Einen historischen Moment hat die frühere Ansbacherin Barbara Wagner erlebt: Sie war auf dem Petersplatz in Rom, als der neu gewählte Papst Leo XIV. zum ersten Mal zu den Gläubigen sprach.
Barbara Wagner arbeitet ehrenamtlich bei den Maltesern Bruchsal und weilte für einen Einsatz in Rom. Am Donnerstag hatte sie gerade ihre Schicht als Ärztin in der Sanitätsstation der Basilika St. Paul vor den Mauern beendet und wollte in ihrer Unterkunft die Beine hochlegen. Da erreichte sie die Nachricht, dass weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle aufsteigt – das untrügliche Zeichen, dass ein neuer Papst gewählt ist.
Zusammen mit ihrer Kollegin stürmte sie aus dem Haus. „Wir sind zum Petersplatz gejoggt, damit wir das miterleben“, schildert die Katholikin. „Dann haben wir die Gunst der Stunde genutzt und uns in den Einsatz begeben.“ Weil beide bei den Maltesern sind, bekamen sie über die Sanitätsstation Zugang zum zentralen Platz im Vatikan. Dort warteten Zehntausende auf die Nachricht, wer das neue Oberhaupt der Katholiken ist.
Dass sie ausgerechnet zur Papst-Wahl in Rom weilte, war purer Zufall. „Wir sind eine deutsche Malteser-Gruppe, die hier im Heiligen Jahr ihren Dienst verrichtet“, erzählt die 50-Jährige. Ein Heiliges Jahr findet alle 25 Jahre statt. Weil besonders viele Pilger erwartet werden, wurde die medizinische Versorgung aufgestockt. In Vierergruppen mit je drei Rettungskräften und einem Arzt waren Wagner und ihre Kollegen in den vier Hauptbasiliken – Petersbasilika, Lateranbasilika, St. Paul vor den Mauern und Santa Maria Maggiore – eingesetzt. Vergangenen Samstag reiste sie an, an diesem Samstag geht es zurück nach Deutschland. Der Aufenthalt war seit Monaten geplant – damals konnte niemand wissen, dass Papst Franziskus sterben wird und ein Konklave ansteht.
„Es war eine tolle Stimmung, ganz positiv, freudig gespannt“, berichtet Wagner von der Atmosphäre auf dem Petersplatz. „Die ganze Welt war versammelt – verschiedene Sprachen, Menschen mit verschiedenen Hautfarben. Das ist etwas, das einen emotional unglaublich berührt.“ Einen Favoriten hatte sie nicht. Dass dann am zweiten Tag des Konklaves im vierten Wahlgang Robert Francis Prevost und damit erstmals ein US-Amerikaner gewählt wurde, hat sie wie viele überrascht. „Als der Name verkündet wurde, haben sich alle angeschaut und gefragt: Wer ist das?“
Dann trat der neue Papst Leo XIV. auf die Loggia des Petersdoms. „Auf mich hat er auf den ersten Blick sehr, sehr sympathisch und nahbar gewirkt“, schwärmt sie. „Uns hat berührt, dass er Tränen in den Augen hatte. Er war genauso emotional wie wir alle auf dem Platz.“ Besonders schön fand sie, dass er in seiner Ansprache „den Frieden und das Brückenbauen in den Mittelpunkt gestellt hat. Gerade in der jetzigen Zeit, wo Brücken so wichtig sind“.
Prevost nahm den Papst-Namen Leo an. Das bedeutet auch: der Löwe. Barbara Wagner findet diese Wahl interessant. „Es ist ein Name, der Kraft, Energie und Einsatzwillen verspricht.“
Barbara Wagner ist in Ansbach aufgewachsen, besuchte die Weinbergschule und das Gymnasium Carolinum. Sie ist die Tochter des Autors und Journalisten Ulrich Rach. Mittlerweile arbeitet sie als Gynäkologin in Bruchsal (Baden-Württemberg) und engagiert sich ehrenamtlich bei den Maltesern.