Durch die Augen des Schillingsfürster Malers blicken | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 23.02.2024 16:40

Durch die Augen des Schillingsfürster Malers blicken

Bei einem ihrer Spaziergänge hat sie es entdeckt: das steinerne Medaillon am Gärtnerturm. Alexandra Raidel forschte nach und schon war ein neues Thema für eine ihrer Doerfler-Wanderungen gefunden. Von April bis Oktober lädt sie einmal pro Monat dazu ein. (Foto: Simone Hedler)
Bei einem ihrer Spaziergänge hat sie es entdeckt: das steinerne Medaillon am Gärtnerturm. Alexandra Raidel forschte nach und schon war ein neues Thema für eine ihrer Doerfler-Wanderungen gefunden. Von April bis Oktober lädt sie einmal pro Monat dazu ein. (Foto: Simone Hedler)
Bei einem ihrer Spaziergänge hat sie es entdeckt: das steinerne Medaillon am Gärtnerturm. Alexandra Raidel forschte nach und schon war ein neues Thema für eine ihrer Doerfler-Wanderungen gefunden. Von April bis Oktober lädt sie einmal pro Monat dazu ein. (Foto: Simone Hedler)

„An Ludwig Doerfler fasziniert mich seine absolute Heimatliebe“, sagt Alexandra Raidel. Wenn man sich die Werke des Schillingsfürster Malers ansieht, die dort im Museum hängen, erkennt man sofort, was sie meint: Auf vielen ist Schillingsfürst und seine Umgebung zu sehen.

„Ich bin schon immer viel gelaufen“, sagt Alexandra Raidel. Und irgendwann kam ihr dabei die Idee, die Museumsgäste mit zu den Orten zu nehmen, wo die Bilder entstanden sind. „Damit sie die Landschaft mit Ludwig Doerflers Augen sehen können.“ Das war im Jahr 2013. Seitdem bietet Raidel von April bis Oktober Themenführungen an, jeden Monat eine, sieben pro Jahr. Jedes Mal greift sie ein neues Thema auf, beleuchtet einen neuen Aspekt aus Doerflers Leben und Schaffen.


Er hatte seinen eigenen Malstil, hat sich nicht verbiegen lassen.

Alexandra Raidel

Der Maler wurde 1905 in Schillingsfürst geboren und lebte dort lange Jahre bis zu seinem Tod 1992. Dazwischen verbrachte er eine Zeit in München, studierte dort an der Akademie der Bildenden Künste. „Er hatte seinen eigenen Malstil, hat sich nicht verbiegen lassen“, so Raidel.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Doerfler nach Schillingsfürst zurück. „Hier war er verwurzelt.“ Und die Stadt, die Umgebung, die Frankenhöhe: Das waren seine liebsten und häufigsten Motive. Das ehemalige Amtsgericht, das er für Ausstellungen nutzte, ist heute das Ludwig-Doerfler-Museum. Mit seinem Tod hat er der Stadt rund 2200 Gemälde vermacht.

Einige Male hat Raidel eines davon mit auf die Wanderung genommen, damit man vergleichen konnte: „Wie sah es an einem bestimmten Ort bei Ludwig Doerfler aus, wie sieht es heute aus?“ Oft habe sich die Landschaft drastisch verändert, manchmal jedoch finde man noch das exakte Abbild.

„Oft zeige ich den Leuten auch vor Abmarsch ein Gemälde, das zum Thema der Wanderung passt“, sagt Raidel. „Dann wird gerätselt, wohin es wohl diesmal gehen wird“, meint sie mit einem Schmunzeln. Manchmal geht das Rätselraten sogar schon los, wenn sie das Motto der nächsten Wanderung veröffentlicht. „Über acht Brücken musst Du gehen“, hieß es zum Beispiel einmal. „Da wurde vorher intensiv diskutiert, welche Brücken das wohl sein könnten.

Strecken zwischen sechs und neun Kilometern

Rund zwei Stunden dauern die Doerfler-Wanderungen, zwischen sechs und neun Kilometer weit geht die Strecke. Danach gibt es eine gemeinsame Brotzeit. Auch zwei Winterspaziergänge bietet Raidel an, „die sind allerdings kürzer, dafür gibt es danach eine Vorsetz“. Das ist ein alter Brauch während der kalten Jahreszeit. Da kamen die Menschen abends zusammen, die Frauen haben gestickt oder genäht, die Männer Schafkopf gespielt. „So ähnlich machen wir es auch: Mal wird eine Biografie musikalisch umrahmt, mal gebastelt, mal werden Volkslieder gesungen.“

Mittlerweile hat Raidel ein festes Stammpublikum bei ihren Wanderungen, neben Touristinnen und Touristen sind viele Einheimische regelmäßig dabei. Wenn die dann sagen, „das kannte ich noch gar nicht“, sei das wie ein Ritterschlag, meint Raidel. Ihr fällt es leicht, immer neue Ideen zu entwickeln. „Ich sehe etwas Interessantes und dann recherchiere ich dazu. Nach und nach fügt sich dann so eine Wanderung zusammen, wie ein Mosaik.“

Mit dem Gärtnerturm am Schlosspark war es zum Beispiel so. „Mir ist dieses steinerne Medaillon am Turm aufgefallen“, sagt Raidel. Sie ging direkt auf Spurensuche und forschte nach. Wichtig ist ihr: der Bezug zu Ludwig Doerfler muss immer gegeben sein. „In dem Fall war das einfach: Im Gärtnerturm hat Doerflers Großvater gewohnt.“


Wie sah es an einem bestimmten Ort bei Ludwig Doerfler aus, wie sieht es heute aus?

Alexandra Raidel

Inspirieren lässt sie sich auch von ihren Kolleginnen und Kollegen. Zum Beispiel besucht sie regelmäßig die Weltgästeführertage. Am Samstag und am Sonntag, 24. und 25. Februar, werden in deren Rahmen unter anderem in Rothenburg zahlreiche kostenfreie Sonderführungen angeboten. In diesem Jahr dreht sich alles um die Gassen in der Altstadt, das Motto lautet „In, auf und unter der Gass‘“.

Am 4. April geht dann die Saison der Doerfler-Wanderungen wieder los. Bis Oktober lädt Alexandra Raidel alle Interessierten einmal pro Monat dazu ein, neue Aspekte des Malers und der Gegend rund um Schillingsfürst mit ihr gemeinsam zu entdecken.

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