Hitzewellen als Folge der Erderwärmung könnten nach Prognosen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in der Zukunft vor allem Süd- und Ostdeutschland treffen. Steigende Temperaturen zeichneten sich aber überall in Deutschland ab. Betroffen seien alle Jahreszeiten, am stärksten jedoch der Sommer, erklärte der DWD. Die Meteorologen veröffentlichten in Berlin neue Projektionen für die künftige klimatische Entwicklung in Deutschland sowie ihren Klimastatusbericht für das vergangene Jahr.
Konkret haben die Experten den Zeitraum 1961 bis 1990 mit ihren Projektionen für den Zeitraum 2071 bis 2100 verglichen. Beim Niederschlag fällt das Bild demnach differenzierter aus als bei der Temperatur. Die höchsten Zunahmen an Niederschlägen erwarten sie für den Winter im Norden und den Frühling im Nordosten Deutschlands.
Für den Sommer geht der DWD von mehr Trockenheit insbesondere im Westen aus, von mehr Regen insbesondere in Bereichen im Nordosten. Für den Südosten erwartet er trockenere Herbste.
Grundlage sei dabei ein Szenario, das von einer globalen Erderwärmung von 2,8 bis 4,2 Grad im Jahr 2100 ausgeht und von einem hohen Verbrauch fossiler Energieträger, sagte Tobias Fuchs vom DWD. Das liege im eher oberen Bereich der künftigen erwarteten Treibhausgas-Emissionen.
Die Weltgemeinschaft hatte sich bei der Klimakonferenz in Paris 2015 das Ziel gesetzt, den Anstieg der Temperatur möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Das gilt als kaum noch möglich: Laut aktueller UN-Prognose steuert die Welt mit ihrer aktuellen Klimapolitik auf 2,8 Grad Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts zu und reißt das international anvisierte 1,5-Grad-Ziel schon innerhalb des nächsten Jahrzehnts.
Die DWD-Meteorologen richten den Blick auch zurück. Das vergangene Jahr war von einem sehr trockenen Frühjahr geprägt, gefolgt von einer starken Hitzewelle Ende Juni und Anfang Juli mit Temperaturen von über 35 Grad Celsius in vielen Regionen.
Die Jahresdurchschnittstemperatur lag laut DWD bei 10,0 Grad. Damit steht 2025 auf Platz 8 in der Rangliste der wärmsten Jahre seit Beginn der Auswertungen 1881.
„Ein national nicht rekordwarmes Jahr bedeutet jedoch keine Entwarnung im globalen Maßstab“, schreibt der Leiter der Abteilung Klimaüberwachung, Andreas Becker, in seinem Vorwort zum Klimastatusbericht. Schließlich gelte 2025 nach Angaben internationaler Wetterdienste als drittwärmstes Jahr seit Beginn der globalen Auswertungen 1850.
Der wärmste Ort in Deutschland war im vergangenen Jahr Waghäusel-Kirrlach in Baden-Württemberg mit einer Durchschnittstemperatur von 12,11 Grad. Den Temperaturrekord hatte Andernach in Rheinland-Pfalz mit 39,3 Grad am 2. Juli.
Die Zugspitze vereinte im vergangenen Jahr gleich drei Wetterrekorde: Sie war mit minus 2,38 Grad im Jahresschnitt der kälteste Ort Deutschlands, der mit minus 21,1 Grad am 11. Januar auch die tiefste Temperatur meldete. 2.193,35 Sonnenstunden machten den höchsten Berg Deutschlands zum sonnigsten Ort.
Am anderen Ende der Skala lag das bayerische Oberstdorf mit lediglich 1.673,04 Sonnenstunden. Nicht allzu weit entfernt befand sich mit Balderschwang im Oberallgäu der nasseste Ort mit einem jährlichen Niederschlag von 1.841,8 Millimeter. Den höchsten Niederschlag an einem einzigen Tag verbuchte hingegen Bedburg-Weiler Hohenholz in Nordrhein-Westfalen mit 134 Millimeter am 8. September. Trockenster Ort war Arnstein-Ulzigerode in Sachsen-Anhalt mit 352,1 Millimeter im ganzen Jahr.
Die Wetterbedingungen im vergangenen Jahr waren mit einer überdurchschnittlichen Sonneneinstrahlung günstig für Solarstrom. Zugleich war das Jahr relativ windarm, bot also schlechtere Bedingungen für die Produktion von Strom mit Windrädern. Deutschland bestreitet inzwischen mehr als die Hälfte seines Bruttostromverbrauchs mit erneuerbaren Energien.
„Mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien gewinnt das Wetter als Einflussfaktor für die Stromerzeugung weiter an Bedeutung“, erklärte Jaqueline Drücke vom DWD.
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