bürgermeister in Neustadt zu werden. Diesmal allerdings für die FDP.
Im Jahr 2014 war Scheuenstuhl noch für die CSU angetreten und Klaus Meier (SPD) deutlich unterlegen, doch nach seinem Parteiwechsel vor einigen Monaten stellt er sich jetzt für den momentan aus nur wenigen Personen bestehenden FDP-Ortsverband zur Wahl. Bei seiner Nominierung in der vergangenen Woche, so Scheuenstuhl im Redaktionsgespräch, seien außer ihm noch drei weitere Wahlberechtigte anwesend gewesen.
Der ehemalige Stadt- und aktuelle Kreisrat ist damit neben Heike Gareis (SPD), Alexander Müller (CSU) und Harald Haag (FWG) bereits der vierte Bewerber um das Bürgermeisteramt der Kreisstadt. Die Linke hatte schon vor einigen Monaten den 21-jährigen Andre Hufnagel als designierten Kandidaten präsentiert, doch von einer offiziellen Nominierung ist bislang noch nichts bekannt.
Egal, ob drei, vier oder sogar mehr Mitbewerber: „Für mich ist diese Kandidatur nicht einfach ein Spaß”, so Scheuenstuhl. Es gehe nicht darum, anderen ein paar Stimmen abzugraben, sondern er wolle den Neustädtern ein Angebot machen und eine Alternative bieten. Ihm sei bewusst, dass die FDP in der Stadt über Jahre hinweg kaum eine Rolle gespielt habe, doch sei er gleichwohl der festen Überzeugung, dass in Deutschland „wieder eine echte demokratische Mitte wiederbelebt” werden müsse, um die extremen Ränder links und rechts nicht noch weiter zu stärken.
Er selbst habe seit 2014 viele Erfahrungen in der Kommunalpolitik gesammelt, habe sich zuletzt die für ein politisches Amt notwendige Zeit „freigeschaufelt” und biete seine ökonomischen Kenntnisse als erfahrener und erfolgreicher Unternehmer an. „Gerade in diesen Zeiten ist es wichtig, Geld verwalten und trotzdem noch gestalten zu können.” Darin sehe er seine Kernkompetenz. Die Neustädter Innenstadt nachhaltig zu beleben – „da geht es um mehr als um Einzelhandel” – sei für ihn im Fall seiner Wahl eine vordringliche Aufgabe, wobei ihm klar sei, dass öffentliches Geld kaum zur Verfügung steht. „Deswegen sollte man auch nach Partnern in der freien Wirtschaft schauen.”
Sollte er mit seinem Anlauf auf den Bürgermeistersessel scheitern, so würde er – falls er die notwendige Stimmenzahl als Listenkandidat erreiche – natürlich auch ein Stadtratsmandat annehmen. Davor allerdings hat der Gesetzgeber gewisse Vorarbeiten gesetzt: Als zuletzt nicht im Rat vertretene Partei muss auch die Neustädter FDP Unterstützerunterschriften vorweisen, um überhaupt zur Wahl zugelassen zu werden – insgesamt 180 Signaturen werden benötigt. „Das ist natürlich schon eine gewisse Hürde”, so Scheuenstuhl, der deshalb auch an all jene appelliert, die „mich zwar vielleicht nicht wählen, aber uns zumindest im Sinne der Demokratiebejahung unterstützen.”
Um diese Unterschrift zu leisten, müssen die Bürgerinnen und Bürger persönlich erscheinen – digital geht da nichts. Dankbar sei er, so Scheuenstuhl, dass die Neustädter Stadtverwaltung dafür sogar zwei Möglichkeiten eingerichtet hat: Zum einen das Ämtergebäude in der Würzburger Straße, bei dem man im Wahlamt in den Zimmern 01 und 06 sowie im Bürgerbüro (Zimmer 05) zu den üblichen Öffnungszeiten unterschreiben kann.
Im Zimmer 01 wurden sogar zusätzliche Zeitfenster eingerichtet: Am Samstag, 10.Januar, von 10 bis 12 Uhr, sowie am Donnerstag, 15.Januar, von 14 bis 20 Uhr. Zum anderen kann man Montag bis Donnerstag, jeweils von 8.30 bis 16 Uhr, und an Freitagen von 8.30 bis 12 Uhr seine Unterschrift für die Zulassung der Neustädter FDP auch im Büro des Stadtmarketings im Rathaus hinterlassen.