Ein neues Wärmenetz für Wolframs-Eschenbach: Das sind die Pläne | FLZ.de | Stage

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Ein neues Wärmenetz für Wolframs-Eschenbach: Das sind die Pläne

Thomas Einzinger möchte weiter Haushalte, die Grund- und Mittelschule sowie das Feuerwehrhaus mit Wärme versorgen. (Foto: Antonia Müller)
Thomas Einzinger möchte weiter Haushalte, die Grund- und Mittelschule sowie das Feuerwehrhaus mit Wärme versorgen. (Foto: Antonia Müller)
Thomas Einzinger möchte weiter Haushalte, die Grund- und Mittelschule sowie das Feuerwehrhaus mit Wärme versorgen. (Foto: Antonia Müller)

Ein neues Wärmenetz ist in Wolframs-Eschenbach geplant. Die Wärme liefert der landwirtschaftliche Betrieb von Thomas Einzinger aus Reutern. Die Hauptleitung soll quer durch die Stadt verlaufen, deshalb könnten die Pläne für viele Bürgerinnen und Bürger interessant sein.

Die Stadt suchte im Amtsblatt nach einem Wärmelieferanten für die Grund- und Mittelschule sowie das Feuerwehrhaus. Außerdem haben bei einer Umfrage der Verwaltung rund 200 Personen Interesse an einem Anschluss angemeldet.

In Wolframs-Eschenbach gibt es aktuell drei Wärmenetzbetreiber. Einzinger ist einer von ihnen. „Wir haben sofort gewusst, dass das für uns passt”, erzählt er im Gespräch mit der FLZ. Der 43-Jährige ist überzeugt von der Technik.

Viele Bereiche der Stadt sind denkbar

Der Betrieb Einzinger hat mehrere Standbeine – eines ist die Energie. Mit einer Biogasanlage produzieren sie Strom. Seit 1999 nutzen die Familie und zwei weitere Anschlussnehmende auch die Abwärme der Biogas-Blockheizkraftwerke (BHKW) zum Heizen. Inzwischen wurde das Wärmenetz auf das Dorf und einige Teile der Stadt ausgeweitet. 40 Anschlussnehmende versorgt er aktuell, so Einzinger.

Im Stadtrat stellte er jetzt den aktuellen Planungsstand der Erweiterung vor. In den Sommermonaten und in den Übergangszeiten soll die Abwärme der BHKW die Haushalte versorgen. Im Winter soll eine Hackschnitzelheizung zusätzliche Wärme liefern. Das Holz dafür möchte Einzinger aus seinem eigenen Wald und aus der Umgebung gewinnen.

„Selbst in der Altstadt kann man sich Gedanken machen”

Eine große Hauptleitung soll von der Heizzentrale zu den städtischen Gebäuden (Schule und Feuerwehr) verlegt werden. Von dieser Leitung aus könnten Nebenleitungen weggehen. Eine Karte zeigt, welche Gebiete dafür infrage kommen. So wäre es Einzinger zufolge denkbar, die Bereiche um die Adelmannsdorfer Straße, den Mühlbuck, die Reuterner Straße, die Nördliche Ringstraße und die Untere Vorstadt anzuschließen. „Selbst in der Altstadt kann man sich Gedanken machen”, sagt der 43-Jährige. Wo ein Nebenstrang letztlich möglich ist, hängt davon ab, wo genug Menschen zusammenkommen.

In den Häusern der Anschlussnehmenden wird je ein Übergabekessel installiert, erklärt Einzinger. Die Technik bleibt aufgrund der Förderrichtlinien allerdings im Besitz des Betreibers.

Gesamtes Projekt zieht sich über Jahre

Einzinger plant zunächst, auf die Bürgerinnen und Bürger in den angesprochenen Bereichen zuzugehen. Man muss die Leute „schon gründlich informieren”, sagt er. Was für die meisten wohl ein entscheidender Faktor sein dürfte, sind die Kosten.

Dafür eine grobe Rechnung aufzustellen, wird der übernächste Schritt sein, so Einzinger. Sobald er grob weiß, in welchen Bereichen wie viele Leute interessiert sind, könne man bessere Aussagen treffen. Auch die Förderbescheide müsse man abwarten. Es wird also erst im Herbst konkreter.

Vorangehen soll es dann in mehreren Abschnitten. Zuerst soll in rund einem Jahr die Hauptleitung von Reutern zur Grund- und Mittelschule sowie zur Feuerwehr verlegt werden. Parallel dazu plant Einzinger, die Hackschnitzelheizung zu bauen. In dieser Zeit soll außerdem die Planung der weiteren Bauabschnitte geschehen. All das wird fünf bis sechs Jahre dauern, schätzt er.

„Rund um die Uhr erreichbar”

Einzinger warb mit Klimaneutralität, was er mit dem Primärenergiefaktor erklärte. Bei der Biogasanlage ist die Wärme ein Nebenprodukt. Doch sowohl für die Biomasse als auch für die Holz-Hackschnitzel laufen natürlich große Maschinen.

Die Frage nach der Versorgungssicherheit kam in der Stadtratssitzung mehrmals auf. Als Versorger sei er selbst zuständig, dass die Wärme in die Häuser kommt, so Einzinger. Abgesichert sei man durch insgesamt vier BHKW, die Hackschnitzelanlage, einen großen Pufferspeicher in der Zentrale und einen Notkessel, der mit Biogas betrieben werden könne.

Die Pump- und Regeltechnik im Heizhaus sei ohnehin doppelt aufgebaut, ein Notstromaggregat gebe es auch. Bei Problemen wird es einen Ansprechpartner geben, der „rund um die Uhr erreichbar ist”, versprach Einzinger.

Bürgermeister Dörr lobt regionale Initiative

Die Stadträte Armin Medek und Helmut Arndt (beide CSU/UB) erkundigten sich außerdem nach den Verträgen. Wie lange die Laufzeiten gehen und wie fest man gebunden sei, wollten sie unter anderem wissen. Es wird langfristige Verträge geben, so Einzinger. Doch auch über flexible Lösungen könne in Einzelfällen gesprochen werden.

Ein häufiges Thema ist bei Biogasanlagen die Förderung. Viele Anlagenbetreiber hören auf, sobald sie keine Gelder mehr bekommen. Einzinger erklärt, dass er sich mit der Erweiterung des Netzes allerdings langfristig eher unabhängiger von der Förderung machen möchte. „Ich gehe davon aus, dass das über Generationen betrieben wird”, sagt er im Gespräch.

Bürgermeister Michael Dörr sprach sich in der Sitzung für die regionalen Netze aus und lobte alle drei Wolframs-Eschenbacher Betreiber. So bleibe das Geld in der Region und man trage es nicht nach Saudi Arabien.


Antonia Müller
Antonia Müller
Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach
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