Dritter Dusel-Sieg: Messis Team leidet, tanzt und träumt | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 12.07.2026 05:46, aktualisiert am 12.07.2026 10:49

Dritter Dusel-Sieg: Messis Team leidet, tanzt und träumt

Die argentinischen Spieler feierten den Halbfinal-Einzug bei der WM. (Foto: Tom Weller/dpa)
Die argentinischen Spieler feierten den Halbfinal-Einzug bei der WM. (Foto: Tom Weller/dpa)
Die argentinischen Spieler feierten den Halbfinal-Einzug bei der WM. (Foto: Tom Weller/dpa)

Den dritten Dusel-Sieg im dritten K.-o.-Spiel feierten Lionel Messi und Co. völlig losgelöst - mit einer politisch und historisch aufgeladenen verbalen Spitze gegen den Halbfinal-Rivalen. Als von der prächtigen Tribüne des Football-Tempels in Kansas City der Fan-Gesang „Wer nicht hüpft, ist ein Engländer“ erklang, tanzten und sangen die argentinischen Spieler mit leuchtenden Augen mit.

Der diesmal torlose Messi wedelte oberkörperfrei sein Trikot und war überglücklich, dass seine WM-Karriere nochmal verlängert wurde und sein Traum von der erfolgreichen Titelverteidigung weiter lebt. „Wieder einmal mussten wir leiden, aber diese Mannschaft hört nie auf, daran zu glauben“, schrieb der 39 Jahre alte Fußball-Superstar bei Instagram: „Wir sind wieder unter den vier Besten der Welt!!! Los geht's, verdammt!!!!“

Doch der Auftritt beim 3:1 (1:1, 1:0) nach Verlängerung im Viertelfinale gegen die lange in Unterzahl spielende Schweiz war alles andere als titeltauglich - genauso wenig wie zuvor gegen die anderen Außenseiter Kap Verde und Ägypten. Trainer Lionel Scaloni gab dennoch zu bedenken, dass der Weg zum WM-Triumph 2022 auch steinig gewesen sei: „Auch in Katar haben wir gelitten, obwohl wir vielleicht besser gespielt haben, aber auch dort hatten wir es schwer.“

„Argentinien hat neun Leben“

Klar ist: Am Mittwoch in Atlanta gegen England mit den Offensivstars Harry Kane und Jude Bellingham braucht Argentinien für eine Finalchance eine deutliche Leistungssteigerung. Irgendwann ist das Glück auf bei der Albiceleste aufgebraucht. Dass Messi noch kein Spiel gegen die Three Lions absolviert hat, verleiht der Partie eine weitere Note. Zuletzt spielten die beiden Nationen, die durch den Falkland-Krieg 1982 auch eine brisante politische Vergangenheit haben, 2005 gegeneinander.

„Wieder am Abgrund, aber immer noch da“, schrieb Frankreichs „L'Équipe“. Noch pointierter brachte es „As“ aus Spanien auf den Punkt: „Argentinien hat neun Leben, einen VAR, der ihm immer zu Hilfe eilt, eine Legende wie Messi und nun auch noch die Spinne.“ Julián Álvarez, der mit einem Traumtor zum 2:1 den Weg zum Sieg ebnete, trägt den Spitznamen „Spinne“. Und was war wieder mit dem VAR? Der habe laut des Schweizer Kapitäns Granit Xhaka „das Spiel gekillt“.

Platzverweis für Embolo die Schlüsselszene

Kurz nach dem verdienten Schweizer Ausgleich durch Dan Ndoye (67.) sah Breel Embolo wegen einer Schwalbe die Gelb-Rote Karte - das allerdings erst nach Videobeweis. Schiedsrichter Joao Pinheiro hatte zunächst Argentiniens Leandro Paredes wegen angeblichen Foulspiels die Gelbe Karte gegeben. Die nahm der Referee nach Ansicht der Videobilder zurück und gab sie stattdessen dem bereits gelb-verwarnten Embolo. 

Der Ex-Schalker und -Gladbacher war danach in Tränen aufgelöst und musste von den Kollegen getröstet werden. „Er ist am Boden zerstört“, sagte der Schweizer Trainer Murat Yakin. Genau wie er kritisierten auch viele Spieler das Eingreifen des VAR, Remo Freuler sprach von einem „Desaster“. Der Stolz über das gute Spiel und das erstmalige Erreichen des Viertelfinals seit der Heim-WM 1954 wurde vom Frust über die Art und Weise des Ausscheidens überlagert. 

Verschwörungstheorie um Argentinien

Doch die Entscheidung war faktisch richtig. Ex-Nationalspieler Mats Hummels vermutete bei Embolo „irgendeine Übersprungshandlung“ im Kopf, denn es sei „natürlich Wahnsinn, schon gelb-verwarnt so eine Schwalbe zu machen“, sagte der Weltmeister von 2014 bei MagentaTV.

Dennoch dürfte die bei einigen Fans verbreitete Verschwörungstheorie, dass Argentinien von Schiedsrichter-Seite bevorteilt wird und von mächtigen Menschen unbedingt erneut zum Weltmeister gemacht werden soll, neue Nahrung erhalten haben. „Vor 40 Jahren hatten wir das Thema schon mal“, hatte Trainer Scaloni schon vor dem Schweiz-Spiel dazu gesagt: „Die Spieler nehmen das als Motivation, sie spielen dann noch besser.“

Geniestreich kommt diesmal nicht von Messi

Besser spielen kann auch Messi. Vom 39-Jährigen gab es gegen die Schweiz keine weiteren Geniestreiche, nach zuvor neun WM-Spielen in Serie mit mindestens einem Treffer ging er diesmal persönlich leer aus. Aber immerhin bereitete der WM-Rekordtorschütze den Führungstreffer von Alexis Mac Allister (10.) per Ecke vor.

Matchwinner war aber ein anderer: Álvarez, der die ideenlosen Argentinier mit einem Sonntagsschuss in den Winkel vor dem heiklen Elfmeterschießen rettete.

© dpa-infocom, dpa:260712-930-371638/3


Von dpa
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