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Veröffentlicht am 16.03.2024 10:00

Ein Denkmal in Bad Windsheim sucht einen Liebhaber

Der Blick vom Areal auf Bad Windsheim ist traumhaft. (Foto: Nina Daebel)
Der Blick vom Areal auf Bad Windsheim ist traumhaft. (Foto: Nina Daebel)
Der Blick vom Areal auf Bad Windsheim ist traumhaft. (Foto: Nina Daebel)

Im Juni des vergangenen Jahres ist der Kaufvertrag unterschrieben worden: Seitdem gehört das Steinhaus an der Kegetstraße 1 in Bad Windsheim der Stadt. Wie das Denkmal künftig genutzt werden soll, ist noch ungeklärt. Damit Interessierte aber einen Blick ins Innere werfen können, bietet Bürgermeister Jürgen Heckel nun Führungen an.

Der Empfangsraum ist ihm der liebste Raum. Weil der so großzügig gestaltet sei. Das betont Heckel ausdrücklich und lehnt sich im Sessel zurück. Er lässt den Blick schweifen, vorbei am ausgestopften Auerhahn, an den Büchern, den Geweihen und dem Kamin. „Man kann sich gut vorstellen, wie darin ein Feuer lodert“, sagt er und betont, schon oft in dem Haus gewesen zu sein. Es berge zahlreiche Begeisterungsmomente. Und die will Heckel nun gemeinsam mit interessierten Bürgern entdecken und teilen. Zum Beispiel die Lampe über der langen Tafel mit ihren kunstvollen Details. „Sowas sieht man sonst nur noch im Museum.“

Zwei Angebote sind schon ausgebucht

Drei Führungen wird der Bürgermeister zunächst anbieten. Davon sind zwei schon ausgebucht. Für die Begehung am 23. März ab 11 Uhr gibt es noch freie Plätze – buchbar sind sie über das Büro des Bürgermeisters. Jeweils zwölf Personen wird Heckel auf seine Reise in die Vergangenheit mitnehmen. Sie sollten einigermaßen gut zu Fuß sein, sagt er, da es auf dem Weg ins Dachgeschoss und in den Keller sowohl steil hinauf als auch steil hinab gehe.

Mit diesem Angebot verfolgt der Bürgermeister ein klares Ziel: Er will für das Haus, dessen Geschichte und eine künftige Nutzung begeistern – damit sich die Stadtgesellschaft diesem besonderen Bauwerks gerne annimmt und sich für seinen Erhalt einsetzt. „Ich möchte, dass die Bürger dem Haus gegenüber grundsätzlich positiv gestimmt sind“, sagt Heckel und hofft, dass das Denkmal sehr viele Liebhaber findet.

Doch die Sanierung des Gebäudes muss erst einmal warten. Voraussichtlich bis nach der Landesgartenschau im Jahr 2027 wird es „unbearbeitet stehen gelassen“. Vorher sei weder das Geld noch das Personal vorhanden, um ein weiteres Projekt wie dieses zu stemmen, betont der Bürgermeister.

Die Stadt habe in den vergangenen Jahrzehnten noch nie so viele Projekte umsetzen müssen, wie dies derzeit der Fall sei. Eine der obersten Prioritäten habe dabei beispielsweise die Instandsetzung des Klosterchores und der historischen Stadtbibliothek. Deswegen könne jetzt „kein neues Fass aufgemacht werden“.

Die Bausubstanz sieht gut aus

Dazu würde es laut Heckel aber auch keinen direkten Druck geben. „Die Bausubstanz sieht so weit gut aus. Es müssen keine Sofortmaßnahmen zum Erhalt ergriffen werden.“ Doch Ideen für eine künftige Nutzung dürften gerne bereits jetzt zusammengetragen werden. Dabei ist Heckel wichtig, dass sich bei diesem Prozess die gesamte Stadtgesellschaft und die Vereine mit einbringen. Man müsse ins Gespräch kommen, „um das Beste draus zu machen“.

Wie genau das aussehen könnte, sei derzeit aber noch vollkommen offen. Aktuell ist es Heckel zufolge wichtig, den Bürgern vor allem eines zu vermitteln: Dass dieses Steinhaus keine Belastung ist, sondern eine einzigartige Chance. Eine Aufgabe, eine Herausforderung und eine Verpflichtung, es für nachfolgende Generationen zu erhalten. Das sei auch einer der Gründe dafür gewesen, dass die Mehrheit des Stadtrates für den Kauf des historischen Gebäudes gestimmt hatte.

Das Gebäude bleibt ein großes Rätsel

Dessen Ursprung, sein Kernbau, wird auf die Zeit vor 1210 datiert. Konrad Bedal, der frühere Leiter des Freilandmuseums in Bad Windsheim, hat dem Steinhaus, dem wohl ältesten Gebäude in der Stadt, ein eigenes Kapitel in seinem Buch über die „Windsheimer Häuser“ gewidmet. „Ohne seine Forschungen wüssten wir nicht, was wir in der Stadt alles an Kulturgütern haben, an denen wir nahezu täglich vorbeilaufen. Konrad Bedal hat uns dafür die Augen geöffnet.“ So auch für die Besonderheiten des dreigeschossigen Steinhauses, das Dr. Friederike Starck-Wohlleben an die Stadt verkauft hatte. Ihr Vater, ein Allgemeinmediziner, hatte seine Praxis einst in den vorderen Räumen des Erdgeschosses untergebracht.

Das Gebäude ist insgesamt 23 Meter lang und rund elf Meter breit. Ohne Keller misst es eine Höhe von rund 19 Metern. Bedal bezeichnet das Denkmal in seinem Buch als „außergewöhnlichstes Haus“ in Bad Windsheim. Es werfe für die Forschung „viele ungelöste Fragen zu seiner einstigen Bedeutung und seiner Baugeschichte auf, so dass es zu den größten Rätseln des Hausbaus in Bad Windsheim zählt“.

Heckel ist von dieser Geschichte beeindruckt und gerät ins Schwärmen: „Man muss ehrfürchtig sein, angesichts der Handwerkskunst, die sich hier widerspiegelt, und angesichts der Tatsache, dass man sich rund tausend Jahre Menschheitsgeschichte gegenübersieht“, sagt der Bürgermeister, der sich schon auf die Führungen freut und darauf, seine Begeisterung für das Objekt weiterzugeben. „Jeder wird sich etwas Eigenes heraussuchen, was ihn fasziniert.“ So sei auch der zum Steinhaus dazugehörige Garten besonders.

Hoffnung auf viele Ideen

Heckel hofft zudem, dass sich die Öffnung des Hauses nach außen fortsetzen lassen wird. Das würde Vertrauen und eine Perspektive schaffen. Denkbar sei beispielsweise, das Gebäude zu bestimmten Anlässen immer mal wieder zu öffnen. „Um Akzente zu setzen“, sagt der Bürgermeister. Er betont zudem ausdrücklich, dass er auf viele Ideen der Bürger hofft. „Manch’ einer hat beim Durchgehen vielleicht einen Blitzeinfall, was man hier machen könnte.“ Wichtig sei auf jeden Fall, dass das Haus viele Mitwirkende finde.

Bevor die sich aber alle an einen Tisch setzen können, um ein Konzept hierfür zu erarbeiten, werde laut Jürgen Heckel noch Zeit vergehen. Er will nichts überstürzen und auch keine falsche Erwartungshaltung forcieren. „Es muss sich langsam entwickeln.“

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