Das Wildbad gibt Unmengen von Stoff her. Bei einer Themenführung, an der 50 Leute teilnahmen, wurden ein paar Geheimnisse gelüftet, etwa jenes, dass der Erbauer des einstigen Kurhotels das Projekt vor allem deshalb finanziell stemmen konnte, weil er viel Geld mit der Erfindung eines speziellen Hüftstützkorsetts verdient hatte.
Stephan Michels, Mitglied des Wildbad-Leitungsteams, gestaltete den Rundgang über das weitläufige Außengelände am Tauberhang anekdotisch, denn eine ausführliche chronologische Darstellung der Geschichte dieser Einrichtung hätte zu weit geführt.
Er erwähnte, dass bereits im Mittelalter an Ort und Stelle die heilsame Wirkung der Quellen erkannt und ein kleines Badehaus errichtet worden war. 1894 verkaufte die Stadt die Anlagen an den erfolgreichen Orthopädie-Unternehmer Friedrich Hessing (1838-1918), der ursprünglich aus Schönbronn bei Buch am Wald stammte und Rothenburg deshalb gut kannte.
Hessing, der 1868 in Göggingen bei Augsburg ein Unternehmen gegründet hatte und danach mit orthopädischen Spezialentwicklungen wie dem nach ihm benannten Hessingkorsett unter anderem Menschen mit Wirbelsäulenverkrümmung half, kam dadurch zu einem beträchtlichen Vermögen. Auf dem Gelände am Tauberhang begann er Ende des 19. Jahrunderts, seine Idealvorstellung von einem Kurhotel zu realisieren.
Als dieses 1902 eröffnet wurde, hatte der Bau mehr als 1,5 Millionen Mark verschlungen, damals eine unvorstellbar hohe Summe. Nach einigen guten Betriebsjahren kam der Erste Weltkrieg. Die Gäste blieben aus. Hessing entschloss sich 1917, das Wildbad an die Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger in Berlin zu verkaufen. Danach wechselten die Eigentums- und Nutzungsverhältnisse noch mehrfach.
Das Wildbad gehörte zeitweise dem Landesverband der Bayerischen Ortskrankenkassen und diente während der NS-Zeit als Hitlerjugend-Schule und Lazarett, nach dem Zweiten Weltkrieg dann als Kinderheim, US-Lager und Vertriebenen-Unterkunft, bevor es ab 1951 die Bayerische Bereitschaftspolizei lange als Ausbildungszentrum nutzte.
In den 1980er Jahren etablierte es sich nach einem erneuten Eigentümerwechsel dann als kirchliches Tagungszentrum. Seit Anfang 2025 gehört der Komplex den Stadtwerken Rothenburg, die es von der Heidenheimer Schlosshotel Hellenstein GmbH als „normales” Hotel führen lassen.
Bei dem Rundgang mit Stephan Michels erfuhren die Teilnehmenden, dass der Erhalt der einmaligen baulichen Anlagen große Herausforderungen beschert. Dazu gehört der Austausch der Fenster, von denen viele noch aus der Bauzeit vor über 120 Jahren stammen. Einmalig sei die das Hotel umgebende Natur, die laut Michels „in die Räume hineinwirkt”. Der Park bereite aber auch Kopfzerbrechen. So hätten viele der inzwischen 120 Jahre alten Bäume ihren Zenit erreicht. Und insbesondere der Eschenbestand leide unter einem Pilzbefall. An einem Konzept für Ersatzpflanzungen werde aber bereits gearbeitet.
Neben dem Rundgang mit Stephan Michels fand eine weitere Themenführung statt, für die das Wildbad der Ausgangspunkt war. So führte Benjamin Krauthahn, Geschäftsführer des Naturparks Frankenhöhe, die Teilnehmenden zu einer kleinen Streuobstwiese am Talanstieg, um dort die wesentlichen Merkmale solcher Flächen zu veranschaulichen. Weit auseinander stehende, unterschiedlich alte und hochkronigen Obstbäume seien ein charakteristisches Landschaftsmerkmal, erklärte er.
An der nahegelegenen Mündung der Schandtauber zur Tauber, der nächsten Station, erfuhr die Runde von ihm etwas über die Zusammenhänge der Geologie und des Gewässers, bevor er die gute Wasserqualität der Tauber und ihrer Zuflüsse hervorhob. Ein weiterer Stopp war der Beweidung durch Wanderschäferei gewidmet. Krauthahn wies auf den ökologischen Wert der Hutungen hin, auf denen Schafe weiden. Schließlich beeindruckte die Teilnehmenden, dass Schafe neben dem Samenaustausch der Wildpflanzen auch ein selektives Fressverhalten haben, welches Wildkräuter bevorzugt.
An der letzen Station, einem Teil des Wildbad-Parks, erklärte der studierte Förster den Wert von Totholz für die Insektenfauna und erläuterte den Ablauf einer Infektion mit dem Eschentriebsterben.