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Veröffentlicht am 11.02.2026 14:25

Draisaitl und Co. bei „Turnier der Superlative“ gefordert

Bundestrainer Harold Kreis hat den besten Kader zusammen, den Deutschland jemals bei Olympia hatte (Foto: Peter Kneffel/dpa)
Bundestrainer Harold Kreis hat den besten Kader zusammen, den Deutschland jemals bei Olympia hatte (Foto: Peter Kneffel/dpa)
Bundestrainer Harold Kreis hat den besten Kader zusammen, den Deutschland jemals bei Olympia hatte (Foto: Peter Kneffel/dpa)

Die Aufgabe für das auf dem Papier beste deutsche Eishockeyteam, das es jemals gab, ist extrem. Bestenfalls sieben Spiele in nur elf Tagen stehen für Leon Draisaitl und Co. beim olympischen Turnier der Superlative an. Damit der große Traum der goldenen NHL-Generation nicht schon nach vier Spielen und nur sechs Tagen endet, ist der Start am Donnerstag (21.10 Uhr/ZDF und Eurosport) gegen Dänemark enorm wichtig.

„Es ist ganz wichtig, dass man sich sehr schnell findet. Wenn man sich direkt am Anfang Selbstbewusstsein erspielt, kann das am Ende sehr wichtig sein und dich tragen“, sagte Kapitän und NHL-Superstar Draisaitl (30), der sich nach dem Hype der ersten Tage um ihn zuletzt bewusst etwas rar machte.

Der deutsche Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier ließ kurz vor dem Turnierstart in Mailand auch schon mal eine Trainingseinheit aus, um durchzuschnaufen und stand nur noch gezielt Rede und Antwort. Angesichts des Karriere-Highlights, das im Schnelldurchlauf an den Stars vorbeirauschen wird, konzentriert sich Draisaitl nun auf das Wesentliche: „Wir freuen uns darauf, der Welt zu zeigen, wie gut wir Eishockey spielen können.“

Weil die nordamerikanische Profiliga NHL ihren Stars 2018 und 2022 die Olympia-Teilnahme verweigert hatte, ist eine ganze Generation an NHL-Topstars zum ersten Mal bei Winterspielen dabei. Während die Favoriten Kanada, USA, Schweden und Finnland (bis auf eine Ausnahme) ihre Olympia-Aufgebote nur mit NHL-Ausnahmekönnern bestückten und dies alle vier Jahre so handhaben könnten, ist der deutsche Kader wirklich etwas Besonderes.

So viele NHL-Stars wie noch nie im deutschen Kader

Sieben Spieler kommen aus der besten Liga der Welt. Zwei weitere haben NHL-Verträge und spielen in der zweitbesten Profiliga, der AHL. Das gab es noch nie. „Wir haben die beste Mannschaft aller Zeiten“, frohlockte Nico Sturm. Der ebenfalls 30 Jahre alte Stürmer der Minnesota Wild ist neben Draisaitl, Weltklasse-Verteidiger Moritz Seider (Detroit Red Wings) und Torhüter Philipp Grubauer (Seattle Kraken) der wichtigste Spieler im Kader. Der zweimalige Stanley-Cup-Sieger Sturm glänzt nicht wie Draisaitl mit Scoring-Qualitäten, sondern mit überragendem Bullyspiel, harter Defensivarbeit - und klaren Worten, öffentlich wie intern.

Auch wenn die Öffentlichkeit angesichts des starken Kaders auf eine Medaille wie 1976 (Bronze) oder 2018 (Silber) spekuliert, spricht Sturm offen über Defizite und sorgt für Einordnung. Da die NHL erstmals seit 2014 wieder die Topstars freigibt, schicken eben auch die anderen Nationen die besten Teams, die es bei ihnen jemals gab.

Stanley-Cup-Sieger Sturm: „Gradmesser für deutsches Eishockey“

„Wir haben immer gesagt, dass das deutsche Eishockey im Aufschwung ist, jetzt ist es eine perfekte Gelegenheit, es auszutesten, wo wir stehen“, sagte Sturm, der 2023 mit Deutschland Vize-Weltmeister wurde. Aber Olympia sei da schon eine andere Sache. „Das hier ist ein guter Gradmesser für das deutsche Eishockey.“ Beim olympischen Turnier sind wirklich die Besten der Besten dabei.

In der Offensive hat die Auswahl von Bundestrainer Harold Kreis auch reichlich Qualität. Neben Draisaitl verkörpert der 24 Jahre alte Tim Stützle (Ottawa Senators) Weltklasse. JJ Peterka (24) von Utah Mammoth ist auf dem Weg dahin. Von den 14 Kaderplätzen im Angriff sind alleine sieben mit Profis aus Nordamerika besetzt. „Wir haben seine sehr gute Mannschaft zusammen. Da ist jeder Aspekt abgedeckt“, sagte Draisaitl und Peterka befand: „Ich glaube, wir sind sehr, sehr gut aufgestellt. Wirklich in jeder Reihe.“

Das Problem des DEB-Teams ist die Defensive

Was beide nicht erwähnten, sprach Sturm aus: Das Problem ist die Defensive. Für Sturm ist das in Deutschland bis in die Jugendteams hinein ein Problem. „Wenn man unsere Mannschaften anschaut, fehlt uns immer in der Verteidigung ein bisschen was. Da müssen wir gucken, dass da Spieler nachkommen, die die Qualität auf dem allerhöchsten Level haben“, sagte er.

Im Olympiakader verkörpert diese Qualität nur Detroits Seider. Der zweitwichtigste Verteidiger im Kader ist der monatelang verletzt gewesene Kai Wissmann von den Eisbären Berlin. Die Not war so groß, dass Kreis dem 29-Jährigen trotz seiner schweren Achillessehnenverletzung einen Platz im Kader frei hielt. Gerade einmal vier DEL-Spiele hat Wissmann bislang in den Knochen.

Zum Start gegen Dänemark und am Samstag gegen Lettland fällt das Abwehrproblem bestenfalls nicht ins Gewicht. Zum Vorrundenabschluss gegen Weltmeister und Mitfavorit USA am Sonntag könnte es aber ebenso zum Thema werden wie die bei Olympia extrem kleine Eisfläche, die für die in Europa aktiven Spieler ungewohnt ist.„Da wird schon sehr schnell gespielt werden. Das macht das Spiel brutal eng“, sagte Sturm. „Da werden wir nicht viel zaubern können. Da müssen wir schnell spielen.“

© dpa-infocom, dpa:260211-930-672645/1


Von dpa
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