Willi Piott, Wilhelm Reu und Karl Otto Ruck gehören zu den Gründungsvätern des Dinkelsbühler Bürgerbusses. 2019 haben sie die Initiative ergriffen. 2023 haben sie sich aus diesem Ehrenamt zurückgezogen. Aber sie sorgen sich trotzdem um die Zukunft des Angebots.
Denn sie kritisieren, dass nicht alle Menschen den Bürgerbus nutzen können: Die Hebebühne, durch die auch Rollstühle in den Bus geladen werden konnten, ist derzeit ungenutzt. Deshalb fordern die Drei, dass die Vorrichtung reaktiviert wird.
Zur Vorgeschichte: Der erste Dinkelsbühler Bürgerbus war ein rotes Dieselfahrzeug, das 2019 angeschafft wurde. Nach einiger Zeit wurde das Fahrzeug mit der Hebebühne nachgerüstet. „Das hat funktioniert”, berichtet Wilhelm Reu, der frühere Vorsitzende des Seniorenbeirats, aus der Erfahrung, die er als ehrenamtlicher Fahrer des Bürgerbusses gesammelt hat. Um die Hebebühne fachgerecht zu nutzen, habe es sogar Schulungen gegeben, erinnert er sich.
Karl Otto Ruck, der bis zur Pandemie der Fahrdienstleiter der ehrenamtlichen Gruppe war, berichtet, dass die Bühne aus dem ersten Bürgerbus dann irgendwann wieder ausgebaut worden sei. Das gesamte Fahrzeug sei außerdem „umgewidmet” worden und stehe jetzt für Vereine oder Gruppen zur Verfügung. Anstelle der Hebebühne, die eingelagert ist, seien zwei weitere Sitze eingebaut worden. Außerdem habe das Fahrzeug jetzt mehr Stauraum.
Ein neuer Bürgerbus, diesmal ein weißer, der elektrisch betrieben wird, wurde angeschafft, nachdem es geheißen habe, der Dieselmotor des roten Fahrzeugs sei durch die vielen Kurzstrecken geschädigt worden, berichten Piott, Reu und Ruck. Die Vorrichtung für Rollstühle sei allerdings nicht mehr eingebaut worden, bemängeln sie.
Und: Dass die Stadt Dinkelsbühl in ihrem Informationsblatt zwar unter dem Motto „Der Bürgerbus Dinkelsbühl - Mobilität für alle vor Ort” über das Angebot informiert habe, dass es aber schlichtweg nicht richtig sei, dass alle Menschen es nutzen können, stellt Willi Piott, der auch der Dinkelsbühler Ortsverbandvorsitzende des VdK ist, fest. Denn Rollstuhlfahrerinnen und –fahrer oder Rollatoren blieben ja derzeit außen vor.
Er und seine beiden Mitstreiter haben, wie sie sagen, die Stadt dazu aufgefordert, dies zu korrigieren, „aber ein Dementi gab es nicht”, moniert Piott. Die Information sei sogar ein zweites Mal in dieser Form veröffentlicht worden.
Wilhelm Reu wird deutlich: „Auch Menschen im Rollstuhl sollen mit dem Bürgerbus wieder transportiert werden können, sie sollen wieder zu ihrem Recht kommen.” Ruck ergänzt: „Das ist uns wirklich eine Herzensangelegenheit.”
Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer sieht die Sache etwas anders: Auf Nachfrage der FLZ führte er aus, dass die Hebebühne im roten Bürgerbus fast nicht genutzt worden sei. Das habe einerseits an der Nachfrage gelegen: Er sprach von „unter einem Prozent”. Und: „Die Bedienung war auch zu kompliziert.” Als der rote dann durch den weißen Bus ersetzt worden sei, sei auf den Einbau der Hebebühne verzichtet worden.
Der Bürgerbus hat auch zu einer schriftlichen Nachfrage Bernd Großmanns, Vorstand der VR Bank im südlichen Franken, beim Oberbürgermeister geführt. Das Geldinstitut hatte seinerzeit die Anschaffung des Bürgerbusses mit einer Spende unterstützt. Er sei vom VdK-Ortsverband Dinkelsbühl, dessen Vorsitzender Willi Piott ist, angesprochen worden, dass die Nutzung für Menschen mit Rollatoren und Rollstühlen derzeit nicht oder nur eingeschränkt möglich sei, weil die Hebebühne zurzeit nicht mehr im Einsatz sei. Er würde es begrüßen, wenn diese Möglichkeit wieder geschaffen werden würde, schreibt Großmann in dem Brief, der der FLZ vorliegt.
OB Hammer, der gegenüber der FLZ diese Anfrage Großmanns ebenfalls erwähnte, meinte, dass möglicherweise die Hebebühne wieder zum Einsatz kommen könnte, wenn ein zweites Fahrzeug angeschafft wird. Er berichtete auch von der hohen Frequenz der angefragten Fahrten: Pro Schicht seien es 25.
Gesteuert wird der Bus von rund 25 Ehrenamtlichen in zwei Gruppen. Mit dem elektrischen Fahrzeug seien die zwei Schichten meist ohne Zwischenladung des Akkus nicht möglich, berichtet Karl Otto Ruck, der ebenso wie seine Mitstreiter auch die Digitalisierung des Buchungssystems anmahnt. Da gebe es kostengünstige Möglichkeiten, ist das Trio überzeugt.
Ohne die Nachbesserungen, so fürchten Willi Piott, Karl Otto Ruck und Wilhelm Reu, werde das erfolgreiche bestehende System wieder „zurückgeschraubt. Aber man muss es wollen.” Wenn nichts passiert, dann „fährt es irgendwann gegen die Wand”.