Soeben erschien der 25. und letzte Heimatbrief, den Gerhard Wagner verantwortet. Vergangenes und Aktuelles liegen dicht beieinander. Auswanderung aus Markt Erlbach nach Amerika, die Kindheitserinnerungen eines prominenten Heimatvertriebenen sowie die Geschichte eines Venezolaners, der in der Frankenstraße lebt, folgen direkt aufeinander.
Schon immer hatte im Heimatbrief auch Aktuelles seinen Platz – in Form der Chronik von Rainer Fritsch, der inzwischen den Vorsitz des Vereins innehat, oder des Geschehens im Partnerschaftsverein „Freunde Panazols”, der eine enge Beziehung zum Heimatverein pflegt.
Ein Schwerpunkt der 25. Ausgabe ist das Kriegsende in Markt Erlbach und in Linden. In Linden vermitteln die Aufzeichnungen von Guste Rottler dabei das Bild der unerschrockenen Pfarrersehefrau Hilde Wittenberg, die ein weißes Bettlaken aus dem Fenster hängte und auch medizinische Hilfe für mehrere Personen erwirkte.
Aus Markt Erlbach wird auch die frühe Nachkriegszeit beleuchtet: Bei der Kirchweih 1945, die sehr spärlich ausfiel, hatten etliche Personen die Sperrstunde missachtet. „Die amerikanischen Posten griffen sie auf und sperrten sie in der Holzlege des Finanzamtes ein. Dort mussten sie unter Bewachung eines Postens die Nacht verbringen.” Doch schon 1946 wird eine regelrechte „Tanzwut” verzeichnet.
Spannend sind die Erinnerungen des Altlandrats Adi Schilling, der mit seiner Mutter und kleinen Schwester als Heimatvertriebener nach Markt Erlbach kam und dem neben Hilfsbereitschaft auch viel Argwohn entgegenschlug. „Ums Gotts Willen, die nehm' iech net, die Zicheiner”, wehrte sich so eine Bäuerin erfolgreich dagegen, dass die Schillings bei ihr einquartiert wurden.
Prägend im vergangenen Vereinsjahr war der Besuch zahlreicher Nachkommen Markt Erlbacher Auswanderer und Auswanderinnen nach Amerika. Wagner selbst interessiert sich, ebenfalls aus familiären Gründen, stark für dieses Thema.
Besonders gewürdigt wurden auch Fundstücke im Brief: Ein Schild aus Altselingsbach mit der Aufschrift „Feuerbotendienst” erinnert an die Zeit, in der es noch kein Telefon gab, um bei einem Brand benachbarte Feuerwehren herbeizuholen. Deshalb musste der Feuerbote mit dem Fahrrad, zu Fuß oder als Reiter die Alarmierung in den nächstgelegenen Dörfern übernehmen.
Der zweite Gegenstand ist eine Flasche, die Roland Glück dem „Museum Markt Erlbach – Geschichte und Handwerk” übergab und die er zusammen mit Robert Zöllner auf dem Dachboden einer Mühle in der Nähe von Markt Erlbach gefunden hat. Es handle sich wohl um eine historische Limonaden-, Heilwasser- oder Medizinflasche (denn Limo wurde damals genau wie Cola in der Apotheke verkauft).
In die Flasche sind das Markt Erlbacher Wappen und der Schriftzug „Apotheke Markt Erlbach” geprägt, obendrein die Initialen „I. S.”. Für Zöllner war schnell klar: Das kann nur für den Ehrenbürger und Apotheker Ignaz Schneider stehen, der den Bau der Eisenbahn nach Markt Erlbach finanzierte. Schneider starb 1917, sodass die Flasche älter als 100 Jahre sein muss.
Roland Glück schenkte dem Museum noch einen zweiten Fund: ein Einlagebuch (wie ein Sparbuch) aus dem ehemaligen Bankgeschäft Martin Ickelheimer, das auf Johann Arlt aus Altselingsbach ausgestellt ist. Es weist Einträge vom Dezember 1921 bis zum Dezember 1931 auf. Die Familie Ickelheimer war die letzte jüdische Familie, die noch in Markt Erlbach lebte. Der Bankier wurde im nationalsozialistischen Propagandaorgan „Stürmer” öffentlich geschmäht. Dort wurde ihm die Schuld am Tod eines Bauern in Langenzenn in die Schuhe geschoben.
Außerdem im aktuellen Heimatbrief: ein Beitrag Zöllners über das „Kaffanet”, einen abgetrennten Raum innerhalb der guten Stube. In dem Raum konnten Hochschwangere, Wöchnerinnen oder alte und kranke Leute einerseits ein bisschen Privatsphäre haben und andererseits doch am geselligen Leben im Haus teilhaben. Vor allem: Dort war es schön warm, anders als in den Schlafstuben. Wie es mit Heimatbrief weitergeht, ist aktuell noch unklar. Ein Nachfolge-Kümmerer wird gesucht.
Den Mitgliedern wird der Heimatbrief kostenlos zugestellt. Alle anderen können ihn bei der Postagentur Meyer oder bei Jardin de Fleur (Yvonne Schaudi) erwerben.