Ein Harmonium aus der Schweiz zieht in die Schlosskapelle Schillingsfürst | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 01.11.2025 10:34

Ein Harmonium aus der Schweiz zieht in die Schlosskapelle Schillingsfürst

In der Schlosskapelle gibt es jetzt ein Hofberg-Harmonium. Das Foto entstand beim ersten Einsatz des neuen Instruments. (Foto: Margit Schwandt)
In der Schlosskapelle gibt es jetzt ein Hofberg-Harmonium. Das Foto entstand beim ersten Einsatz des neuen Instruments. (Foto: Margit Schwandt)
In der Schlosskapelle gibt es jetzt ein Hofberg-Harmonium. Das Foto entstand beim ersten Einsatz des neuen Instruments. (Foto: Margit Schwandt)

Zur Ausstattung der Schlosskapelle Schillingsfürst gehört jetzt ein festes Instrument: ein Hofberg-Harmonium mit 16 Registern. Es stammt aus der Zeit um 1900 und stand ursprünglich in einer Kirche in Basel, später dann im Schweizer Harmonium-Museum. Am Wochenende wurde es erstmals in Schillingsfürst gespielt.

Dieter Stalder ist ausgesprochener Harmoniumspezialist und Leiter des Harmonium-Museums in Liestal bei Basel. Alle Instrumente dort sind liebevoll restauriert und spielbar. Das Hofberg-Harmonium hatte er immer wieder für Konzerte ausgeliehen, auch Kirchen fragten das Instrument wiederholt an, denn es ist kompakt und hat sehr schön intonierte Register.

Prädestiniert für romantische Stücke

Das sei gerade richtig für romantische Konzertliteratur, in der ein Harmonium vorgesehen sei, oder für die Begleitung einer Messe, beispielsweise von Rossini, so Margit Schwandt, zweite Vorsitzende des Kulturfördervereins Schloss Schillingsfürst. Magnus Hofberg hatte laut Schwandt seinen Firmensitz in Leipzig, Dort wurden demnach von 1891 bis 1930 etwa 28.500 Saugwindharmoniums hergestellt.

Viele Instrumente, die es sogar geschenkt gegeben hätte, habe sich der Verein im Vorfeld angesehen. Doch keines sei einsatzbereit gewesen. „Meist waren die Bälge undicht, oft fielen einzelne Töne oder ganze Register komplett aus, vereinzelt hatte sich auch Schimmel breitgemacht”, erklärte Margit Schwandt. Die Reparaturen wären äußerst kostspielig gewesen und damit uninteressant.

Eine Orgel wäre zu teuer gewesen

Die Idee, ein Instrument aus dem Schweizer Museum zu kaufen, kam schließlich von Lars David Kellner, der im vergangenen Jahr auf seinem Kunstharmonium im Rahmen des Liszt-Festivals in der Schlosskapelle ein Konzert gegeben hatte. Die Kapelle „schreie förmlich nach einem Harmonium“, so Kellner.

Auch die Vorstandschaft des Kulturfördervereins war sich schnell einig, dass ein elektronisches Instrument oder ein Klavier nicht zum Stil der Kapelle passen und die Anschaffung einer kleinen Orgel zu teuer wäre. Sie beschloss, ein Harmonium anzuschaffen, das sich historisch und stilistisch in den Raum einfügt. Man könne damit die Schlosskapelle in das Liszt-Festival integrieren, kleine Konzerte veranstalten, Andachten und Gottesdienste feiern.

Pfarrer Hans-Peter Kunert übergab das Instrument nach einer Segnung seiner Bestimmung: Mit einem Impromptu von Franz Schubert eröffnete Ulrich Schwandt schließlich den Gottesdienst und er stellte die vielen Klangfarben des Harmoniums vor, besonders bei den Liedvorspielen. Einen Motor hat das Instrument nicht, die Luft kommt über zwei Pedale, die der Spieler treten muss.

Es mussten zusätzliche Stühle geholt werden

Die Schola der Regionalpfarrei unter der Leitung von Margit Schwandt hatte romantische Musik vorbereitet und in die Liturgie integriert. Der Einladung in die Schlosskapelle waren so viele Menschen gefolgt, dass Stühle aus dem Konzertsaal geholt werden mussten, die großen Flügeltüren geöffnet blieben und damit der Vorraum einbezogen werden konnte.

Mit dem „güldenen Rosenkranz“, einem mehrstimmigen, alpenländischen Lied, erinnerten die Sängerinnen und Sänger an die im vergangenen Jahr verstorbene Fürstin Ladislaja zu Hohenlohe-Schillingsfürst – es war ihr Lieblingslied. Gleichzeitig beschlossen sie damit den Rosenkranzmonat Oktober.

Und auch des Hochzeitstages des verstorbenen Fürstenehepaares wurde gedacht – er jährte sich am 24. Oktober zum 60. Mal. Die Schlosskapelle befindet sich im Privatbesitz der fürstlichen Familie und ist normalerweise nicht zugänglich – lediglich bei Gottesdiensten oder Konzerten ist sie geöffnet.


Von bi
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